Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Das mir liebste Gedicht...

Kategorie: Kultur

ist eigentlich ein Lied und wurde schon mein Lieblingsgedicht, als ich es das erste Mal las. Da war ich vierzehn, glaube ich, und hatte zwar rechte Mühe damit, dann aber erkannte ich es in seinem tiefsten Innern, und es berührte mich. Bis heute hat kein Gedicht es von meinem Thron schubsen können. Über siebengundert Jahre ist es alt, unendlich zart und zärtlich.

Walther von der Vogelweide hatte mich erobert. Heute nennt man das Fan.

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
Vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe,
dô was mîn friedel komen ê.
Dâ wart ich enpfangen,
hêre frouwe,
daz ich bin sælic iemer mê.
Kuster mich? Wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht, wie rôt mir ist der munt.

Dô het er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
Des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
Bî den rôsen er wol mac,
tandaradei,
merken, wâ mirz houbet lac.

Daz er bî mir læge,
wessez iemen
(nû enwelle got!), sô schamt ich mich.
Wes er mit mir pflæge,
niemer niemen
bevinde daz, wan er und ich,
und ein kleinez vogellîn -
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.

Für meine Liebste.

Verzapft am 18. Januar 2011, so um 15 Uhr 00

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19. Januar 2011 um 19 Uhr 23 (Permalink)

Herzzerreißend

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