Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Fachkräftemangel und Ausbeutung im Pflegedienst:

Kategorie: Erlebtes

Ich habe keine Ahnung, welche der beiden Parteien Recht hat: Die gekündigt habenden Pflegekräfte oder der ambulante Pflegedienst, den sie ausbeuterischer Methoden bezichtigen, welche dieser natürlich dementiert.

Das heimische Käseblatt titelt (etwas tendenziös): "Ausbeutung? Ehemalige Mitarbeiter klagen gegen Pflegedienst"

Die Anschuldigungen sind unter anderem bewußt in Kauf genommener Personalmangel und Schichten bis zu 18 Stunden.

Mir egal, ob das stimmt oder nicht, es könnte jedenfalls so sein und wundern würde mich dies nicht. Ist nur ein Aufhänger.

Der seitens des Pflegedienstes erwähnte Fachkräftemangel wundert mich schonmal nicht:
Warum haben wir denn Fachkräftemangel?
Weil die Pflegefachkräfte überall so lange ausgepreßt werden wie die Zitronen, mit immer weniger Personal immer mehr leisten müssen, dabei immer wieder ein schlechtes Gewissen gemacht bekommen und darauf auch noch reinfallen, ständig einspringen müssen, bis sie irgendwann verbraucht sind und aus dem Job scheiden oder geschieden werden.
Oder nicht mehr effizent genug scheinen, den gestiegenen und immer weiter steigenden Anforderungen nicht mehr ausreichend gerecht werden können und deshalb ausgesondert werden.

Aus dem Pflegeberuf ist eine Versorgungsfabrik geworden.

Und die Pflegekräfte lassen das mit sich machen, dank des ewig schlechten Gewissens, sonst PatientInnen und KollegInnen im Stich zu lassen. Ich weiß nicht, ob die durchschnittliche Verweildauer im Beruf von zu meinem Examen etwa sieben Jahren (natürlich auch wegen Fortpflanzung und anschließender Häuslichkeit) noch weiter gesunken ist. Ich glaube aber nicht. Denn selbst in der Pflege ist der Arbeitsmarkt mittlerweile längst nicht mehr so arbeitnehmerfreundlich wie damals, wo ich nur eine einzige Bewerbung schreiben mußte.

Ich glaube, irgendwann ist alles einfach im Arsch.

Verzapft am 20. Juli 2011, so um 08 Uhr 00

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Kommentare

Was sagt Nobby dazu?

20. Juli 2011 um 10 Uhr 09 (Permalink)

Die durchschnittliche Verweildauer von Pflegenden bei einem Arbeitgeber ist auf 3 Jahre gesunken.
Und arbeitnehmerfreundlich in Bezug auf Einstellung ist der Arbeitsmarkt sehr wohl wieder, denn es herrscht akuter Pflegenotstand. Arbeitnehmerunfreundlich degegen ist, was anschließend im Job kommt: Stress und Ausbeutung pur.

Was sagt Praktikant dazu?

20. Juli 2011 um 12 Uhr 30 (Permalink)

Dito

Was sagt Göpf dazu?

20. Juli 2011 um 14 Uhr 51 (Permalink)

Der Personalmangel hat zwei Seiten, wenig Pflegekräfte auf dem Markt und wenig Geld um diese arbeiten zu lassen.
Die Zeiten, wo es zum betten mit zwei Wagen über Station ging, sind lange vorbei und der von Jahr zu Jahr wachsende Bürokratiewust macht die Sache nicht leichter.

Was sagt Nobby dazu?

22. Juli 2011 um 19 Uhr 03 (Permalink)

@Göpf: Patienten betten? Allenfalls virtuell im PC - als Leistungserfassung, denn wenn's nicht im Computer festgehalten ist, kann man den Pflegenden festnageln. Praktisch aber ist das bei uns in der Münsterischen Spitzenversorgung so gut wie nicht mehr möglich - weil die Schicht leider nur 8 Stunden hat und ich leider nur zwei Beine und zwei Hände. Ist aber eigentlich auch egal. Denn wie sagte die Tage ein führender Prof der HTG? "Die Patienten kommen wegen der guten Medizinischen Versorgung - nicht wegen der Pflege!"

Soviel zum Stellenwert unseres Berufes...

Was sagt Pflegekraft dazu?

19. Januar 2013 um 06 Uhr 47 (Permalink)

Ich arbeite in der Pflege und es ist tatsache so, man hat einen 30Std Vertrag und arbeiten tut man manchmal 45 Std. Man wird in seinem frei regelmäßig angerufen das man einspringen möchte, man ist nur noch fertig auf den Knochen und interessieren tut es keinen und das für 9,50 die Std. Überstunden werden nicht bezahlt.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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