Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Archiv.

28. Februar 2009

Gute-Laune-Musik XIV: Noro

Kategorie: Gute-Laune-Musik

Meine neueste Blog-Entdeckung, der Monsterdoc, ist wunderbar medizynisch.
Der von ihm verzapfte Noro-Virus-Song:


Wir haben bei uns auf der Station (Gastroenterologie) seit langem immer ein oder zwei PatientInnen wegen Noroviren isoliert. Da kommt mir der Titel gerade recht. Aber angesteckt hat sich noch keiner von uns, und ausgebreitet hat es sich auch nicht.

[ 06 Uhr 00 ] - [ 1 Kommentar ]

27. Februar 2009

Noch nicht ganz da

Kategorie: Erlebtes

Petrus hat Dienst am Himmelstor, als es laut und vernehmlich klopft. Er öffnet die Tür und ein verhuschter kleiner Mann steht davor und sagt:

"Hallo, ich bin der Hu",
als er plötzlich wieder verschwindet. Petrus guckt verwundert, schließt die Tür wieder. Kaum ist sie zu, klopft es wieder an der Tür.

Der Mann steht wieder vor der Tür und wieder sagt er:
"Hallo, ich bin der Hu"
und verschwindet wieder spurlos. Petrus ist sichtlich verärget, wirft die Tür wieder ins Schloß, da klopft es wieder.

"Hallo, ich bin der Hu" - und weg.

Was zuviel ist, ist zuviel. Petrus donnert die Tür zu, verlässt seinen Posten und geht sich bei seinem Chef beschweren, der aber nur abwinkt und meint:

"Das ist nur Hubert, der liegt auf der Straße und wird gerade reanimiert!"

[ 06 Uhr 00 ] - [ 3 Kommentare ]

26. Februar 2009

Gute-Laune-Musik XIII: Privatpatient

Kategorie: Gute-Laune-Musik

The Mannheim Uroband: Privatpatient

Irgendwie kommt mir das bekannt vor... wink

[ 06 Uhr 00 ] - [ 2 Kommentare ]

25. Februar 2009

Rosenmontag Nachlese

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Der Dienst vorgestern verlief halbwegs ruhig. Bis zu uns drangen die Schnapsleichen nicht vor. Allerdings ging der Rosenmontagszug direkt um die Klinik, die ja im Herzen der Stadt liegt, herum. Die Geräuschkulisse war entsetzlich. Rummsrummsrumms, ohrenbetäubend.

Irgendwann mache ich mal meinen eigenen Wagen, und auf diesem bieten dann Emma Kirkby und Anthony Rooley Lieder der Renaissance dar. Damit da mal etwas Niveau reinkommt.

Die Betrunkenen vergnügten sich unter anderem damit, mehr oder minder leere Flaschen und anderen Müll durch die Gegend zu werfen. Seltsames Vergnügen... Und verletzungsträchtig.

Ich mußte am frühen Abend in unserer Notaufnahme eine Patientin (mit einer VERNÜNFTIGEN Krankheit) abholen. Dort war die Hölle los. Diverse Verletzungen (welch Wunder, s.o.) und vor allem Alkoholvergiftungen. Ein RTW folgte dem anderen, und die neuen, großzügig dimensionierten Räumlichkeiten quollen über. Die Schnapsleichen mußten auch auf dem Flur geparkt werden, wo sie um die Wette kotzten.

Täusche ich mich, oder wird das von Jahr zu Jahr schlimmer und die Betreffenden immer jünger?

Ich sehe so etwas, und denke daran, daß ich oben auf Station einen Sterbenden pflege. Fühlt sich seltsam an.

[ 06 Uhr 00 ] - [ 5 Kommentare ]

24. Februar 2009

Sprung in der Schüssel

Kategorie: Psycho?!?

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug.

Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der lange Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: "Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft."

Die alte Frau lächelte. "Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?
Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren."

Jeder von uns hat seine ganz eigenen Macken und Fehler, aber es sind die Macken und Sprünge, die unser Leben so interessant und lohnenswert machen. Man sollte jede Person einfach so nehmen, wie sie ist und das Gute in ihr sehen.

Also, an all meine Freunde mit einem Sprung in der Schüssel, habt einen wundervollen Tag und vergesst nicht, den Duft der Blumen auf eurer Seite des Pfades zu genießen.

[ 06 Uhr 00 ] - [ 5 Kommentare ]

23. Februar 2009

Sag zum Abschied leise Servus, Wasserkocher

Kategorie: Mischmasch

Übrigens bin ich ein Supermann. Seit ich hier wohne, also etwas mahr als einem Jahr, sind die Kockplatten in meiner Küche defekt, und auch mein Kumpel Olli, gelernter Elektriker, konnte sie nicht reparieren. Gut, für einen allein zu kochen bringt es eh nicht, und für mehrere sind zwei Platten zu wenig, zudem koche ich lieber auf Gas, weshalb ich meistens dann bei meinem besten Freund Peter bin.

Nunja, Platz will genutzt werden, und dort stand dann nun mein Wasserkocher drauf.

Irgendwann stank es bestialisch- siehe da, die Herdplatte hatte sich plötzlich entschlossen, zu funktionieren.

[ 09 Uhr 51 ] - [ 3 Kommentare ]

20. Februar 2009

Freund Hein II

Kategorie: Psycho?!?

Freund Hein kommt, wenn er es für richtig hält.
Heute war er bei A., einer Bekannten von mir.
Ich bin traurig.

[ 22 Uhr 51 ] - [ 3 Kommentare ]

18. Februar 2009

Freund Hein.

Kategorie: Erlebtes

Oft werde ich gefragt ob es mich nicht belastet, mit so vielen Schwerstkranken und Sterbenden zu arbeiten.

Nein, tut es nicht. Im Gegenteil.
Ich beziehe viel positive Energie gerade aus dieser Arbeit. Mag sein, daß das seltsam klingt. Doch ist die Sterbebegleitung eine der anspruchsvollsten und auch erfüllendsten Aufgaben in der Pflege.
Die meisten finden im Team ein, zwei Bezugspersonen, und zumeist sind diese dann auch gleichzeitig die Bezugspersonen für die Angehörigen. Trifft es mich, dann bin ich Vertrauensperson für die Betroffenen. Das Verhältnis bleibt zwar professionell, wird aber dabei sehr intensiv.

Wenn es mir gelingt, jemandem auf seinem schweren Weg eine gute Stütze zu sein, dann bin ich glücklich und zufrieden. Und ich denke, mir gelingt es recht gut, im richtigen Augenblick die richtigen Worte zu finden- oder auch zu schweigen. Und unaufdringlich Präsenz zu zeigen und das Gefühl zu vermitteln, nicht alleine gelassen zu werden.

Ich betrachte den Tod nicht als Gegner.

[ 22 Uhr 03 ] - [ 3 Kommentare ]

17. Februar 2009

Hurgh!

Kategorie: Erlebtes

1997

Unser neuer Zivi gefiel mir damals recht schnell. Und er hatte einen ansprechenden Musikgeschmack. Kurz vor Weihnachten lieh er mir jedenfalls eine CD mit Weihnachtsliedern in Heavy-Metal-Versionen. Am Heiligen Abend hatten wir beide Spätschicht, und wie jedes Jahr kam ein Chor durchs Haus und sang Weihnachtslieder.

Wir hatten unsere liebe Not, nicht vor Lachen zusammenzubrechen.

Wir planten, mit einer Metal-Band die Welt zu erobern. Ein paar der geplanten Titel fallen mir noch ein:

-Diarrhoea Demon
-Satan's Private Toilet In Hell
-Infernal Overshit

Wir leerten in unserer Freizeit so manche Flasche Wein und verständigten uns (sehr zum Leidwesen der KollegInnen) überwiegend mit Grunzlauten. Während des Studiums verschlug es ihn dann nach Aachen, und wir verloren uns aus den Augen.

[ 20 Uhr 16 ] - [ 3 Kommentare ]

13. Februar 2009

Porno

Kategorie: Erlebtes

Einst, kurz nach meinem Examen, hatte ich eine Kollegin, deren Lieblingskollege ich war. Sie erzählte mir Montags nach dem freien Wochenende immer, was sie da so erlebt hatte. Meistens kam da ihr Freund angereist, und sie berichtete ausführlich, was sie zu zweit unternommen hatten. In allen Details, die mich nicht wirklich interessierten, aber das merkte sie nicht und plapperte munter weiter.

Irgendwann fragte ich sie mal, ob sie das nicht ein wenig kompliziert fände, technisch gesehen. Sie antwortete mir, daß sie sich nicht vorstellen könnte, daß wir ES spießig machen würden. Ich sagte dazu gar nichts. Zumal ich mir nie Gedanken gemacht hatte, was denn im Bett spießig ist oder nicht.

Nach weiteren Berichten aus dem Lotterbett frug ich sie, ob die beiden sich auch mal unterhalten würden.
Allerdings schien sie den Hintergrund dieser Frage auch nicht zu verstehen.

[ 11 Uhr 29 ] - [ 14 Kommentare ]

12. Februar 2009

Umbenannt

Kategorie: Psycho?!?

Vor vielen Jahren wurde auf dem Gelände des Gutes Mariental die erste Irrenanstalt Münsters eingerichtet. Noch heute nennen es viele ältere Münsteraner Mariental, auch wenn später daraus das Landeskrankenhaus (LKH) wurde, in dem ich dann später (ca. 1994) meinen Psychiatrieeinsatz hatte. Richtig, der mit dem vollgekackten und verstopften Klo.

Nach meinem Examen 1996 hieß es recht bald Westfälische Kliniken für Psychiatrie (WKfP). Später wurde dann daraus Westfälische Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie (WKfPP). Noch etwas später wurde es umbenannt in schlicht Westfälische Kliniken Münster (WKM). Vielleicht fühlte sich deren Innere Abteilung diskriminiert? Als ich 2006 das erste Mal dort Patient war, hieß es noch so. Ein Jahr später dann stand auf dem Briefkopf plötzlich LWL-Kliniken Münster (LWL=Landschafstverband Westfalen-Lippe).

Ob da jemand einen geheimen Vertrag mit einer Briefkopfdruckerei hatte? Vier Umbenennungen in 13 Jahren?

Gut, es störte mich nicht wirklich.

Als ich nach meinem letzten Suizidversuch dann im LKH Osnabrück landete, forderten die mit meiner Erlaubnis Unterlagen von meinem Psychiater und meinem Psychologen an. Ich unterschrieb ein Formular dafür, und dachte nicht weiter drüber nach.

Dann wurde zum Oktober die Klinik an den Schweizer AMEOS-Krankenhauskonzern übergeben, an den das Land Niedersachsen die Klinik verschachert hatte. Dadurch änderte sich allerdings erstmal nichts für mich, nur die Schilder wurden ausgetauscht. Bei Entlassung unterschrieb ich wie immer, daß mein Doc und mein Therapeut den Arztbrief bekommen sollten. Und fur heim. Nach 6 Wochen Tagesklinik ging wieder alles seinen gewohnten Gang. Nur beschwerten sich sowohl Therapeut als auch Doc darüber, daß noch immer kein Arztbrief vom LKH eingetroffen sei. Irgendwann sagte ich, das könne nicht sein, ich hätte schließlich in die Übermittlung eingewilligt.

Ja, vom LKH, das damals die Unterlagen angefordert hatte, sind nach wie vor keine Entlaßunterlagen da. Nur vom AMEOS-Klinikum.

AHA!
Das ließ sich aufklären.

[ 09 Uhr 16 ] - [ 5 Kommentare ]

10. Februar 2009

Gute-Laune-Musik XII: REM mal anders

Kategorie: Gute-Laune-Musik

[ 06 Uhr 00 ] - [ 1 Kommentar ]

09. Februar 2009

Kopfschmerzen

Kategorie: Mischmasch

Beim Erwachen heute früh hatte ich Kopfschmerzen. Aber kein Aspirin im Haus. Da ich nur selten Kopfschmerzen habe, vergesse ich beim Abholen meiner Medikamente immer, welches mitzunehmen.

Macht auch nichts- nach dem ersten Kaffee gingen die Kopfschmerzen von alleine wieder weg. Das wird doch kein Koffeinentzug gewesen sein?

[ 11 Uhr 13 ] - [ 1 Kommentar ]

07. Februar 2009

Geschwister

Kategorie: Psycho?!?

Ich war im Sommer 2007 zweieinhalb Monate auf der geschlossenen Kriseninterventionsstation der Psychiatrie. An dem Zimmer, das ich immer Dienstzimmer nenne, war die veraltete Beschriftung "Schwesternzimmer" überklebt.

Es nannte sich "Geschwisterzimmer".

[ 21 Uhr 00 ] - [ 1 Kommentar ]

06. Februar 2009

Das Loch

Kategorie: Erlebtes

LESEN AUF EIGENE GEFAHR!

1999

Nennen wir sie Frau Hügel. Frau Hügel hatte Darmkrebs und einen künstlichen Darmausgang (Stoma). Sie hatte lange bei den Proktologen gelegen und war schätzungsweise tausendmal operiert worden, und der Darm wurde immer kürzer dabei. Kurzdarmsyndrom. Sie aß Erdbeeren, und kurz darauf kamen sie zum Stoma wieder heraus. Weitestgehend unverändert, nur eben zerkaut.

Also konnte der Darm auch kaum noch Wasser aufnehmen- auch dieses landete im Beutel, der spätestens eine halbe Stnde nach der Mahlzeit geleert werden mußte, sonst wäre er abgeplatzt. Und auch zwischendrin ständig. Trotzdem mußten wir 3-4 Mal täglich den Beutel erneuern.

Außerdem hatte sie nach der letzten OP eine Nahtinsuffizienz, das bedeutet, die Naht ging wieder auf. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie zu schließen, verlegte man sie mit einem etwa handtellergroßen Loch, unter dem man prima die Darmschlingen bei der Arbeit bewundern konnte, zu uns.
Den Rest lesen ]

[ 06 Uhr 00 ] - [ 5 Kommentare ]

05. Februar 2009

Beim Psychiater

Kategorie: Psycho?!?

Heute morgen ging es mir noch gut.
Jetzt nicht mehr.

Jetzt geht es mir SEHR gut.

Ich war bei meinem Psychiater. Ich schilderte ihm die Ereignisse der vergangen Wochen. Daß ich zwei depressive Tage hatte. Trotzdem nicht hoffnungslos wurde, sondern sicher war, daß das wieder weggeht. Von den extremen Belastungssituationen in der letzten Zeit. Und wie ich damit umgegangen bin.

Ich hatte nicht gedacht, daß sich seine Zufriedenheit vom letzten Mal noch steigern ließe.
Er fand gut, daß ich in der Lage bin, mir Hilfe zu holen, wenn ich nicht klarkomme. Und daß ich besser sagen kann, wenn mir etwas doch zuviel wird. Und daß ich Spaß an der Arbeit habe, Kraft daraus beziehe trotz der vielen traurigen Schicksale, die ich für mich positiv umdeuten kann. Daß mich meine Schlafstörungen nicht mehr so stören. Daß ich mich traue, Nachtwachen wieder zu Normalbedingungen zu machen, ohne Schonung.

[ 17 Uhr 00 ] - [ Noch kein Kommentar ]

Überbackener, angebrannter und gleichzeitig verfaulender Rosenkohl

Kategorie: Erlebtes

LESEN AUF EIGENE GEFAHR!

1998
Das linke Bein war amputiert. Der Neunundzwanzigjährige hatte dort einen sehr seltenen, aber umso bösartigen Tumor gehabt. Ein Teil der Hüfte war auch mit draufgegangen, aber mit dem deshalb angelegten künstlichen Darmausgang und der Beinprothese war er bislang gut zurecht gekommen, hatte das Studium wieder aufgenommen und nebenher an der Kinokasse Geld dazuverdient.

Jedoch brach nun, als er wegen einer kleineren Darmgeschichte bei uns lag, wieder etwas Tumor durch. Es roch etwas, uns seinen Eltern wurde klar, daß es nun wirklich ernst wurde. Er selber ignorierte die stinkende Stelle vollkommen, bis zuletzt.

Der Vater war total verschlossen, mauerte, blockte ab. Die Mutter machte und tat.

Zunächst war der Durchbruch nur ein kleines Problem, außer, daß es dort gelegentlich aus kleinen Arterien herausspritzte. Wir waren gut versorgt mit speziellen, sehr teuren Kompressen, die die Blutung erstmal stoppten.

Doch das Ding wuchs. Und roch unbeschreiblich. Ich habe seitdem nie wieder so etwas gerochen, und ich rieche sehr vieles, was schlimmer als alles an Gestank ist, was ihr jemals gerochen habt. Verwesung ist NICHTS dagegen. NICHTS. Es war unglaublich. Selbst gestandene Krankenschwestern mit zwanzig Jahren Berufserfahrung gingen in die Knie.
Es sah aus wie überbackener, angebrannter und gleichzeitig verfaulender Rosenkohl. Und für den Geruch fehlen einfach die Worte. Selbst im Dienstzimmer konnte man das noch riechen, auf eine recht weite Entfernung und durch zwei geschlossene Türen hindurch.

Schließlich nahm die Erscheinung die Größe von 1 1/2 Din-A-4-Blättern ein. Von einer Seite auf die andere, und irgendwann kam dort, statt aus dem künstlichen Darmausgang, Stuhlgang heraus.

Er war jung.
Es dauerte sehr lange.
Als er bei mir verstarb, hatte ich große Mühe, die Eltern zu betreuen. Insbesondere den Vater, aus dem nun alles herausbrach. Ich überlegte, für ihn den Dienstarzt zu holen.

Ich machte ihn zurecht, während die Eltern draußen warteten und die Schwester eintraf. Um den unglaublichen Gestank ETWAS zu reduzieres, goß ich einen halben Liter Jod auf dieses Etwas und wickelte eine dicke Schicht Inkontinenzvorlagen und Plastikfolie drum. Was allerdings nur wenig half.

Er kam nicht in die Prosektur. Der Bestatter holte ihn direkt von der Station ab. Auf einer Trage mit einer art Leichensack samt Reißverschluß.

[ 06 Uhr 00 ] - [ 4 Kommentare ]

04. Februar 2009

Gute Besserung

Kategorie: Erlebtes

Ich hatte mal eine Patientin, díe hatte eine Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung). Daraus wurde eine nekrotisierende Pankreatitis. Bei der Nekrose bildete sich ein Riesenabszeß, es hat die halbe Bauchspeicheldrüse zerhauen. Der Bedarf an Betäubungsmitteln wurde rekordverdächtig. Wir legten endoskopisch eine Spüldrainage ein. Trotzdem wurde es immer schlimmer. Kein Antibiotikum, was sie nicht schon bekommen hatte. Nach einigen Wochen mußten wir sie auf die Intensivstation verlegen, wo sie wochenlang ums nackte Überleben kämpfte.

Ich hatte ein paar Wochen Urlaub, dann folgten ein paar Wochen Klapse.

Als ich wieder arbeitete, bekam ich eine Neuaufnahme zur Kontrolluntersuchung. Sie kam mir irgendwie bekannt vor, ich konnte aber diese fitte, dynamische Mittsechzigerin, das blühende Leben, Haare aufwändig frisiert, geschminkt und apart, nich recht einsortieren- bis ich auf den Aufklebern den Namen las.

[ 06 Uhr 00 ] - [ Noch kein Kommentar ]

03. Februar 2009

Solch ein Tag...

Kategorie: Erlebtes

...kann ja nur gut sein.

Kein einziger Patient schlecht gelaunt (SELTEN!!!), sogar eine schwerst krebskranke Patientin, die seit Weihnachten nicht ein einziges mal ansatzweise gelächelt hatte, strahlte mich an und äußerste sogar mal einen Wunsch. Haare waschen. Kein Problem- das Equipment, Haare im Bett zu waschen, haben wir.

Eine weitere Patientin, die fachfremd bei uns lag mit Depression, wurde heute entlassen. Ich hatte (was ich normalerweise NIE tue bei Patienten) nach ihrer Diagnosestellung mit ihr gesprochen, von mir und meinen Erfahrungen (natürlich nur auszugsweise) berichtet und bin gelegentlich im Auftrag meiner eigentlich zuständigen KollegInnen dort gewesen.
Sie sagte zum Abschied zu mir, daß ich ihr wirklich weitergeholfen und Mut gemacht habe.
Herz, was willste mehr!

[ 19 Uhr 06 ] - [ 1 Kommentar ]

02. Februar 2009

Praktikumsbericht

Kategorie: Erlebtes

Ich habe mein Praktikum so etwa mit 15 gemacht, also 1987. Die für mich erreichbaren Krankenhäuser waren entweder mit Praktikanten ausgelastet, oder man mußte mindestens 16 sein. Und ausgerechnet in der besterreichbarsten Klinik (gegenüber) war mein Vater Chefarzt und Ärztlicher Direktor. Lieber nicht.

Computer war natürlich auch irre interessant. Also landete ich im Universitätsrechenzentrum.

Über die damaligen Geräte würdet Ihr heute nur noch staunen. biggrin

Eine Woche war ich bei den Operatoren. Meine Tätigkeit: zweimal täglich die (Nadel)drucker leeren, die Drucke sortieren und in Fächer zu verteilen. Ansonsten in meinem Kellerraum auf Monitore starren und warten, bis etwas piept. Dann erschienen zwei Zahlen auf dem Monitor, und ich suchte das mit der ersten Zahl numerierte Magnetband aus dem Archiv und legte es in die mit der zweiten Zahl bezeichneten Bandmaschine.

Eine ganze Woche! Eine sehr spannende und lehrreiche Beschäftigung.

Danach kam ich die zweite Woche zu den Programmieren, baute mir einen Rechner (damals noch mit schwarz-grün-Monitor) auf und setzte mich davor uns überließ mich meinem Schicksal.

Gelegentlich versuchte ich meinen zur Praktikumsmappe gehörenden Fragebogen vollzukriegen, indem ich die Angestellten dort befragte. Ich bekam natürlich ausschließlich hilfreiche Antworten.

Der Praktikumsbericht wurde als der drittschlechteste der Klasse bewertet. Und ich hatte erstmal die Nase voll von Computern.

[ 15 Uhr 18 ] - [ 2 Kommentare ]