Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

10.07.2010

Hundstage.

Eigentlich kommen die Hundstage erst noch. Himmel, was soll dann werden? Teilzeit-Töle Bruno ließ sich nicht einmal vernünftig ausführen. Kraftlos schleppte er sich durch die Gegend. Nur wenn Schatten in Sicht war, entwickelte er eine selbst für ihn ungewohnte Power, daß beinahe die Leine gerissen wäre. Und streckte alle Viere von sich, war nicht zum Weitergehen zu bewegen. Das arme Vieh.

Hunde haben ja keine Schweißdrüsen und regeln ihre Körpertemperatur über die Zunge. Müßte ich das tun, dann hätte ich eine Zunge wie ein Perserteppich. Wie lästig. Ein Hundeleben. Und der Wetterbericht... Ich will nicht klagen, ich mag es warm, aber ich kann dann nicht so viel saufen, wie ich schwitze, und der arme Bruno ist ein Hot Dog, sieht er einen Getränkewagen, versucht er unter die Kühlung zu huschen.

Hundstage eben.

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22:41:27 - [ Ulf ] - [ 1 Kommentar ] [ Trackbacks: 1 ]
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Was mir Freund Hein übrigließ.

Nun ist er tot, der Mann vor mir im Bett, der vor zehn Tagen noch Fahrrad gefahren war. Die Arme und Beine liegen leicht gespreizt auf Kopfkissen, unter den Achillessehnen gerollte Handtücher. Sein Kopf ist nach rechts geneigt, die Augen halb geöffnet, der Mund ganz. In ihm steigt nun gelblicher, feinblasiger Schaum auf, der ihm zum Mundwinkel herausläuft. Das kommt gelegentlich vor. Darum kümmere ich mich wohl besser später, wenn es aufgehört hat. Erstmal schließe ich die Augen. Danach raus mit den Schläuchen, der Infusion, dem Blasenkatheter. Ich spreche bekanntlich immer noch mit den Toten und erkläre ihm, was ich tue. Vor den Penis lege ich eine Vorlage, man weiß nie, ob da nicht noch etwas nachkommt, und decke ein Handtuch darüber, auch wenn niemand außer mir etwas sieht und dem Verstorbenen dies auch egal sein könnte.

Aus dem Mund kommt nichts neues mehr, so nehme ich mir den Sekretsauger, der neben dem Bett steht, und sauge weg, was wegzusaugen geht, bis in den Rachen hinein. Wische ihm das Gesicht ab und den Mund gründlich aus. Soll ja alles gut aussehen. Nachher gehe ich nochmals mit einem nassen Lappen durchs gesicht. Eine Rasur ist nicht notwendig.

Die Kinnstütze hält irgendwie nicht gut und rutscht immer wieder weg. Ein zweites kleines Kissen unter den Kopf? Ja, das hilft, die Stütze sitzt, der Mund ist zu, und langsam wird der Tote ansehnlicher. Über die Kopfkissen breite ich ein frisches Handtuch. Nicht undekorativ. Die Lagerungskissen jedoch fliegen alle aus dem Bett, jetzt, da sie nicht mehr gebraucht werden, sehen sie irgendwie unschön aus. Das Oberteil ist wie frisch angezogen, also lasse ich es ihm so, wie es ist. Ein kurzer Check: sieht alles gut aus? Sind alle Pflaster weg? Dann breite ich eine leichte Decke über ihn und räume das Zimmer auf. Alles weg: Sekretsauger, Sauerstoff, Infusionen, Müll, mehr Müll, nicht mehr benötigte Wäsche und Pflegeutensilien und so weiter und noch mehr Müll.

Die Angehörigen können kommen. Ich werde bald gehen, wenn meine Nachtschicht vorbei ist.

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16:21:24 - [ Ulf ] - [ 1 Kommentar ] [ Trackbacks: 0 ]
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