Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Ich wußte schon immer die richtigen Prioritäten zu setzen!

Kategorie: Hausmusik

Nachdem mein Meister*1 mich erfolgreich klassifiziert*2 hatte, murkste ich eine ganze Weile auf einer ziemlich billigen und noch dazu geliehenen Konzertgitarre herum. Leider bedeutet billig selten wirklich preiswert, und dann lassen nicht nur der Klang, sondern auch und vor allem die Bespielbarkeit des Instrumentes zu wünschen übrig. Wenn zwischen Griffbrett und Saiten der gesamte Brockhaus geklemmt werden kann, dann arten manche Werke vor allem in Kraftarbeit aus.

Dieses Instrumentes wurde ich bald, sehr bald schon müde. Und ich sah mich um und wurde fündig. Eine Gitarre, sogar hier in Münster gebaut, im Jahre 1966 von einer Firma Reinersmann Geigen- und Lautenbau. Ich ging noch zur Schule und war gerade achtzehn Jahre alt. Das Instrument kostete mehr als ein Führerschein. Und genau deswegen erklärten mich meine Mitschüler für gestört. Ich versuchte, ihnen klar zu machen, daß ich mit einem Führerschein nicht Gitarre spielen könne, aber sie verstanden dies nicht. Für mich war das nun mal wichtiger.

Ich hatte keine Einnahmequellen außer Taschengeld. Aber meine Eltern griffen mir schon immer unter die Arme, wenn Kultur zu fördern war. Ich spannte Carbonseiten darauf. Die waren noch etwas knackiger. Dieses Instrument begleitete mich auch zu Auftritten bei Veranstaltungen der Musikschule. Nicht nur, daß der Klang sich von der anderen Unterschied wie Steak und Raupen, die Saitenlage war ein Traum! So leicht spielbar- und der Hals war extrem flach dabei, was meinen nicht wirklich langen Fingerchen sehr entgegenkam.

Was brauchte ich einen Führerschein, wenn ich für den gleichen Preis eine Gitarre haben konnte?

Natürlich war ich einige Jahre später (viele waren es nicht!) noch weiter fortgeschritten, und auch fortgeschritten war mein Urteilsvermögen. Ich suchte wieder, und diesmal für endgültig, die ultimative Gitarre für mich. Natürlich wieder als Gebrauchtinstrument, denn ein paar Kratzer machen das Gerät billiger, schaden aber nicht. Ich hatte eine gewisse Preisvorstellung, die schon nicht von schlechten Eltern war.

Mein Meister wurde fündig für mich- aber das Instrument sollte doppelt soviel kosten, wie ich geplant hatte. Weia. Er brachte sie mir mit zum Unterricht. Üblich war zumindest damals, daß man teure Gebrauchtgitarren erstmal eine Woche ausgeliehen bekam. Drum prüfe, wer sich ewig binde!

Konzertgitarre von Yuichi Imai.Sie sah gut aus. Extrem fein gemaserte Fichtendecke, massiv (Je feiner, desto besser). Boden und Zargen waren aus bestem Rio-Palisander (Ja, ich habe den Regenwald abgeholzt! Mein Gott, für die paar Gitarren geht nicht ein Bruchteil so viel verloren wie fürs Klopapier!). An der sichtbaren Beleistung keinerlei Leimreste. Die Verarbeitung war nicht nur sorgfältig, sondern perfekt. Der auf der Decke sitzende ebenhölzerne Steg (wo die Saiten befestigt werden) und das Griffbrett waren vorzüglich anzusehen und zu fühlen. Mit Ebenholz verstärkt war auch der Hals aus westindischer Zedrele*3. Das Gerät sah schon absolut sexy aus. Erotisch. Geil. Ich umfaßte ihren Körper und streichelte den Hals und dann das (Schall)Loch. Nein, es war kein Sex, es war etwas höheres. Die Vollendung!

Es war um mich geschehen.

Als andere sich ein Auto kauften, kaufte ich eine Imai*4. Autofahren kann ich immer noch nicht.

Verzapft am 25. Juli 2011, so um 10 Uhr 15

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Kommentare

Was sagt Achim dazu?

17. März 2012 um 20 Uhr 44 (Permalink)

Spielst du eigentlich noch?

Und wow, erst mit 18 Jahren hast du angefangen. Ich wollte auch mal anfangen, aber immer ohne Lehrer, nur aus Büchern, und mit Eifer war ich auch nie dabei.

Ein
Anfänger
Der
Gitarre
Hat
eifer.

Ich war niemals auch nur Anfänger, ich wollte, aber ich hatte niemals die Zielstrebigkeit, zu lernen, zu üben. Ich gab quasi sofort auf. Ich attestierte mir später auch mangelndes Talent und zu wurstige Finger. Dabei sind meine Finger, glaube ich, auch nicht wurstiger als deine.
Aber mangelndes Talent habe ich trotzdem. Glaube ich.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. März 2012 um 20 Uhr 46 (Permalink)

Angefangen habe ich mit vierzehn. Mit 18 habe ich mir meine erste wirklich gute Gitarre gekauft.

Ich versuche seit Jahren, wieder anzufangen.

Was sagt Achim dazu?

17. März 2012 um 20 Uhr 54 (Permalink)

Naja, wenn man wieder anfangen will, hilft eine Dep auch nicht gerade weiter.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. März 2012 um 20 Uhr 56 (Permalink)

Die ist ja überhaupt schuld am Aufhören. sad

Was sagt Achim dazu?

17. März 2012 um 21 Uhr 08 (Permalink)

Meine Psychose ist schon a weng hinderlich beim Anfangen, aber wenn ich spielen könnte, würde ich weiter spielen, ich würde halt wie besessen spielen. Nur war sie halt immer schon da, also war das mit dem Anfangen nie was.

Geh es locker an, vielleicht klappts ja mal.

Das Teil vom Japaner dürfte wohl nicht mehr an Wert verlieren, oder sehe ich das falsch?

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. März 2012 um 21 Uhr 13 (Permalink)

Sehr richtig. Irgendwann habe ich mal geguckt, was eine 1992er Imai gebraucht so kostet. Nicht wirklich weniger. Und schlechter wirs sie auch nicht. smile

Was sagt Achim dazu?

17. August 2017 um 20 Uhr 00 (Permalink)

Über fünf Jahre ist unsere Unterhaltung zu dem Thema schon her, jetzt hast du wieder angefangen.
Diesen Text habe ich mit Google gefunden, als ich nach "Reinersmann" suchte, ich wusste gar nicht mehr, dass ich diesen Text schon gelesen habe.
Ich habe den Link zu Beleistung angeklickt, da kam nix mehr bei rum, ich muss wohl wieder googeln.
Inzwischen habe ich auch etwas von der "Exekutiven Dysfunktion" gehört, gibts of bei Autisten und Psychotikern, da fällt es einem sehr schwer, mit einer Sache weiter zu machen, sie einfach auszuführen.
Heute habe ich an meiner Fender drei Mechaniken durch chinesische locking Mechaniken ersetzt, eine davon war schon vorher kaputt, die ließ sich nicht verriegeln, aber drei Mechaniken sind ja noch ganz. Ich muss den Verkäufer kontaktieren, vielleicht schickt der mir eine neue, was wieder etliche Wochen dauern würde. Ich habe die alten Saiten drauf gelassen, weil die noch ziemlich neu sind, kaum gespielt. Eigentlich interessiert mich der E-Bass ja mehr, aber ein bisschen Gitarre würde nicht schaden. Ich hatte schon Hornhaut, aber die ist wieder ab.
Du hast sicherlich mehr Erfolg als ich, aber ich habe mich schon vor vielen Jahren damit abgefunden, dass ich schnell wieder aufhöre, wenn ich mal angefangen habe. Ich kann mir eben nicht in den Hintern treten, mir ist es dann egal, wenn ich mal wieder selbst an mir scheitere.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. August 2017 um 20 Uhr 03 (Permalink)

Versuche es immer wieder. Nicht aufgeben.

Beleistung sind die Holzstreben an Decke und Boden.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 09. Februar 2018 um 06 Uhr 59 (Permalink)

Ein halbes Jahr spiele ich nun wieder.

Es sieht so aus, als hätte der Neuanfang geklappt! smile

Eigenen Senf dazugeben?

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