Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Der Spiegel und der Breivik: Nennt Ihr es Jagdmodus, ich nenne es Arschloch.

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Der SPIEGEL und die WIENER ZEITUNG. Das ehemalige Nachichtenmagazin nimmt kurze Zitate, der Wiener druckt ein ganzes Interview. Dr. Jens Hoffmann ist Psychologe und Experte der EUROPOL. Und seine Äußerungen haben damit eigentlich Gewicht. Doch bei der Lektüre des SPIEGEL-Textes dachte ich zunächst, das sei wieder so ein Möchtegern-Fachmann und in Wirklichkeit ein ziemlicher Birnenpflücker. Denn nach diesem Artikel kann Anders Behring Breivik im Prinzip nicht wirklich dafür. Der Spiegel schiebt in den Vordergrund, er habe im "Jagdmodus" gemordet, womit er für Emotionen und dergleichen unempfänglich gewesen sei.

So kann man das auch sehen. Aber nicht nur. Nennt Ihr es Jagdmodus, ich nenne es Arschloch.

Neurobiologie bedeutet nicht, daß man kein Arschloch ist. Ich bin schließlich auch mit reichlich verkorkstem Neurotransmitterstoffwechsel unterwegs. Und niemand, auch ich nicht, würde meinen, ich sei deswegen für mein Tun nicht verantwortlich und außerdem schuldunfähig.

Die Wiener Würstchen drucken lieber gleich ein ganzes Interview ab. Und dieses liest sich etwas interessanter als das Machwerk des Spiegel, der am Versuch der Populärwissenschaftlichkeit scheitert. Die eigenen Worte des Fachmannes bieten mehr Inhalt. Und vor allem viel Konjunktiv. Er kann sich alles mögliche vorstellen, behauptet aber nicht, etwas zu wissen.

Das ist der Unterschied: Dr. Hoffmann selbst stellt, wie sich das gehört, keine Ferndiagnose anhand von Zeitungsmeldungen, ohne den Patienten (oder wie ich Breivik nennen soll) selbst untersucht zu haben. Dies übernimmt der Spiegel. Und legt ihm diese in den Mund.

Das hilft dem Stammtisch, zu verstehen zu glauben. Es stand ja im Spiegel.
Im Spiegel der Gesellschaft. Im Spiegel des Stammtisches.

Verzapft am 26. Juli 2011, so um 07 Uhr 55

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