Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Von Kajaks, Kanadiern und Eskimo-Tieren. Teil Eins.

Kategorie: Erlebtes

Ich war 1985 bekanntlich neu in Münster. Was lag also näher als ein (Sport)Verein?
Nun, an Leichtathletik und Fußball war ich schon in Gießen gescheitert. Vielleicht also eine etwas weniger leistungsorientierte Sportart?

Wie ich aufs Kanu kam, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gab es unweit von meinem Zuhause (also etwa vier Kilometer mit dem Rad!) neben einem Campingplatz auch einen Kanuverein.
Ich durfte, und so ging ich dort hin, mit zwei Klassenkameraden im Schlepptau. Einer der Senioren des Vereins lebte sozusagen nebenan auf dem Campingplatz und erklärte uns das Nötige: Wie wir uns im Fahrtenbuch eintragen (Name, vor Beitritt zusätzlich GAST dahinter, Strecke, welches Boot etc.), wie man einsteigt ins Kajak (diese Eskimoboote), und vor allem: wie man paddelt.

Kajak-Zeichnung.Ein richtiges Doppelblattpaddel hat die Paddelblätter nämlich um 85° versetzt angebracht, anders als beim Bootsverleih. Deshalb gibt es auch LinkshänderInnenpaddel. Beim Kanadier (Indianer) ist das schnurz, der hat ein Stechpaddel, so wie im Film. Deswegen muß man es immer etwas drehen, denn taucht man das Paddel nicht richtig ein, dann hängt man sehr schnell kopfunter in der Brühe. Und bei dem Fluß, an welchem das Bootshaus lag (die Werse), war diese Vorstellung nicht eben angenehm, denn das Wasser ist schmutzig und überdüngt, im Sommer kommen noch ein fieser schleimiger Film und verwesende Tierkadaver hinzu.

Wir waren irgendwann zu viert, und ich war der einzige, der niemals gekentert war.

Aller Anfang ist schwer. Beim Kanufahren ist der schwere Anfang das Geradeausfahren. Ständig dreht sich das Boot im Kreis, bis man irgendwann einmal das Gespür dafür hat. Und bald paddelten wir den Fluß auf und ab, sogar bis Angelmodde hinauf, das waren 10,5 Kilometer, also insgesamt 21. Einmal machte ich mit einem Kumpel auch eine regelrechte Ochsentour: Ein Sportkamerad hatte uns von einer richtigen Runde erzählt: Die Werse abwärts bis zur Ems. Von dort am umtragen auf den Dortmund-Emskanal und dann Richtung Hiltrup. Dort fließt der Emmerbach, von dem aus man oberhalb des Bootshauses bei Wolbeck wieder in der Werse landet. Immer mit dem Strom. Zusammen vierzig Kilometer.

Wir teilten uns die Tour in zwei Tage ein. Wir zelteten bei einem Bauern (dessen Neffe ein Klassenkamerad war). Noch nie und niemals wieder habe ich derart schnell ein Zelt aufgebaut- ein fürchterlicher Platzregen. Die Bäuerin gab uns erstmal Jogginganzüge von ihrer Tochter, während unsere Sachen beim heißen Tee am Kachelofen trockneten.

Am folgenden Tag ging die Tour dann weiter. Und wir stellten fest, daß unsere Planung eine grobe Macke hatte: Bis zum Bauern waren es zehn Kilometer gewesen. Also hatten wir noch dreißig. Und wir mußten an der Schleuse vorbei umtragen, und die Kajaks waren vollgepackt und schwer, und wir hätten weit schleppen müssen.

Doch dank des Feiertages war kaum Verkehr auf dem Kanal, und der Schleusenwärter rief uns per Lautsprecher zu, wir sollten zu zwei kleineren Schiffen in die Schleusenkammer. Das war recht spannend. Nur wurde, als die Boote wieder anfuhren, das Wasser furchtbar aufgewühlt, und wir hatten Mühe, uns zu halten.

Irgendwann in Wolbeck spätestens tat uns alles weh. Zurück in Handorf noch mehr als alles. Aber stolz waren wir über unsere Leistung.

Verzapft am 13. August 2011, so um 13 Uhr 51

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