Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Püppchen

Kategorie: Erlebtes

Angehende ÄrztInnen müssen ja in Deutschland ein mehrwöchiges Praktikum in der Krankenpflege machen. Da lerne ich oft neben töften auch gar absonderliche Leute kennen. Wie zum Beispiel das Püppchen.

Sie war gerade zwanzig geworden und hatte mit dem Studium begonnen. Sie wirkte zunächst recht nett, doch verzagt. Und sie fiel auf dadurch, daß sie etwa stündlich am Spiegel im Dienstzimmer sich die Haare richtete und ihre Augenpartie mit irgendeiner sauteuren Spezialcréme pflegte. Was mich irritierte, war ihre geradezu hypochondroide Angst, sich irgendwo und irgendwie mit irgendetwas anzustecken. In einem derartigen Beruf ist dies nun nicht gerade praktisch. Doch sie wollte ohnehin Schönheitschirurgin (echt jetzt!) werden. Da sind die Krankheiten zwar auch entsetzlich, aber eher psychisch und damit nur begrenzt ansteckend.

Sie mochte sich auch mit nichts die Finger schmutzig machen. "Er hatte Stuhlgang! Was mache ich jetzt?"
Na was wohl? Handschuhe, Klopapier, abputzen!
"Iiiiiih!"
Kacke ist Kacke. Ob meine oder fremde. Und es gibt immerhin Gummihandschuhe.

Was aber soll ich sagen, wenn eine gerade einmal Zwanzigjährige davon spricht, sich selbst mit Botox zu behandeln? Ihr Gesicht in eine fast regungslose Maske zu verwandeln? Ein strahlendes Lächeln unmöglich zu machen? Ich habe zwar nur wenige Falten, aber diese trage ich mit Stolz. Sie bezeugen mein Lächeln und Lachen, trotz aller Depression.
Mehr als "Du spinnst!" fiel mir nicht ein. Aber das konnte ich mir nicht verkneifen.

Was soll das für eine Ärztin werden?
Ach so, ich vergaß: Schönheitschirurgin.

Verzapft am 23. Juli 2009, so um 06 Uhr 52

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Kommentare

Was sagt psychoMUELL dazu?

23. Juli 2009 um 09 Uhr 04 (Permalink)

da sollte man ja hoffe, dass diese angehende Ärztin das Interesse an der Medizin verliert.

Was sagt Ma Rode dazu?

23. Juli 2009 um 09 Uhr 22 (Permalink)

Sich selbst mit 20 mit Botox behandeln wollen? Nun wissen wir, warum die Dame Schönheitschirurgin werden möchte ... nun ja, das könnte auch eine Kandidatin für Heidi K*** nächstes Topfmodell sein!

Was sagt Dieter- im Haus und Dienst des Brutzlers dazu?

23. Juli 2009 um 10 Uhr 00 (Permalink)

Kaum zu glauben.... Diese Kopie von Daniela Katzenberger (Die Auswanderer) sollte einmal einen Dienst - möglichst einen Monat - in der diese "täglichen" Bedürfnisse die Regel sind.
Bin allerdings sprachlos, lieber Ulf, dass Deine Reaktion über diese Tussie so... na, harmlos... ausgefallen ist!

Was sagt Claudia dazu?

23. Juli 2009 um 17 Uhr 54 (Permalink)

Einem 20jährigen Puderhuhn sei das verziehen. Klarer Fall von (noch) völlig falschen Berufsvorstellungen. Das reguliert sich mit der Zeit in der einen oder anderen Weise, vor allem wenn sie das Studium tatsächlich bis zum Ende durchstehen sollte. Hebe deinen Blogeintrag gut auf und leg ihn am besten auf Wiedervorlage zu ihrem voraussichtlichen Studienende. Sollte das Mädel seine Ansichten zum positiven revidiert haben, freut sie sich sicher sehr, wenn sie ihre Jugendsünden zum Berufseinstieg gerahmt überreicht bekommt. biggrin

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 25. Juli 2009 um 16 Uhr 53 (Permalink)

Es muß eine grausame Strafe sein, mit so jemandem verheiratet zu werden....

Was sagt Reaktorblog dazu?

26. Juli 2009 um 04 Uhr 29 (Permalink)

Für Medizinstudenten, die merken, daß ihnen Ihr Fach gar nicht liegt, weil man sich viel merken und die Hände schmutzig machen muß, gibt es eine Fachrichtung, in der es ausreicht, ein bißchen mit dem Patienten zu plaudern und Medikamente zu verschreiben. Man führt keine Untersuchungen durch, auch wenn der Beipackzettel sie empfiehlt oder vorschreibt, aber darüber informiert man den Patienten auch gar nicht erst, sei es aus Faulheit oder Inkompetenz. Man kann auch nichts falsch machen, weil man das Ausprobieren jedes Medikamentes irgendwie begründen kann. Die Patienten sind selten in der Lage, Kritik an dieser Praxis zu äußern, und wenn, dann liegt das natürlich nicht am Arzt, sondern am Kranken, dem man gleich noch einen weiteren Eintrag aus dem ICD andichten kann.
Diese Fachrichtung nennt sich Psychiatrie.
Wie die plastische Chirurgie (den Begriff Schönheit vermeide ich hier bewußt) ist es eine Wachstumsbranche.
Wäre das nicht etwas für Püppchen?

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 26. Juli 2009 um 16 Uhr 42 (Permalink)

@Reaktorblog: Irgendwie habe ich die Psychiatrie etwas anders in Erinnerung...

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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