Und er lächelte zufrieden.
Kategorie: Erlebtes
Er liegt nun auf seinem Bett, die Augen geschlossen, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Die letzten Nächte hatte er eigentlich gar keine Miene gezeigt, er war komatös. Eine Ablaufsonde hing ihm aus der Nase, daß er nicht ständig erbreche, und Infusionen tröpfelten langsam in seinen ausgemergelten Körper. Nur bei Schmerzen zeigte er Unruhe, aber dank Morphin ließ sich das gut beheben.
Wir kannten ihn schon recht lange, denn er kam regelmäßig. Wie die meisten unserer PatientInnen. Nun lag er uf einem Einzelzimmer, und seine Frau war bei ihm.
Um 23:25 klingelte es dann dort. Ich wußte, was das bedeutete.
Mehr als fünfzig Jahre waren sie verheiratet. Haben mehr als fünfzig Jahre zusammengehalten und zueinander gestanden in guten wie in schlechten Zeiten.
Doch nun war sie allein.
"Die letzten Atemzüge hat er eben gemacht!" schluchtzte sie. Die Ärztin, die den Tod feststellen mußte, kam, und ich ließ ihr die Gattin einen Moment, um den Verstorbenen herzurichten. Kieferstütze, Sonde und Infusionen entfernen, richtig hinlegen... Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn er lächelte sichtlich zufrieden.
Verzapft am 31. Januar 2010, so um 00 Uhr 35
Kommentare 
Was sagt Basti dazu?
31. Januar 2010 um 01 Uhr 14
Ein Grund warum ich deinen Job nie machen könnte! Hut ab...
Was sagt drgeldgier dazu?
31. Januar 2010 um 11 Uhr 57
Es ist ein Geschenk, wenn man so behütet und "geordnet" aus dem Leben scheidet, vor allem für die Hinterbliebenen.
Als Betroffener ist es wahrscheinlich besser, eines morgens einfach nicht aufzuwachen, aber dafür ist für den Rest der Welt der Schreck um so größer - oder auch nicht
Was sagt Mathias dazu?
25. November 2011 um 19 Uhr 28
Es ist doch beruhigend, dass man weiss, dass man noch "schön" gemacht wird, wenn es zu Ende ist. Es wäre doch schlimm, auch für die Angehörigen, wenn man das letzte Leiden sehen muss. So kann man wenigstens sagen, er ist nicht unglücklich gegangen.



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