Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Der Kachel- und der alte Mann.

Kategorie: Erlebtes

Mit neunzig Jahren einen Herzstillstand zu überleben und danach nicht schlechter zurecht zu sein als vorher ist schon bemerkenswert. Natürlich tut ihm der Brustkorb weh, aber das regeln wir mit Metamizol.

Wir kennen ihn schon, und dement war er vorher auch, als wir ihn das letzte Mal entlassen hatten. Nun haben wir ihn wieder, mit blauen Flecken am Thorax, aber immerhin: Das Hirn scheint keinen Schaden genommen zu haben. So war er vorher auch: „Wo bin ich?“ „Wo ist meine Frau?“ und dabei ausgesucht höflich und manierlich.

Was ich denn von der Geschichte mit diesem Wettermenschen da hielte, diesem, äh?
„Sie meinen Kachelmann? Schwierige Sache, ich fand die Vorverurteilung nicht gut. Über Schuld oder Unschuld entscheidet der Richter, oder nicht“? antwortete ich.

Er erörterte mir seine Ansicht, die er als Jurist außer Dienst hatte. Präzise. Strukturiert. Völlig klar.

Auch nach so vielen Jahren in der Pflege bin ich immer wieder erstaunt, wieviel auch demenzkranke PatientInnen doch auf die Kette kriegen können.

Verzapft am 23. Oktober 2010, so um 21 Uhr 53

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