Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Das starke Geschlecht

Kategorie: Literarisch

Männer und Frauen gehen unterschiedlich mit ihren Wehwehchen um. Glauben sie zumindest.

Silke vs. Ulf Silke: Morbus mediterranee

Was verbirgt sich hinter diesem Ausdruck? Der Starke. Der Alleskönner. Der Retter in der Not. Der Fels in der tobenden Brandung. Immer? ....
Nein! Natürlich nicht. Denn jedes Lebewesen hat auch einen natürlichen Feind. In diesem Fall sind es ganz bösartige Geschöpfe, Monster geradezu. Und sehr heimtückisch. Mit einer Größe von gerade einmal 20-300 Nanometer sind sie für das menschliche Auge nicht sichtbar. Daher erfolgt ihr Angriff unvorhersehbar und plötzlich. Doch die Folgen sind schrecklich!

Ich spreche von Viren. Haben sie unseren tapferen Kämpfer erst einmal befallen, gibt es kein zurück. Die Transformation in ein weinendes, leidendes Weichei ist nicht mehr zu stoppen. Ein Bild des Schreckens. Da liegt er nun. Unser Held. Niedergestreckt. Auf dem Sofa. Um ihn herum ein Berg von Taschentüchern. Die Nase läuft unaufhörlich. Die Augen tränen von regelmäßigen Husten- und
Niesattacken. Der Kopf brummt wie ein alter Dieselmotor.
Tja, so eine Erkältung ist schon etwas sehr Gemeines. Doch so richtig schlimm wird es erst, wird unser Jäger von Fieber geplagt oder von Durchfall und Erbrechen heimgesucht.
Aber unser aller Held leidet nicht still und leise vor sich hin. Oh, nein. Er klagt und stöhnt sein Elend in die Welt hinaus. Denn schließlich ist er ja der bemitleidenswerteste Mensche auf dieser Erde. Und wehe man (eher frau) wagt es, ihn zu verspotten. Dann beweißt er, dass auch Männer so richtig zickig sein können. Besonders darbietungsreich sind dann südländische Männer. Sie besitzen
die Fähigkeit nahezu theatralisch zu leiden. Für Frauen mit Humor ein wahres Schauspiel.
In solch einer ausweglosen Situation muß frau all ihren Mut und ihre Stärke zusammen nehmen und zu lebensrettenden Maßnahmen greifen. Ein kurzer Besuch in der Apotheke und danach Chaosbewältigung in der Wohnung des Liebsten. Anschließend kommt die schwierigste Aufgabe. Dem dennoch unvernünftigen Leidenden die Medikamente und etwas Nahrhaftes einzutrichtern und ihn zu so banalen Dingen wie Inhalationen zu bewegen. Gleichzeitig sollte sie auch in der Lage sein, Schadensbegrenzung zu betreiben, und ihre Sprösslinge (soweit vorhanden) von der wandelnden Bazillenschleuder fernfern zu halten.

Ist dieser Ausnahmenzustand dann nach ca. 1 bis 2 Wochen überstanden, kann sie endlich wieder aufatmen und sich um ihre eigene, inzwischen leicht angegriffene Gesundheit kümmern.

Ulf
Immer muß mann stark sein. Der Nährer der Familie, ihr Beschützer. Doch auch er ist nicht gefeit vor Schwäche durch Krankheit. Doch sobald er niedergestreckt ist von den Seuchen des Jahrhunderts, muß er den Spott seiner Liebsten ertragen. Hat er sich, noch gesund, ihr ständiges Gejammer angehört über die Kinder, die Schule und den Haushalt, Migräneattacken vor dem Zubettgehen toleriert und ihre permanent auftretenden Tage und die damit verbundene Unlust und Unpäßlichkeit, so wird jetzt weiterhin von ihm verlangt, er solle sich zusammenreißen.

Allein, der im täglichen Kampf ums Überleben der Familie geschundene Körper macht nicht mehr mit. Statt einer Wärmflasche und Streicheleinheiten gibt es jedoch nur Hohn. Der Fürsorger, nun selbst von Fürsorglichkeit abhängig, ist wieder auf sich allein gestellt.

Und SIE wird ihm später wieder vorwerfen, er habe sie angesteckt.

Verzapft am 14. März 2008, so um 11 Uhr 38

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