Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Zyankali.

Kategorie: Erlebtes

Es war ein lauschiger Abend im Oktober des Jahres 1997, etwa sechs Wochen nach dem tragischen Unfalltod der als„ Lady Di“ bekannten Diana Spencer im Tunnel, und Jöto mit mir in Berlin zum Bundeskongreß der Deutschen Friedensgesellschaft. Nun wollten wir des Abends etwas rausgehen, um auch noch ein wenig Spaß zu haben, denn Kongresse sind ja eher dröge. Ich kannte von meinem letzten Trip dorthin eine beschauliche Bar an der Großbeerenstraße, das Zyankali. Ein Kellerloch, düster, mit Spinnweben, Knochen und diversen Körperteilen, die aus dem Putz der Decke ragten. Am Waschbeckenspiegel der mit Schwarzlicht beleuchteten Toilette stand: „Pickel ausdrücken verboten!“ und die Zutaten für die Getränke wurden in Chemikalienbehältern gelagert. Wir wärmten uns, da der Abend noch jung und noch nicht wild war, erstmal mit einem Andechser Doppelbock vor. Lecker Starkbier. Naja, stark und trinkfest waren auch wir.

Der Hauscocktail „Zyankali“ danach war natürlich ein Muß. Zumindest damals wurde die blaue, leicht schäumende Flüssigkeit nicht näher zu definierenden Ursprungs im Erlenmeyerkolben serviert. Cocktails sind in ihrer Wirkung sehr schlecht einzuschätzen, und da es uns noch recht gut ging und die Nacht gerade erst begonnen hatten (also etwa 2:00h früh) gönnten wir uns noch einen Absacker. Ich schaute an die Tafel. Dort stand angeschrieben: „NEU! Lady Die - für das ultimative Tunnelfeeling!“

Das spach meine morbide Ader an. Und ich erhielt das Tunnelfeeling. Sturzbesoffen wankten wir gegen drei Uhr Richtung Jugendherberge. Keine Ahnung, wieso ich den Weg noch wußte. Versuchten auf einer Wippe unterwegs zu wippen, fielen aber dauernd runter. Kamen an einer Telephonzelle vorbei. JöTo meinte, er habe seinen Eltern versprochen, anzurufen, wenn er heile angekommen sei. Ich hatte als älterer mehr Training im Saufen Verstand und gab die Uhrzeit zu bedenken, aber er ließ sich nicht davon abbringen, um drei Uhr Nachts seine Eltern anzuläuten. Diese meinten bloß, wir hätten offensichtlich eine Menge Spaß. Der hörte jedoch am nächsten Tag auf.

Es war der schlimmste Kater meines Lebens. Nie zuvor und nie danach habe ich derart gelitten. Therapieresistenter Kopfschmerz. Alle Viertelstunde mußte ich kotzen. Fiel natürlich während des Kongresses auf und wurde mir noch lange unter die Nase gerieben. Erst noch einen Tag später war ich wieder genesen.

Verzapft am 25. Februar 2011, so um 21 Uhr 24

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Kommentare

Was sagt Mao-B dazu?

26. Februar 2011 um 18 Uhr 47 (Permalink)

Klingt fast nach ner allergischen reaktion auf eine der Cocktailzutaten... hässliche Sache sowas, hat bei Mir mal zu ner freifahrt im RTW geführt :-/

Eigenen Senf dazugeben?

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