Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Ich bin kein Marsmensch! Oder: Farben machen das Leben bunt.

Kategorie: Held der Arbeit

Mit Farbe bekleckerte Sicherheitsschuhe.Der Chef hatte einen Spezialauftrag für mich:

Farbige Farben, also wenn nicht einfach weiß gestrichen werden soll, werden maschinell und computergesteuert gemischt. Man gibt den gewünschten Farbcode ein, der auf dem Beispielkärtchen steht, und der Computer teilt mit, welche Grundlage („Base“) er braucht. Die Farbe selbst ist in einer Art Revolvermagazindingsbums in Patronen drin und wird dann genauestens dosiert in die Base geträufelt. Danach kommt der Eimer noch in eine Schüttelmaschine (bitte nicht den Deckel vergessen!)- fertig.

Solche Maschinen gibt es etliche, zwei sind derzeit in Betrieb und eine war kürzlich ausrangiert worden- nur mussten noch die Farbpatronen vor dem Recycling entleert werden. Netterweise wohnten keine Spinnen dazwischen, jedenfalls nicht so, dass sie mich erschröckt hätten.

Sie waren von zylindriger Gestalt. Obenauf saß etwas elektrisches, wahrscheinlich ein Elektromotor. An der Basis irgendwelches unverständliches Gefuckel mit Skalen und Gestänge. Ich stellte schnell fest, dass das Öffnen prinzipiell ganz einfach war, falls nichts verbogen oder verklebt war. Die Dinger hatten schon eine Weile herumgestanden, weshalb die Farbe sich teilweise abgesetzt hatte. Dafür war ich ausgerüstet worden mit einer Art Riesenmundspatel. Allein- zu rühren erforderte etwas Übung, denn der erwähnte scheinbare Elektromotor trieb ein Rührwerk an, welches etwas im Weg war, sich andererseits nützlicherweise manchmal auch mit der Hand drehen ließ.

Meine sozusagen gefärbten Haare.Mir fiel auf: Farben wie Rot, Gelb, Lila, Blau und so waren recht unkompliziert. Und flüssig. Teilweise so flüssig, dass mir eine Ladung ins Gesicht spritzte*1. Andere schienen jedoch vermutlich wegen geringerer Beliebtheit besonders abgesessen abgesetzt zu sein. Vor allem waren dies Brauntöne, die zum Teil in der Krankenpflegeausbildung als Anschauungsmaterial zum Thema „pathologische Veränderungen des Stuhlgangs“ tauglich gewesen wären.

Und, dank meines herausragenden Geschickes, kleckerte ich beim Umfüllen in die Entsorgungsbehälter alles voll. Anschließend wußte ich sehr bald, dass mir von Terpentin schnell übel wird. Und dass sich Schuhe nur begrenzt reinigen lassen, zumindest, wenn sie weiß sind. Heute war mein achter Arbeitstag. Bei vier Stunden täglich.

So schnell habe ich noch nie meine Dienstschuhe eingesaut. Und mich im Ganzen sowieso nicht.

Verzapft am 21. November 2012, so um 14 Uhr 29

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