Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Kein Schließmuskel, kein Klistier.

Kategorie: Held der Arbeit

Oder doch?

Schülerin: "Ääääh Ulf. Die soll ja ein Klistier bekommen zum Abführen. Aber die hat doch ein Stoma (künstlicher Darmausgang an der Bauchdecke)! Da hat sie doch keinen Schließmuskel mehr und kann das gar nicht halten. Das läuft doch sofort wieder raus. Bringt doch nichts....?"

"Gibt für alles eine Lösung. Hast Du keinen Schließmuskel, dann bastel Dir einen!"

"???"

Man nehme: Ein Klistier. Und eine Spritze mit ca. 15 Millilitern Wasser darin. Und: Einen Blasenkatheter!
Und natürlich Zellstoff und Unterlegematerial und so.

Erstmal müssen wir das Loch freilegen. Idealerweise haben wir ein zweiteiliges System, daß heißt, wir haben eine Halteplatte die um das Stoma herum geklebt wird und einen separaten Beutel, der daran befestigt wird. Der Beutel kommt ab. Bei einem einteiligen System kommt die Platte mit runter, weil sie nicht vom Beutel zu trennen ist. Jetzt führen wir vorsichtig den Blasenkatheter ein, eventuell müssen wir vorher im Stoma die Richtung ertasten, die der Darm nimmt. Das müssen nur ein paar Zentimeter sein. Der Blasenkatheter hat an der Spitze einen kleinen Ballon, der mit etwas Wasser aufgepumpt wird, wenn der Schlauch in der Blase angekommen ist. Dann kann er nicht herausrutschen. Und genau diesen Ballon zweckentfremden wir nun als Schließmuskel. Indem wir in aufblasen dichtet er wie ein Stöpsel den Darm ab, und es läuft nichts mehr heraus.

Nachdem das Klistier drin ist und wir noch ein wenig gewartet haben, lassen wir das Wasser wieder ab und ziehen den Katheter wieder heraus. Beutel drauf, fertig.

Kennt nicht jeder diesen Trick, also verbreitet ihn bitte weiter, liebe KollegInnen. smile

Verzapft am 05. Januar 2010, so um 04 Uhr 12

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Kommentare

Was sagt INTensivling dazu?

05. Januar 2010 um 13 Uhr 18 (Permalink)

Klingt recht interessant, was ich mich frage:

Klistier über den BDK spritzen? Da bleiben ja etliche Milliliter im BDK zurück.

Könnte ausserdem eine unschöne Überraschung geben, wenn man den BDK entblockt und den Beutel nicht schnell genug draufklebt.
Naja, besser, als dem Patienten Kleanprep/X-Prep einzuflößen ist das allemal. Das erinnert mich gerade an etwas... smile

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 05. Januar 2010 um 13 Uhr 28 (Permalink)

In den DK selbst passen nur wenige Milliliter, das kannst Du getrost vernachlässigen. Wenn Du den Beutel vorm Entblocken schon teilweise auf den Ring nüpfelst, dann bist Du schnell genug. Bei einem einteiligen System ist das natürlich schwieriger. Bei einem Ausstreifbeutel könnte man auch den DK durch die Öffnung fädeln, das wäre besonders elegant.

Was sagt Thiemo dazu?

06. Januar 2010 um 23 Uhr 34 (Permalink)

WUNDERBAR!!
Mehr davon...Ulfs Peristaltikwerkstatt. Schöner Artikel.
Habt ihr auch Fälle von absoluter Laxansresistenz? Ich wunder mich doch immer wieder, wieviele Mittelchen bei Manchen wirkungslos verpuffen, wo unser eins innerhalb von Minuten nen Volumenmangelschock kriegen würde.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 07. Januar 2010 um 01 Uhr 09 (Permalink)

@Thiemo: Wenn Pillen und Tropfen nicht mehr helfen, hole ich den Irrigator und fülle ihn mit der Mischung "Ulf Spezial".

Was sagt Barbara dazu?

11. Januar 2010 um 03 Uhr 04 (Permalink)

Gott nein... nicht schon wieder Scheisse... wink

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 11. Januar 2010 um 07 Uhr 28 (Permalink)

@Barbara: Dies ist aber ernsthafter Kack. Wirklich. Quasi als Fachliteratur, Hilfe bei pflegerischen Problemen.

Eigenen Senf dazugeben?

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