Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Das Armageddon der Zeugen Jehovas, musikalische Version.

Kategorie: Kultur

Was ich wirklich bemerkenswert finde: Lemmy Kilmister wird offensichtlich nicht älter. Zwar sieht er nicht unbedingt jung aus, aber so alt und verlebt wie heute sieht er schon seit über dreißig Jahren aus. Er war wahrscheinlich niemals jünger als heute.

Ulf hat Lemmy gezeichnet, ausnahmsweise mal nicht völlig verunfallt.Motörhead sind schon seit fünfunddreißig Jahren im Geschäft, werden aber weder langsamer noch ruhiger noch leiser. Anders als bei vielen anderen altgedienten Altrockern ist noch immer kein bißken Saft raus.

1990 wars, am 30. Mai, im Müngersdorfer Stadion in Köln, als ein Freund und ich unseren gemeinsamen achtzehnten Geburtstag feierten, zu welchem wir uns damals die Rolling Stones hatten kommen lassen. Die damals „erst“ 25 Jahre Starship*1 feierten. Schon damals wirkten die Steine samt Musik wie reines Selbstrecycling. Schon damals sahen Publikum wie auch die MusikerInnen nicht mehr taufrisch aus, und der damals siebenundvierzigjährige Keith Richards sah älter aus als der heute knapp sechsundsechzigjährige Lemmy. Eine aufgeblasene Bühnenshow, bei der der Kunstnebel vermutlich den Verwesungsgeruch überdecken sollte.
Pommesgabel.
Motörhead- den Stil erkenntman sofort, damals wie heute. Man könnte behaupten, sie hätten sich eben nicht entwickelt, musikalisch gesehen. Dafür aber, so halte ich entgegen, sind sie auch nicht verrottet. Und überflüssiges Gehampel auf der Bühne mit hirnrissigen Showeffekten, die nur von der Musik ablenken, haben sie ebenfalls unnötig. Hinstellen, Musik machen. Fertig.

Metallica (deren Platten bis zum „Schwarzen Album“ ich heiß und innig liebe!) zum Beispiel verloren irgendwann an Biß. Load, Reload, der Krempel, ist das überhaupt noch Metal? Jedenfalls: Giftig ist es nicht mehr. Die Einstürzenden Neubauten haben zwar nicht qualitativ verloren, aber der Stil hat sich extrem verändert über die vergangenen dreißg Jahre, daß man die Wurzeln in der Zerstörung kaum noch erkennt.

Motörhead erkennt man jedoch sofort. Hart, rauh, ruppig, schnörkellos. Einleitung? Was ist das?*2 Ausklang? Wozu denn das? Balladen? Wer will so etwas schon hören? Zack- los geht's, zack- vorbei. Pause. Zwei Sekunden genau. Mit brachialer Gewalt bekommt man Musik um die Ohren gehauen, die so klingt, wie ich mir vorstelle, daß sich die Zeugen Jehovas Armageddon und den anderen Weltuntergangsscheiß vorstellen.

Gleichbleibende Qualität hat schon was für sich. Und das Publikum, bei den Stones aus halbverwesten Alt-68ern bestehend, ist bei Lemmy, Phil und Mikkey erstaunlich gemischt. Altrocker, klassisch mit Kutte oder normales Lieschen Müller, Studentin der Betriebswirtschaftslehre- alles dabei.

Motörhead- ist das überhaupt Metal? Die spielen doch auch den Sex Pistols und den Ramones ihre Stücke?
Scheiß drauf Motörhead ist vor allem eines: Rock'n'Roll!
Motörulf. Kritzelei im Englischunterricht 1990.
Motörulf. Kritzelei im Englischunterricht 1990.

Verzapft am 23. Oktober 2011, so um 09 Uhr 52

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