Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

So eine Art Resumée.

Kategorie: Erlebtes

Momentan hänge ich noch etwas in der Luft. Ich werde zwar nicht arbeitslos, aber ich weiß noch nicht genau, womit man mich beschäftigen wird. Hauptsache, ich werde erstmal nicht geistig und verantwortungsmäßig überfordert. Das ist eigentlich gar nicht so schlecht, denn so schön wie Verantwortung für andere auch sein kann, wenn es denn mal scheiße läuft, dann leidet da jemand darunter.

Ich habe zwanzig Jahre in der Pflege gearbeitet, mit Zivildienst, Ausbildung und so, davon fünfzehn examiniert und damit voll verantwortlich. Ich stelle jetzt fest, daß ich den Abschied davon nicht mehr so schlimm finde, zumal die Pflege sich, wie ich schon schrieb, in eine ziemlich industrielle Richtung entwickelt hat. Damit kann ich mich nicht mehr uneingeschränkt identifizieren, und so ist auszusteigen vielleicht gar nicht so verkehrt.

Natürlich werde ich den Kontakt zu den PatientInnen vermissen, die Begleitungen, die Angehörigen. Die PatientInnen haben mich geliebt, irgendwie kam ausgerechnet mein schräger Humor bei denen gut an. Andererseits habe ich schon (vor allem im Hintergrund) recht viel Chaos verursacht- Bürokratie war nie meine Stärke, und ich habe mich trotz Bemühungen da nie wirklich verbessert. Meine KollegInnen sind somit besser dran. Und wenn ich einen schlechten Tag habe, mich schlecht konzentrieren und damit vermehrt Fehler machen kann, dann trifft das vor allem die PatientInnen. Und das ist nun wirklich nicht mein Bestreben.

Doch, ich glaube, ich bin so weit, daß ich aussteigen kann und dabei sagen: Gut so.
Den Schichtdienst werde ich weniger vermissen. Die Schlafstörungen, die mich ohnehin schon plagen, wurden durchs Dreischichtsystem jedenfalls nicht besser. Manchmal hatte das zwar auch Vorteile, aber eigentlich ist das schon ziemlich hart.

Was ich aber sehr vermissen werde: Ich stand als Praxisanleiter (sozusagen Ausbilder) bei den Auszubildenden in dem Ruf, einiges zu wissen und das auch noch sehr gut erklären zu können. Trotz meines depressiv-negativen Selbstbildes bin ich überzeugt, daß da etwas dran ist. Das würde ich im Prinzip am liebsten weiter nutzen, aber da sehe ich in der derzeitigen Situation keine Möglichkeit. Macht auch nichts, das Leben ist kein Wunschkonzert. Andere können das auch, sollen die halt machen.

Ich sollte also wirklich nicht meinem alten Job nachweinen. Eigentlich bin ich ja eh nicht fit genug dafür.

Daß meine Ex-KollegInnen sich bei mir nicht gemeldet haben, ist zwar schade, aber hey, das sind KollegInnen und nicht besten Freunde. Und ich habe mich auch nicht gemeldet. Na also. Daß die sich zu meinem Geburtstag nicht gemeldet haben hat mich zwar schon enttäuscht, aber hey, wer hat denn früher immer gesagt, sein Geburtstag sei ihm schnurz?

Mal gucken, wo ich lande. Wahrscheinlich an einer Stelle mit wenig Publikumsverkehr. Ich hoffe, ich habe dort wenigstens lustige KollegInnen. Am besten welche, mit denen man sich gegenseitig verarschen kann.

Verzapft am 10. Juni 2011, so um 18 Uhr 39

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Kommentare

Was sagt Spartaka dazu?

11. Juni 2011 um 00 Uhr 32 (Permalink)

Tja,in der selben Situation bin ich auch. Ich liebe diesen Beruf, aber es ist vorbei. Derzeit Auftragsjobs, von der Hand in den Mund, und dann vielleicht eine Maßnahme zur beruflichen Integration. Warten warten warten... bis es einem besser geht. Aber wer bestimmt das? Leider nicht mehr ich...

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