Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

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08.03.2010

Sexualiltät und Pflege.

Wir dachten, er habe sich unter der Dusche, die schon fast eine Stunde rauschte, die Pulsadern aufgeschnitten, denn er war schwer depressiv und Alkoholiker. Ich, der "Last Man Standing", der, der als letztes noch stehenblieb, wenn alle anderen schon ohnmächtig geworden waren, schloß von außen auf, holte tief Luft in Erwartung einer ziemlichen Sauerei und linste um die Ecke.

Ich sah nur seinen Unterleib, an welchem er eine respektable Erektion bearbeitete. Ich zog mich leise zurück und verschloß die Tür. Die Kollegin war ein wenig geschockt, daß ich ihn hatte weitermachen lassen. Aber warum nicht? Solange nachher alles sauber ist....

Das war ca. 1998. Sexualität war in der Pflege kaum ein Thema, es bedeutete vor allem, individuelles Schamgefühl zu respektieren. So wurden die einen rot und die anderen grinsten, wenn der Greis beim Waschen des Schniedelwutzes einen Steifen bekam oder die uralte Dame mit dem Becken zu kreisen begann oder man mal wieder jemanden beim Onanieren störte. Doch daß auch Alte, Behinderte und Kranke derartige Bedürfnisse haben können wurde immer ausgeblendet. Fehlt hierfür doch die nötige Intimsphäre. Mag sein, daß mir in der Klinik nicht möglich ist, dieses Problem zu lösen- Für Heime gibt es durchaus Ansätze. Doch wenn sich das schon nicht lösen läßt, sollten wir es wenigstens respektieren.

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06.03.2010

Bengelbesuch und Badewanne.

Gestern trafen wir den Krankenhaus(b)engel und verbrachten einen schönen Nachmittag und Abend mit ihm. Klönen, quatschen, Dönekes erzählen aus Krankenhaus und freiwilligem Rettungsdienst, aus welchem er eine besonders grausliche Geschichte zu erzählen wußte:

Die nicht mehr ganz frische Leiche der alten Dame war schon abtransportiert worden vom Bestatter, so daß der Geruch eigentlich schon eingedämmt hätte sein müssen. Das Klempnerteam, bestehend aus Meister, Geselle und Lehrling trat in dieser Reihenfolge an, das verstopfte Klo der Dame zu entstopfen. Der Meister bekam dicke Backen, der Geselle erbrach im Flur und der Lehrling noch außerhalb der Wohnung.

Denn die Toilette war wohl nicht erst gestern verstopft (und offenbar nun auch nicht mehr das Hauptproblem), und die alte Dame war wohl zu schamhaft oder sonstwie außerstande gewesen, das Rohr befreien zu lassen. Doch sie war nicht unkreativ und mißbrauchte den Badewannenrand als Donnerbalken. Wie lange sie dafür gebraucht haben mag, darüber kann man nur spekulieren. Die Wanne jedenfalls war randvoll.


Ickedette / Krankenhaus(b)engel

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05.03.2010

"Hast Du eigentlich keine Angst vor AIDS?"

Diese Frage bekomme ich manchmal zu hören. Immerhin komme ich mit unendlich vielen kranken Menschen in Kontakt, und ein gewisses Restrisiko, sich an einer bereits benutzten Spritze zu pieksen, besteht auch, obgleich ich mich, seit wir durchstich- und überhauptsichere Kanülenabwurfbehälter haben und jetzt auch noch Sicherheitskanülen keine Kanülenstichverletzung mehr hatte.

Vorab: Wenn hier jetzt die rechtsesoterische HIV/AIDS-gibt-es-gar-nicht-Verschwörungstheoretikerfront auftaucht: Macht Euch keine Mühe mit Kommentaren. Die werden schneller zensiert entfernt als Ihr PIEP sagen könnt. An die anderen: Darum gar nicht darauf eingehen.

Für mich hat das einen ganz einfachen Grund: Es gibt gefährlicheres. Nicht von der Krankheit her, sondern vom Ansteckungsrisiko.

In Deutschland laufen etwa 67.000 Menschen mit dem HI-Virus herum (Robert-Koch-Institut)

Mit einer Hepatitis C, die immerhin in bis zu 80% aller Fälle chronifiziert, rennen hingegen nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes 400.000-500.000 herum. DAS zu erwischen wäre also etwa 6,7 Mal wahrscheinlicher. Und da sie so oft chronifiziert, gibts nach etwa 20 Jahren in 25% der Fälle eine Leberzirrhose mit deutlich herabgesetzter Lebensqualität und -erwartung. Oder aber Leberkrebs. Da ist die Prognose auch nicht wirklich ermutigend.

Insofern ist die Hepatitis C für mich die weit größere Gefahr. Zumal Leberpatienten zu "meiner" Fachabteilung gehören. Patienten mit HIV haben wir höchstens einmal im Jahr. Mit HepC hingegen ständig.

Doch auch davor habe ich keine Angst. Vorsichtig sollte man schließlich immer sein.

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19.02.2010

Fauxpas oder: Hoffentlich werde ich so alt, wie ich heute schon aussehe.

Als ich das Zimmer des Patienten verlassen wollte, sprach mich seine Gattin an, wie alt ich denn wohl sei.

"Was glauben Sie denn, wie alt ich bin?"
"Na, so etwa fünfundfünfzig..."

Danke. Knapp daneben. Ich bekam dann eine Tafel Schokolade dafür.

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14:51:19 - [ Ulf ] - [ 7 Kommentare ] [ Trackbacks: 0 ]
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15.02.2010

Homöopathische Antwort: Glaubwürdigkeit D23.

Was und wie das denn jetzt gemeint sein soll, wird der geneigte Leser fragen. Nun, die Homöopathen glauben, ihre Zuckerpillen und Heilwässerchen wirken desto stärker, je mehr sie "potenziert" wurden. Das bedeutet, ein nach abstrusen Kriterien ausgewählter "Wirkstoff" wird nach einem bestimmten Ritual schrittweise verdünnt. Ab "Potenz" D23 ist kein Atom mehr von dem Urstoff mehr drinne, und trotzdem wird weiter verdünnt, äh, potenziert, damit noch weniger als nichts das Zeug noch angeblicher stark macht. Also: Ab D23 ist nichts mehr drin.

Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Der Hintergrund: Sheng Fui schrub einen satirischen Artikel über eine homöopathische Spendenaktion des Homöopatiemittelerzeugers Hevert aus einem Kaff namens Nußbaum. Darauf kamen ziemlich viele homöopathie- und hevertfreundliche Kommentare unter Nicks wie "Manu7", die Firma und Spendenaktion über den grünen Klee priesen. Zum Teil auch mit Lügen gespickt, z.B. daß auch homöopathische Mittel auf ihre Wirksamkeit geprüft werden, ehe sie zugelassen werden. Das stimmt NICHT: Sie werden, anders als richtige Medikamente, lediglich auf ihre Unbedenklichkeit geprüft. Zumindest insofern sind sie unbedenklich, als daß sie nichts giftiges mehr enthalten, siehe oben.

Zurück zu Sheng Fui: Der Betreiber stellte anhand der Statistiken fest, daß alle diese Kommentare von einem Rechner kamen- und zwar dem der Firma Hevert!

Um eine Stellungnahme gebeten kam eine Mail von einem angeblichen Mitarbeiter von einem anonymen Rechner mit anonymer Mailadresse. Man bat die Zuckerpillenfirma um eine verifizierbare Antwort. D23- nichts.

Macht einen unglaublich vertrauenserweckenden Eindruck.

Dies soll die Welt ruhig erfahren, finde ich. Ich will Antworten. Keine Homöopathie.

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22:16:36 - [ Ulf ] - [ 2 Kommentare ] [ Trackbacks: 0 ]
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10.02.2010

Esoterikkritische Kommentare unerwünscht?

Aktuell wird im Esoblog ein Artikel des österreichischen Standard verrissen. Zu recht, denn er breitet sich über Quacksalberei wie Homöopathie und TCM aus. Die Kritiker mußten feststellen, daß Kommentare mit Verweis auf diesen kritischen Blogartikel gelöscht werden:

Die Gesundheitsredaktion ist offensichtlich etwas nervös und löscht deshalb jeden Verweis auf diese Kritik in ihrem Forum. Daher bitten wir um Weiterverbreitung!

Da wird doch wohl sicher jemand von der Alternativindustrie bezahlt, oder?

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12:07:21 - [ Ulf ] - [ 2 Kommentare ] [ Trackbacks: 0 ]
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08.02.2010

Homöopsychopathen kassieren Preis ein.

Der Kirchliche Entwicklungsdienst der NEK (KED) hat seinen Eine-Welt-Preis vergeben. Und zwar an eine Gruppe Milchzuckerkügelchenschlucker namens "Homöopathen ohne Grenzen". Da wird also die Propaganda für wirkstofffreie und wirkungslose Scheinmedikamente gefördert in Gebieten, wo richtige Medizin sehr viel nützlicher wäre. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt... Ich finde, da hätten die besser den Medizinmann vor Ort fördern können. Die Wirksamkeit wäre nicht schlechter, die Traditionen bewahrt und die lokale Wirtschaft gefördert.

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17:56:16 - [ Ulf ] - [ 1 Kommentar ] [ Trackbacks: 0 ]
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02.02.2010

Was hast Du empfunden, als Du das erste Mal vor einem toten Menschen standest?

Diese Frage ist meine neueste Aktion. Wie ging es Euch mit dem ersten echten Toten vor Euch? Was habt Ihr empfunden?

Was habe ich empfunden? Lange ist es her, ich war gerade Zuvieldienstleistender geworden 1991. Ich hatte im Vorfeld doch etwas Angst, was das wohl mit mir machen würde, wenn ich das erste Mal vor einer echten Leiche stehen würde. Macht mir das Angst oder Trauer oder was?

Der Tag kam recht bald. Ein alter Herr mit Parkinson war plötzlich verstorben, vermutlich an einer Lungenembolie. Und die Kollegin brauchte Hilfe, ihn zurecht zu machen.

Blaß sah er aus und etwas gelblich. Ziemlich tot. Aber irgendwie machte es mir dann doch nichts aus. Vielleicht war es deshalb leichter für mich, weil ich vor einem Patienten stand und nicht vor einem Familienmitglied. Aber anderen mag es da anders gegangen sein. Wie war das bei Euch?

Schreibt mir die Antworten per E-Mail an ulf@hundeiker.de und äußert Eure Wünsche, ob das anonym oder mit Namensnennung/Verlinkung veröffentlicht werden soll.

Warum? Der Tod ist ein Tabuthema. Ich denke, die Menschen hätten weniger Angst, wenn man darüber spräche.

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12:33:35 - [ Ulf ] - [ 4 Kommentare ] [ Trackbacks: 1 ]
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31.01.2010

Und er lächelte zufrieden.

Er liegt nun auf seinem Bett, die Augen geschlossen, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Die letzten Nächte hatte er eigentlich gar keine Miene gezeigt, er war komatös. Eine Ablaufsonde hing ihm aus der Nase, daß er nicht ständig erbreche, und Infusionen tröpfelten langsam in seinen ausgemergelten Körper. Nur bei Schmerzen zeigte er Unruhe, aber dank Morphin ließ sich das gut beheben.

Wir kannten ihn schon recht lange, denn er kam regelmäßig. Wie die meisten unserer PatientInnen. Nun lag er uf einem Einzelzimmer, und seine Frau war bei ihm.

Um 23:25 klingelte es dann dort. Ich wußte, was das bedeutete.

Mehr als fünfzig Jahre waren sie verheiratet. Haben mehr als fünfzig Jahre zusammengehalten und zueinander gestanden in guten wie in schlechten Zeiten.

Doch nun war sie allein.

"Die letzten Atemzüge hat er eben gemacht!" schluchtzte sie. Die Ärztin, die den Tod feststellen mußte, kam, und ich ließ ihr die Gattin einen Moment, um den Verstorbenen herzurichten. Kieferstütze, Sonde und Infusionen entfernen, richtig hinlegen... Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn er lächelte sichtlich zufrieden.

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00:35:33 - [ Ulf ] - [ 2 Kommentare ] [ Trackbacks: 0 ]
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30.01.2010

Sucht. Sehnsucht. Und der Atem des Todes.

Ihre Leber ist völlig im Arsch. Lange hat sie nicht mehr. Jahrelange Alkoholbhängigkeit hat ihre ohnehin schon durch eine chronische Hepatitis C wegen früheren Heroinkonsums schwer malträtierte Leber fast völlig zerstört. Sie muß mal recht hübsch gewesen sein. Nun sieht sie nur noch todkrank aus, alt und fertig. Dabei ist sie gerade erst neununddreißig geworden, ein gutes Jahr älter als ich.

Gerne sagen jetzt die Menschen "Selber schuld! Hätte ja nicht trinken müssen!"

Doch ist Sucht nicht so einfach. Sucht ist zwingend. Man MUSS trinken, spritzen, schnupfen, rauchen und so weiter. Hätte man gar nicht erst anfangen sollen? Im Prinzip schon. Nur- hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht. Zum Beispiel nach Frieden vor den eigenen Gefühlen, die quälend sind, nach Betäubung vor der Welt, die feindlich ist.

Ntürlich kann man das auch anders lösen. Nur kommt da nicht jeder drauf. Besonders in einer Welt, in der viel trinken zu können immer noch als cool gilt. In der zwar Tabakwerbung verboten wird, aber nicht die für Alkohol. In der man in der Eisenbahn zwar nicht rauchen, aber saufen darf.

Eine Sucht kommt nicht von ungefähr. Und man kann auch nicht einfach aufhören. Denn die Sucht sitzt tiefer. Viel tiefer. Sehr viel tiefer als der eigentliche Entzug kommt.

Verurteilt die Süchtigen nicht. Die meisten würden gerne anders können.

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00:34:40 - [ Ulf ] - [ 2 Kommentare ] [ Trackbacks: 1 ]
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28.01.2010

Wichtige Ergänzung zur Petition.

Die Petition: Erste Hilfe und Lebensrettende Sofortmaßnahmen in den Schulunterricht! muß ich noch wie folgt erläutern:

Eingereicht habe ich sie online beim Bundestag. Da Bildung Ländersache ist, wurde sie an den Landtag Nordrhein-Westfalen weitergeleitet. Ich habe deshalb in dem Artikel auch die anderen Petitionsausschüsse verlinkt, damit Ihr dort hinschreiben könnt. Teilweise geht das online, teilweise muß man eine Briefmarke opfern.

Mitzeichnen scheint nicht zu gehen, deshalb würde ich die Landtage mit Petitionen diesbezüglich beglücken.

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15:01:09 - [ Ulf ] - [ 2 Kommentare ] [ Trackbacks: 0 ]
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Nachts, wenn es dunkel ist.

Mittlerweile arbeite ich nicht ungern nachts.

Lange war es so, daß ich Nachtwachen wegen der Auswirkungen auf den Biorhythmus gehaßt habe. Außerdem wurde ich früher nachts immer depressiv.
Vor etwa einem Jahr teilte ich nach meiner langen, langen Krankheits- und Wiedereingliederungsphase meiner Chefin mit, sie möge mich wieder normal verplanen. Ich machte meine Nächte zwar nicht wirklich gern, doch sie waren ein Stück normalen Arbeitslebens für mich, ein Zeichen, daß ich wieder voll dabei bin.

Und nun? Ich habe für mich entdeckt, daß Nächte auch Vorteile haben können. Nachts muß ich nicht um 8:37 mit Patient X in Abteilung A sein und 8:38 mit Patientin Y in Abteilung B. Zwar bin ich alleine. Aber das bin ich immer nachts, ob nun mal wieder ein oder mehrere KollegInnen krank sind. Ich habe weniger Hektik und Streß, die Sparmaßnahmen treffen mich dort nicht. Tagsüber ist viel mehr los, und je mehr fehlen, je mehr krank sind, je mehr Stellen nicht besetzt sind, desto mehr macht sich das bemerkbar.

Selbst wenn in der Nacht die Station unruhig ist- nie ist sie so unruhig wie am Tage. Das kann ich mittlerweile recht gut genießen.

Fragt mich nicht nach dem Grund des hohen Krankenstandes- das ist überall in der Pflege so. Denkt mal selbst nach, was wir Pflegekräfte im Besonderen und die Gesundheitsversorgung samt Krankenhäusern den Politikern wert sind.

Übrigens habe ich mir gerade einen Riesenpickel an der Hüfte ausgedrückt.

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10:53:58 - [ Ulf ] - [ 2 Kommentare ] [ Trackbacks: 0 ]
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26.01.2010

Petition: Erste Hilfe und Lebensrettende Sofortmaßnahmen in den Schulunterricht!

Text der Petition
Der Nordrhein-Westfälische Landtag möge beschließen, daß Schülerinnen und Schüler frühzeitig, jährlich und altersangepaßt in Erster Hilfe und lebensrettenden Sofortmaßnahmen unterwiesen werden. Dies schließt auch das Erkennen von Notfall- und vergleichbaren Situationen ein. Die Fertigkeiten werden von Jahr zu Jahr wiederholt und ausgebaut, bis ab etwa der 10. Klasse auch Herz-Lungen-Wiederbelebung behandelt wird.

Begründung
Es gibt zu wenig Ersthelfer. Viele Menschen sterben allein deshalb, weil zu wenig Erste Hilfe geleistet wird, ob aus Schaulust, Angst oder Unvermögen. Selbst Autofahrer, die zur Erlangung der Fahrerlaubnis einen derartigen Kurs nachweisen müssen, sind dazu selten in der Lage. Mit frühzeitiger und altersgemäßer und wiederholter Heranführung an die Kompetenzen, Notfälle zu erkennen und seinen Fähigkeiten entsprechend zu handeln, würde die Selbstverständlichkeit Erster Hilfe verinnerlicht. Zudem würde dadurch der Inhalt im Ernstfall besser abrufbar.

(Wenn Ihr ähnliche Eingaben machen würdet, fände ich das ziemlich gut! Weiterverbreitung erwünscht! Mitzeichnen geht zwar nicht, man könnte aber die verschiedenen Landtage ruhig damit mehrfach behelligen.)

Landtag Schleswig-Holstein, Petitionsausschuß
Sachsen-Anhalt
Bremen
Hamburg (Online-Formular)
Niedersachsen
Berlin
Brandenburg
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Hessen
Saarland

Die Petition: Erste Hilfe und Lebensrettende Sofortmaßnahmen in den Schulunterricht! muß ich noch wie folgt erläutern:

Eingereicht habe ich sie online beim Bundestag. Da Bildung Ländersache ist, wurde sie an den Landtag Nordrhein-Westfalen weitergeleitet. Ich habe deshalb in dem Artikel auch die anderen Petitionsausschüsse verlinkt, damit Ihr dort hinschreiben könnt. Teilweise geht das online, teilweise muß man eine Briefmarke opfern.

Mitzeichnen scheint nicht zu gehen, deshalb würde ich die Landtage mit Petitionen diesbezüglich beglücken.


Veranlaßt hat mich dieser Artikel: Zu jung - zu spät (Intensivling)

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16:02:56 - [ Ulf ] - [ 7 Kommentare ] [ Trackbacks: 13 ]
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18.01.2010

Eine ganz gewöhnliche Nacht in einem ganz gewöhnlichen Krankenhaus: Arschwischen.

"Ich bewundere, daß Du das kannst! Ich könnte das nicht, anderen Leuten den Hintern abwischen!"

Ne, is klar. Das ist auch meine Hauptbeschäftigung, Ärsche abzuputzen. Wenn es danach ginge, müßte auch jeder bewundert werden, der sich selbst das Gesäß nach dem Kacken reinigt.

Von mir aus bewundert mich, aber nicht dafür. Für mich ist Kot Kot, ob es nun meiner ist oder ein fremder. Auch der Papst muß mal kacken, und das riecht sicher auch nicht nach Weihrauch. Und von hinten sehen alle gleich aus, ob Banker oder Penner.

Vergangene Nacht habe ich exakt einen Arsch abgeputzt und zweimal jemandes Stuhlgang bewundert, ob und wieviel Blut darinnen sei. Waren etwa ein und drei Eßlöffel, falls es jemanden interessiert. Mehr hatte ich mit Arsch und Stuhlgang nicht zu tun.

Gegen viertel nach zwei meldete sich Herr C., ein schwer krebskranker Patient, wegen starker Schmerzen. Das läßt sich beheben, und er bekam entsprechende Medikamente. Und sagte: "Wenn ich jetzt zu Hause wäre, ich würde mich erschießen. Vor zwei Wochen war ich schonmal kurz davor." - Ziemlicher Tobak. Klang ernstgemeint. Die Existenz entsprechender Waffen bestätigte er. Nein, hätte er keine Schmerzen, würde er auch nicht so denken, antwortete er auf meine Frage. "Dann wäre es sicherlich sinniger, Sie von Ihren Schmerzen zu befreien, oder?" - Es dauerte etwas, bis ich ihn soweit hatte, daß ich entspannt gehen konnte. Es war nicht einfach gewesen, ihn zu überzeugen, daß es keinen Sinn macht, sich abzumurksen, solange es noch Möglichkeiten gibt.

Gegen halb vier hatte ich dann Herrn O. (metastasierender Blasenkrebs -blutend, daher mit Spülkatheter-, COPD und weiteren Unerfreulichkeiten, ausgemergelt, bettlägerig) endlich überzeugt: Er klingelte nur für die Erneuerung der Spüllösung oder wenn der Katheter verstopft war. Irgendwann hatte ich ihm gesagt, er wäre mir zu bescheiden, er solle sich gefälligst auch mal für seine anderen Bedürfnisse melden. Und wenn es für ein Gespräch sei.

Tat er irgendwann dann auch:
"Erst kam der Krebs. Und dann die Metastasen..."
"Das war schwer für Sie, als Sie das erfahren haben, denke ich?"
"Oh ja..."
"Ihnen geht es jetzt auch ziemlich schlecht. Kann ich etwas für Sie tun?"
"Ich weiß nicht recht..."
"Wie meinen Sie denn, wie es weitergehen soll?"
"Ich will sterben."
"Sind Sie sich sicher?"
"Absolut... Ich denke, einen Monat habe ich noch."
"Hm. Sie verstehen, daß ich das nicht beeiflussen kann. Ich kann auch nicht sagen, ob Sie recht haben damit, WIE lange das dauert. Was ich machen kann ist, Ihnen die Zeit, die Ihnen noch bleibt, etwas zu erleichtern."
"Ja..."
"Sie haben mehr Luftnot als vorhin, wie ich das sehe. Stimmts oder hab ich Recht? Dafür zum Beispiel dürfen Sie sich auch gerne melden. Luftnot ist widerlich, ich hab das einmal gehabt, das hat gereicht. Soll ich mal was dagegen tun?"
"Ja, bitte..."
Ich zog fünf Milligramm Morphin auf.
"Morphin ist ja eigentlich ein Schmerzmittel, wie Sie wissen. Aaaaaaber, das Zeug kann noch mehr: Es dämpft zum einen das Atemzentrum und außerdem senkt es auch noch den Sauerstoffbedarf." (Und es entspannt und euphorisiert etwas)

Eine halbe Stunde später atmete er wesentlich entspannter und war sichtlich zufrieden.

Eine ganz gewöhnliche Nacht in einem ganz gewöhnlichen Krankenhaus.

Natürlich wische ich auch mal Ärsche ab.

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15:22:05 - [ Ulf ] - [ 5 Kommentare ] [ Trackbacks: 2 ]
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Die Arschwischerkampagne.

Klo und KlopapierAn alle bloggenden Pflegekräfte, egal welche Branche, Fachrichtung, Status, Examen oder nicht: Wir werden noch zu oft auf das Abputzen des Gesäßes reduziert. Dies sollte anders werden, und dazu dient diese Kampagne: Bloggt Dinge, die Ihr tut für die PatientInnen. Ereignisse, Gespräche, Erlebnisse, was Ihr wollt. Dinge, von denen Ihr meint, daß sie PFLEGE ausmachen. Vielleicht mit dem Vermerk, daß Pflege weit mehr ist als Leute zu waschen, zu füttern (Ausdrück ist bewußt gewählt!) und sie aus der Scheiße zu ziehen. Verbreitet bzw bloggt diesen Aufruf, schreibt einen passenden Artikel und trackbackt diesen Artikel oder hinterlaßt den Link im Kommentarfeld!

Wider das verzerrte Bild von uns!

Der erste Beitrag (von mir)


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01:25:32 - [ Ulf ] - [ 3 Kommentare ] [ Trackbacks: 1 ]
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