Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Leihschüler.

Kategorie: Erlebtes

Zwar war ich nie wirklich musikalisch beziehungsweise talentiert, aber ich liebte die Gitarre und spielte den ganzen lieben langen Tag. Ich kam von der Schule nach Hause, aß zu Mittag und dann ging ich in meine Bude unterm Dach, kochte Tee und griff zum Eierschneider. Schularbeiten kamen erst viel später an die Reihe.
Wie üblich schlechte Karikatur eines jungen Ulf an der Gitarre.
So war ich irgendwann gar nicht mal so schlecht. Und mußte immer bei Schülervorspielabenden mit dafür herhalten, den begeisterten Eltern zu zeigen, was die Westfälische Schule für Musik leistete. Viel später vermittelte mich mein Meister*1 auch an einen Gitarrenbauer in der Region als Programmpunkt seines Tages der offenen Tür.

Viele seiner Schüler studierten später Musik, so auch Oliver. Ich hatte schon lange Unterricht bei meinem Meister, und so kannte ich Oliver schon lange und hatte kein Problem mit der Idee, daß er mich für eine Lehrprobe „auslieh“ . Die Lehrprobe bedeutete, mich vor Dozenten und MitstudentInnen eine Stunde lang zu unterrichten, um die diesbezügliche Fähigkeit zu zeigen. Natürlich hatte ich nichts dagegen, bedeutete das doch zum einen etwas neues (außerdem habe ich mich schon immer gerne für Lernzwecke zur Verfügung gestellt, auch als Patient und so), und zum anderen bekam ich so außer der Reihe einige Extrastunden.

Wir stürzten uns auf die „Melancholy Galliard“ von John Dowland, die ich eigentlich schon konnte. Eigentlich. Doch nun wurde gefeilt. Wo lief welche Stimme entlang, was bezieht sich worauf, und wie kitzele ich das aus meinen Saiten heraus?

Die Lehrprobe selbst war in der Tat wie eine Stunde mit Publikum. Netterweise holte Oliver mich beim Haupteingang der Musikhochschule ab. Ich hatte mich niemals in diesem Labyrinth zurechtgefunden! Ein wahnsinnigeres Gebäude ist mir seither nicht mehr begegnet. Ein Labyrinth, treppauf, wieder treppab und umgekehrt um tausend Ecken.
Zwar war ich unnötigerweise nervös, trotzdem nicht ich geprüft wurde. Aber dann hatte ich das Stück wirklich drauf. Und bekam zum Dank einen Satz meiner nicht eben billigen Lieblingssaiten.

Einige Monate später. Joe Satriani in Deutschland, in Köln im E-Werk. Doch wie sollte ich dorthin? Nun, ich kannte da jemanden, der auch auf Satriani stand und dem ich mal einen Gefallen getan hatte. biggrin

Wo habe ich eigentlich meine Noten vergraben?

Verzapft am 14. September 2011, so um 10 Uhr 18

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Kommentare

Was sagt Wiesodenn dazu?

14. September 2011 um 12 Uhr 26 (Permalink)

Satriani möchte ich auch sehen, wenn er mal nicht allzu weit weg auftritt.

http://www.youtube.com/watch?v=oAalYg53V30

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. September 2011 um 12 Uhr 44 (Permalink)

Damals war März 1993, die "The Extremist"-Tour. Du solltest das machen, auf jeden Fall.

Was sagt Violine dazu?

14. September 2011 um 17 Uhr 46 (Permalink)

So spannend, was Du über Dein Gitarrenleben schreibts. Lese ich immer wieder gern.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. September 2011 um 18 Uhr 09 (Permalink)

Naja, das kommt zur Zeit einfach etwas gehäuft, weil ich hier eine CD nach der anderen in den Rechner schiebe und mit sehr vielen davon bzw. mit der Musik darauf irgendwelche Erlebnisse verbinde.Wenn ich die wichtigsten CDs auf dem Server der DiskStation habe, dann wird das sicherlich etwas weniger.

Demnächst gibt es dann auch wieder mehr Krawall biggrin -

Eigenen Senf dazugeben?

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