Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Zufrieden

Kategorie: Held der Arbeit

Der Patient, Mitte fuffzich, hatte sich seine Leber derart kaputtgesoffen, daß eigentlich nichts verwertbares übriggeblieben ist, und wartet im Grunde auf den baldigen Tod. Einiges an Schläuchen dran, Infusionspumpe, ZVK, Blasenkatheter und bla bla.

Ich ging hinein, um ihn zu waschen, im Bett, mehr war eigentlich nicht drin.

Ob ich ihm die Haare waschen könnte. -kein Problem.
Ach, am liebsten würde er ja mal wieder duschen, aber das ginge ja nicht.

Geht nicht, gibts nicht.
Er war danach total fertig. Aber glücklich.

Ich habe schon kompliziertere Vorhaben realisiert. Und im Grunde ist das für mich ganz normaler Alltag. Aber es macht mich immer wieder zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, meinen Job ordentlich erledigt zu haben.

Verzapft am 22. Oktober 2008, so um 17 Uhr 02

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Kommentare

Was sagt bierbauch dazu?

24. Oktober 2008 um 17 Uhr 06 (Permalink)

Versteh´ ich nicht, wozu die ganze Mühe? Ich meine, wo der patient doch sowieso bald stirbt?
"Spaß" beiseite;
Es sind wohl eben diese Erlebnisse, die uns - vielen widrigen Umständen zum Trotz - einen Sinn in unserem Job geben.
Vieles haben wir ja doch selbst in der Hand;
Wir können dem patienten gegenüber geduldig sein, wenn drumherum die hölle tobt.
Wir können auf aggresives und ablehnendes Verhalten der Patienten verständnisvoll reagieren.
Wir können freundlich sein, obwohl Beschwerden auf uns einprasseln.
Wir können versuchen, die Patienten mit Respekt zu behandeln und Wertschätzung zu vermitteln.
Wir können, wenn wir es nur wollen. Und wenn unsere Nerven dafür stark genug sind. Es geht sicher nicht immer und zwischen allen, aber versuchen können und sollten wir es in jedem Fall. Es sollte nicht an unserer Achtlosigkeit und Routine liegen, wenn es nicht geht.

So können wir auch einen Patienten Duschen, obwohl das unsere Zeit kostet und wir eventuell ein gewisses Risiko damit eingehen, es aber dem Patientenwunsch entspricht. Und so können wir einen Patienten vieleicht etwas glücklich machen und damit auch uns ein bisschen, wie Du es beschrieben hast.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 25. Oktober 2008 um 14 Uhr 34 (Permalink)

Ja, lieber Bierbauch, so ist es.

Bei mir kommt noch hinzu, daß ich diese Tätigkeit wieder routiniert und selbstverständlich mache. Es ist eine ganz normale Aktion. Aber daß das wieder normal ist für mich, das ist besonders. Vor einigen Monaten sah das noch ganz anders aus. Da wäre es eine Strapaze geworden.

Eigenen Senf dazugeben?

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