27.02.2010
Liebeserklärung.
Draußen verzieht sich der Winter, und Frühlingsgefühle machen sich breit. Damit kommt auch für mich die Zeit für eine Liebeserklärung:
Mein über alles geliebtes Krokofantilein, ich liebe Dich! Das Leben ist ganz neu geworden, seit Du hineingetreten bist. Nein, einfacher vielleicht nicht, aber schöner. Wir halten zusammen in guten wie in schlechten Tagen, und einer stützt den anderen, wenn er gerade nicht so kann. Gegenseitig bringen wir ein wenig Halt in das Chaos unseres Lebens, und verliere ich den Mut, gibst Du mir neuen, und wenn Dein Mut sinkt, hebe ich ihn wieder hoch.
Mag sein, daß wir beide geistig nicht ganz gesund sind, mag sein, daß wir beide unsere Macken haben, doch miteinander kommen wir recht gut zurecht.
Ohne Dich würde mir so viel fehlen. Mit Dir habe ich eine neue Welt entdeckt.
Das Leben ist schön. Ich bin glücklich. Mit Dir.
tags: Liebeserklärung liebe frühling
07:03:45 -
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01.02.2010
Die Schlampe, der Türke und ich.
Sie war häßlich. Fürchterlich häßlich. Derart häßlich, daß ich, wenn alle Frauen so aussehen würden, schwul werden und den Brutzler heiraten würde. Und donnerte sich derartig auf, wie sich noch nicht einmal eine Teeniegöre aus einem sozialen Brennpunkt in die Asi-Disko getraut hätte. Natürlich hatte sie auch ein Arschgeweih. Das war nicht zu übersehen, da sie immer so knapp bekleidet war, als wären wir nicht in der Osnabrücker Klapsmühle, sondern auf dem Straßenstrich für besonders verdorbene Freier. Unter dicken Lagen von Makeup schimmerte deutlich fiese, violette Akne durch. Das Intimpiercing konnten wir zwar nicht sehen, aber irgendwie wußte ziemlich bald jeder davon.
Wenn sie wenigstens nicht so doof gewesen wäre. Aber Sie war noch dümmer, als sie häßlich war. Beispielsweise hatte sie mal ernsthaft gehofft, von der Super-Nanny Hilfe zu bekommen. Und stellte wenigstens beim Dreh fest, daß das eine gewaltige Verarsche ist. Außerdem hatten wir mehrmals in der Woche Entspannungsübungen. Dort herrschte aus begreiflichen Gründen und nicht zu überlesen Mobiltelephonverbot. Na gut, kann ja mal passieren. Aber nicht ein zweites Mal. Und ein drittes schon gar nicht.
Mein nervtötender Zimmergenosse Ö. war auch nicht besonders helle. Jedenfalls brüllte er mir immer, wenn ich das Wohnzimmer verließ, hinterher: "ULF!!! Wo gehts Du hin?"
Äääääh, kacken?
Irgendwie schien seine Arbeit im Schlachthof, wo er Rinderleichen mit Kettensägen zerstückelte, seinem Geschmack nicht zuträglich gewesen zu sein, denn er war, obgleich er eine sehr hübsche Frau und zwei kleine Kinder hatte, ziemlich bald in diese Atomunfallsbarbie verschossen. Mit der Treue meinte er jedoch nichts falsch zu machen, das sei ja nur SO, und in Wirklichkeit liebe er seine Frau.
Jedenfalls schlurfte ich nach der Einnahme meiner Nachtmedikation gegen 22:30 auf mein Zimmer. Ö. lag schon in seinem Bett. Offensichtlich jedoch nicht alleine, sondern mit dieser Schlampe. Und schlafen taten sie da auch nicht.
Ich zog mich einfach aus und legte mich hin. Und die beiden verzogen sich dann schnell.
Untreue finde ich widerlich.
Naja. Ö. war nunmal Türke. Und als solcher ziemlich behaart. Also erzählte ich ihm zur Strafe, daß man vom Onanieren Haare auf den Fingern bekommt. Und irgendwann lief er tatsächlich mit rasierten Händen umher. Und wurde somit endgültig zum Gespött der Nation Station.
Hehehehehe.
tags: sex untreue schlampe casanova
07:03:04 -
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27.01.2010
Skandal: Schrumpfhirn über ein Jahrzehnt falsch behandelt!
ADHS. Vier Buchstaben, die ihr Leben erheblich verändert haben. Eine schweizer Psychiaterin bearbeitete sie mehr als zehn Jahre auf Angst und Panik (F41.0, F41.1), Hypochondrie (F45.2) und sogar Borderline-Persönlichkeitsstörung (F60.31). Letzteres ist wirklich völlig absurd. So gut kenne ich mich dann doch noch aus.
Sie zog zu mir in teutsche Lande, sie ging dann zu meinem Psychiater. Er sagte lächelnd: "Ich habe da einen Verdacht..." und gab ihr ein paar Fragebögen.
Zu Hause. Sie schob mir während des Ausfüllens einen herüber. "Sag mal, testet der mich auf ADHS?!?"
In der Tat. Die Fragebögen waren eindeutig. Die Ergebnisse auch. Und auf einmal bekam alles einen Sinn: Die psychomotorische Unruhe manchmal, die Stimmungsschwankungen, die Ungeduld, der Rededrang und vieles mehr. Das Ausgegrenztwerden in der Kindheit. Warum unsere Mitreisenden irgendwann die Augen verdrehen....
Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom.
Neues Spiel, neue Medikamente, neues Glück. Methyphenidat. Konzentrierter, ausgeglichener, ruhiger.
tags: ads adhs aufmerksamkeitsdefizitstörung, fehldiagnose falschbehandlung methylphenidat
09:04:44 -
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21.12.2009
Nachtschicht.
Dies ist meine vierte Nacht in Folge. Und ich fühle mich prächtig. Auch wenn anderswo mehr Nächte gekloppt werden, finden die meisten hier bei uns vier Stück als eher viel. Standard sind drei.
Vier Nachtwachen....
Vor eineinhalb Jahren wäre daran gar nicht zu denken gewesen, ich war gerade mit der Wiedereingliederung fertig, und die erste "Testnacht" (nicht allein!) war eine Katastrophe. Früher und bis vor nicht allzu langer Zeit wurde ich des Nachts immer ziemlich depressiv.
Meine Chefin ließ mich ein paar Wochen pausieren, dann kam die nächste Testnacht. Immer mit der Springernachtwache, M., der auch tags bei uns arbeitet und sich auskennt. Für mich war das alles ziemlich anstrengend. Und mein Psychiater wollte mir bei jedem Termin am liebsten bescheinigen, daß ich keine Nachtschicht machen dürfte. Doch ich wollte unbedingt, auch wenn ich das früher immer gehaßt hatte. Aber ich wollte so normal sein wie möglich, so einsatzfähig wie alle anderen, kein Klotz mehr am Bein der Station, keine Leistungsbremse. Darunter litt ich nämlich sehr, daß alle anderen meine Defizite kompensieren mußten.
Irgendwann kamen zwei Nächte. Ging so. Mühsam. Aber immer besser. Dann war M. einmal NICHT mit eingeplant- und ich war ganz allein auf mich gestellt, wie das eigentlich normal ist. Nein, ich bekam keine Panik. Ich machte einfach meine Arbeit. Es ging. Und im vergangenen Januar dann tat ich es: Ich sagte meiner Chefin, sie solle mich wieder ganz normal für Nachtwachen einteilen. Überhaupt ganz normal verplanen. Keine Schonung mehr.
Mittlerweile werde ich auch nicht mehr geschont. Manchmal klingelt das Telephon, wenn Not am Mann ist. Dann sage ich manchmal JA, manchmal NEIN. Ich springe nicht weniger ein als andere. Ich arbeite nicht weniger als andere. Ich bin ein FAST normaler Krankenpfleger.
tags: nachtwache nachtschicht nachtdienst krankenhaus krankenpfleger krankenschwester nachtpfleger nachtschwester depression depressiv remission wiedereingliederung
01:32:56 -
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03.12.2009
Lebe heute.
Was gestern war, kannst Du nicht rückgängig machen.
Was morgen sein wird, weißt Du nicht.
Also lebe HEUTE.
Gestern: Ich habe viel Kummer bereitet, vor allem während meiner Depression, vor allem mit meinen Suizidversuchen. Ich kann das alles nicht ungeschehen machen. Nur alles anders machen, anders leben. HEUTE.
Morgen: Vielleicht fährt mich morgen ein Auto platt, oder ich falle tot um, füge einem Patienten Schaden zu. Oder ich gewinne im Lotto. Ach nee, ich spiele ja gar nicht... Oder aber der Tag verläuft völlig unspektakulär. Wie HEUTE.
Nur heute habe ich den Tag in der Hand. Nur jetzt lebe ich. Also tue ich das auch.
tags: depressiv depression remission gestern morgen heute
22:22:13 -
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27.11.2009
Hypochondrie. Echt nicht komisch.
"Herr Professor, der Hypochonder aus Zimmer 309 ist heute Nacht gestorben!"
"Na, jetzt übertreibt er aber...."
So wirklich lachen kann ich darüber nicht. Hypochondrie sorgt für ganz erheblichen Leidensdruck beim Betroffenen. Denn in der Regel ist er überzeugt, richtig fiese Krankheiten wie Krebs zu haben und bald sterben zu müssen- das fühlt sich nicht gut an, im Gegenteil. Der- oder diejenige hat große Angst. So, als sei er richtig krank. Im Prinzip ist das auch so, allerdings nicht körperlich, sondern psychisch. Der ICD10-Diagnosecode dafür ist F45.2, es ist also eine anerkannte psychische Krankheit.
F45.2 Hypochondrische Störung
Vorherrschendes Kennzeichen ist eine beharrliche Beschäftigung mit der Möglichkeit, an einer oder mehreren schweren und fortschreitenden körperlichen Krankheiten zu leiden. Die Patienten manifestieren anhaltende körperliche Beschwerden oder anhaltende Beschäftigung mit ihren körperlichen Phänomenen. Normale oder allgemeine Körperwahrnehmungen und Symptome werden von dem betreffenden Patienten oft als abnorm und belastend interpretiert und die Aufmerksamkeit meist auf nur ein oder zwei Organe oder Organsysteme des Körpers fokussiert. Depression und Angst finden sich häufig und können dann zusätzliche Diagnosen rechtfertigen.
Betroffene Prominente sind z.B. mein geliebtes Krokofantilein. Die macht das alles andere als zum Spaß. Sie leidet extrem darunter und wäre diesen Mist liebend gerne los. Aber das ist leider nicht so einfach.
Mehr Verständnis würde aber schon viel bringen.
tags: hypochondrie somatoforme störung f45.2 icd-10 psychische krankheit
11:16:14 -
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21.11.2009
....es .....
ich will es tun, ich möchte tanzen, wie es mir gefällt...
Ich möchte das tun, wo ich gerne tun würde....
Ich stell es mir immer wieder vor, wie es ist, wie es sich anfühlt....
Doch etwas hält mich zurück, ist stärker als ich
und mein Wille...
es zwingt mich, innezuhalten,
es zwingt mich in die Knie...
versuche es zu überwinden,
doch ist es noch stärker als ich,
es bestimmt über mich,
bremst mich...
ich gebe auf,
hab diesen Kampf verloren....
by Kroko 20.11.09
tags: Tanzen, Hemmungen
06:00:00 -
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20.11.2009
Beim Irrenarzt.
Mein Psychiater sagt, seit Mitte Oktober platzen die psychiatrischen Praxen mal wieder aus allen Nähten. Passende Jahreszeit, ich solle mal aus dem Fenster gucken. Kein Wunder, daß es mir wieder nicht so gut ginge. Das sei die letzten Jahre schon so gewesen. Und ich hätte doch Strategien entwickelt...
In der Tat. Die letzte Zeit hat die Schwarze Lady wieder mal reichlich an mir gezuppelt, auch wenn sie mich nicht in den Würgegriff bekommen hatte bisher. Ich hatte einen Routinetermin bei meinem besten Psychiater aller Zeiten. Und der erinnerte mich daran, daß ich sehr empfindlich auf die Jahreszeit reagiere. Zu wenig Sonne, zu wenig Wärme. Wenn ich reich wäre, würde ich die Monate Oktober bis Februar einschließlich auf La Gomera verbringen.
Keine Sonne, keine Wärme? Ich sollte doch mal wieder regelmäßiger in die Sauna und unter den Asitoaster gehen. Klingt schräg, aber es hilft recht gut. Sogar geschlafen habe ich wieder etwas weniger schlecht.
Mens sana in campari soda corpore sano- kein Allheilmittel. Aber etwas für sich und seinen Körper samt Wohlbefinden zu tun tut gut.
Es geht mir wieder besser.
tags: depressiv depression psychiatrie psychiater irrenarzt sonne solarium asitoaster sauna
12:35:49 -
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12.11.2009
Initiative Pro Bahn: Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal Schweigen ist Gold.
Die Bahnfahrer-Vereinigung Pro Bahn mag, was die Vertretung der Kundeninteressen betrifft, durchaus qualifiziert sein. Doch die Äußerungen zu dem jetzt auf der Schiene zu Tode gekommenen Torwart Robert Enke zeigen, daß die dort Verantwortlichen nicht fähig sind, sich auch nur ansatzweise zu informieren.
Es sei verantwortungslos dem Lokführer und den anderen Fahrgästen gegenüber. Soso. Natürlich ist das auch für diese nicht ungefährlich, und die Lokführer leiden durchaus nicht unerheblich unter solchen Ereignissen. Doch jemand, der sich wegen schwerer Depressionen zu suizidieren trachtet, ist gar nicht im Stande, Verantwortung für andere, nicht einmal für sich selbst, zu übernehmen. Depression ist eine schwerwiegende psychische Krankheit, die man nicht mit Argumenten wegbekommt. Die Depression und der Wunsch zu sterben ist stärker als alle Vernunft und absolut zwingend. Deshalb gibt es auch zB das PsychKG (psychisch Kranken-Gesetz), was den zeitweisen Entzug von Freiheit (unter Auflagen) vorsieht. Geschlossene Türen, um den Kranken vor sich selbst zu schützen, bis die Behandlung anschlägt.
Den toten Tormann trifft keine Schuld. Er hätte es anders lieber gehabt.
Ich weiß das.
Ich bin selbst ein Überlebender.
tags: robert enke suzid selbstmord pro-bahn depression
13:27:47 -
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07.11.2009
Verdammt neugierig.
Neugierig ist der Chefarzt. nicht nur den Inhalt unserer Taschen will er kennenlernem, nun ist auch die Hausapotheke dran. Na gut, wir können ohnehin gerade nicht schlafen:

Nicht über die Menge erschrecken: Wir sind zu zweit!
Alprazolam (Bedarf Krokofantilein)
Buspiron (Regelmed. Krokofantilein)
Butylscpolamin/Paracetamol (Bedarf Krokofantilein)
Citalopram (Regelmed. Krokofantilein)
Esomeprazol (Regelmed. Krokofantilein)
Ibuprofen (Bedarf Krokofantilein)
Lithiumcarbonat ret. (Regelmed. Ulf)
Trimipramin (Regelmed. Krokofantilein)
Quetiapin (Regelmed. Ulf)
Venlafaxin retard (Regelmed. Ulf)
Die Kanalratten in der Kanalstraße dürften die glücklichsten von Münster sein.
tags: apotheke pharmazie tabletten medikamente hausapotheke
01:04:14 -
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04.11.2009
Im Würgegriff der Schwarzen Lady.
Meinem Therapeuten gewidmet, der mich angeregt hat, über den Umgang der Schwarzen Lady mit mir zu bloggen...
Zwei Kolleginnen verabreden sich zum Kaffeetrinken mit weiteren Kolleginnen.
Höre gut zu: Sie verabreden sich. OHNE DICH! Sie wollen Dich nicht dabeihaben. Du bedeutest ihnen nichts!
Aber mich mögen doch alle!
MÖGEN. Aber mehr auch nicht. Du gehst ihnen auf die Nerven mit Deiner Depression und so. Du bist eine Belastung für sie. Für das ganze Team. Du bringst es nicht, Du bist nur eine Last. Die anderen müssen immer sehr viel kompensieren, weil Du nicht fit genug bist. Und Deine Eltern leiden unter Dir.
Aber es ist doch schon besser geworden...
Weniger schlecht meinst Du? Naja. Guck mal, wie Du ausschaust mit Deiner Zementfresse. Wie Du herumschleichst wie in Zeitlupe. Daß Du mal Marathon gelaufen bist... Nichts ist davon übrig. Du bist fett, unsportlich, lahm und unflexibel. Kaum belastbar. Vergißt die Hälfte. Nein, nein, vergiß es. Du gehörst nicht richtig dazu.
Aber letztens war ich doch bei Silke zum Kaffee...
Widersprich mir nicht! Die hatte nur Mitleid.
Widersprich mir niemals! Du kannst gegen mich nicht gewinnen. Nie. Denn ich bin stärker, viel stärker als Du. Ich habe Dich in meinen Händen, und ich lasse Dich niemals wieder frei. Gib mich zu bekämpfen auf! Du bist zu schwach. Du bist ein Versager. Du bist nichts wert. Eigentlich bist Du ein Sozialfall. Du hast es nicht verdient, daß man Dich mag, denn Du bist schlecht. Lahmarschig. Langweilig. Depressiv. Dein Schicksal ist die Einsamkeit und das Leid, das ich Dir zufüge...
So lief das vor noch nicht allzu langer Zeit.... Ein Glück ist das vorbei.
tags: depression depressiv schwarze lady f33.2
00:03:46 -
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20.10.2009
Stumpf.
Ich bin sehr diszipliniert, was meine Pillekes betrifft. Ich schlucke Morgens und abends nach Uhrzeit (jeweils sieben Uhr) und nachts etwa eine Stunde vorm Poofen. Und richte sie jeden Sonntag abend. Stumpf in der gleichen Reihenfolge. Zuerst immer das Seroquel® (Quetiapin), fünfundzwanzig Milligramm zur Nacht. Dann das Trevilor retard® (Venlafaxin), 225mg morgens, danach für morgens und abends je eineinhalb Quilonum retard® (Lithiumcarbonat): eine links, eine rechts, eine zwischen Daumen und Zeige- und Mittelfinger durchbrechen und links und rechts die Hälften der Tablette verteilen. Dieses Schema ändert sich irgendwarum nie...

tags: depression depressiv antidepressiva psychopharmaka
05:16:00 -
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16.10.2009
Zwei Jahre
Zwei Jahre liegt mein dritter und wohl auch letzter Suizidversuch zurück. In der Reha, wo ich extrem unglücklich war und nicht gut behandelt wurde, rammte ich mir das gesamte Insulin meines Zimmergenossen rein und versteckte mich gut. Flog doch zu schnell und gerade noch rechtzeitig auf, worüber ich heute glücklich bin. Und es ging aufwärts.
Zunächst sah ich mich noch unverändert depressiv in einer betreuten Wohneinheit enden, arbeitsunfähig, lebensunfähig. Doch irgendwann wendete sich das Blatt, zögerlich zwar, sehr zögerlich, aber der Lebenswille keimte wieder auf.
Erst dachte ich, ich lebe jetzt erstmal weiter, da zu sterben ja nicht funktionierte.
Dann merkte ich, die Stimmung wurde besser.
Dann stieß ich auf Lithium. Davon gingen die Suizidgedanken weg. Und irgendwann wurde die Stimmung noch besser. Ich wollte weiterleben, auch wenn ich nicht recht wußte, warum und wofür.
Ende Juli/Anfang August 2008 war ich dann wieder ziemlich stabil und auch im Dienst voll belastbar. Bekam wieder Freude am Leben. Und heute vor einem Jahr gönnte ich mir ein schönes Geburtstagsgeschenk: Die Uhr, von der ich seit Jahren träumte, die Nomos Tangente.
Heute kaufe ich mir kein Geburtstagsgeschenk. Denn ich habe es schon: ein geradezu spießig normales Leben mit meinem Krokofantilein. Auch wenn wir beide als psychisch Kranke unsere Probleme haben, kommen wir bestens zurecht- vielleicht auch wegen der Probleme, denn durch unsere eigenen Päckchen haben wir Verständnis für den jeweils anderen.
Wir waren beide Chaoten- jetzt ist die Bude sauber und ordentlich. Mangels Arbeit macht meine Liebste auf Hausfrau. Ich komme heim und das Essen wartet. Und meine Liebste wartet auf mich. Ich bin nicht allein. Das Leben hat wieder Sinn. Ich lebe nicht mehr deswegen, weil mir nichts anderes einfällt, ich lebe um zu LEBEN!
tags: suizid suizidversuch insulin jahrestag leben depression depressiv
04:59:00 -
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07.10.2009
Ich werde nicht lobotomiert!
Zum Glück lebe ich nicht in Amiland und vor sechzig Jahren, sondern in Deutschland und heute. Sonst hätte dort Dr. Frankenstein Walter Freeman wohl versucht, meine jahrelange Depressionstherapie durch eine Lobotomie abzukürzen. Hierbei drosch Freeman einen Dorn durch die Augenhöhle, wo der Schädelknochen sehr dünn ist, und stocherte im Gehirn herum und machte dort ziemlich viel kaputt. Die meisten PatientInnen, unter anderem eine Schwester von John F. Kennedy, waren danach gaga, aber selbst dies verkaufte der Hirngangster als Erfolg. Er "operierte" zwischen Tür und Angel selbst auf Terrassen mal eben so, wobei er sämtliche Errungenschaften der Hygiene mißachtete. Ohne Handschuhe, Mundschutz, Desinfektion. Als Narkose dienten Elektroschocks, die so lange gegeben wurden, bis der Patient ohnmächtig wurde.
Auch wenn es keine Studien gab, die die behauptete Wirksamkeit dieser Maßnahme belegt hätten, auch wenn die Hygiene schlicht nicht gegeben war, auch wenn diese Eingriffe auch dazu dienten, unliebsame und unfügsame Personen (wie Kennedys Schwester) gefügig zu machen, "Krankheiten" wie Homosexualität und Kommunismus zu "behandeln", niemand bot diesem teuflischen Treiben Einhalt.
Ich bin froh und dankbar, daß ich nicht in die Hände eines solchen Irren geraten muß, daß es wirksame Medikamente gibt, die mir helfen, daß mir die Zeit gegeben wurde, die ich brauchte, um wieder auf den Damm zu kommen. Und nicht, wie damals, große Teile meines Gehirns zerstört bekam, um mich bequem zu machen.
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tags: depression depressiv antidepressiva psychopharmaka lobotomie psychochirurgie
19:00:39 -
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21.09.2009
Neue Heimat
Freitag bin ich 20:42 in den CityNightLine gestiegen in Zürich.
Beladen mit unserem Koffer und Rucksack.
Die Reise verlief gut bis auf ein paar kleinere Zwischenfälle. Die waren aber nicht so schlimm.
Die Schlafkabine ist sehr eng. Aber dennoch zum Schlafen reicht es allemal!
Ich bin weit nach der schweizer Grenze eingeschlafen. Erst als ich mir wirklich bewusst war:
ich bin jetzt in Deutschland! schlief ich ein.
Ich schlief sehr tief und traumlos!
Mit einem superguten Gefühl wurde ich Samstag geweckt und bekam mein Frühstück. Und meine erste Kippe in Köln.
Dann fuhr die Bahn weiter und briachte mich nach Duisburg, wo ich schon bald eintraf, und von Duisburg ging es dann weiter nach Münster zu meinem Liebsten!
Nach zweieinhalb Monaten Fernbeziehung sind mein Schatz und ich vereint!
Und ich breche auf in eine wunderschöne Zukunft in ein wunderschönes Leben!
Fern von all den Leuten die ich in der Schweiz hatte!!
Ich bin glücklich!!
tags: CityNightLine Münster Deutschland Schweiz Glück
06:17:00 -
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