Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Kritik des nackten Wahnsinns (Kap. 3) in der Politik - oder gibt es eine Kleiderordnung im Bundestag?

Kategorie: Literarisch



Politiker kritisieren viel wenn der Tag lang ist, besonders in Wahlkampfzeiten. Die Frage ist nur, ob sie ihre Kritik auch in der Form des nackten Wahnsinns äußern, bzw. durch nackten Wahnsinn zum Ausdruck bringen oder auch nur bringen könnten. Meiner Meinung nach spricht vieles dagegen. Da ist zuerst einmal das Problem der Kreativität. Es ist ja wohl unbestritten, dass nackter Wahnsinn ein hohes Maß an Kreativität erfordert. Es ist viel einfacher irgendetwas irgendwie zu kritisieren als diese Kritik in Form des nackten Wahnsinns zu äußern, so dass sie nicht mehr für jedermann auf den ersten Blick verständlich ist (also ein gewisses Maß an Intelligenz seitens des Zuhörers/Lesers erfordert) und trotzdem für sehr viel Aufmerksamkeit und Aufsehen sorgt (wesentlich mehr als der bekleidete Wahnsinn). Nackter Wahnsinn erfordert auch wesentlich mehr Mut als bekleideter solcher, was sich ja schon aus dem Namen ableiten lässt. Ich denke, dass es den Politikern genau an diesen Eigenschaften mangelt. Abgesehen davon bin ich der festen Überzeugung, dass es so etwas wie eine Kleiderordnung in den hohen Häusern der Politik gibt, die den Politikern verbietet, den nackten Wahnsinn auszuleben. Zugegeben, nackte Politiker wären wahrscheinlich auch kein schöner Anblick, aber es geht hier ja ums Prinzip!

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass nackte Politiker nicht mehr gewählt würden (oder es tritt genau das Gegenteil ein, was ich persönlich allerdings für unwahrscheinlich halte). Und den meisten Politikern geht es ja hauptsächlich um diese Sache, so dass ihnen ihr Geld wichtiger ist, als mit Hilfe des nackten Wahnsinns Missstände zu kritisieren und dadurch mutig ihren Job zu erfüllen, indem sie sich den nackten Wahnsinn zu Nutze machen. Nackter Wahn-sinn könnte natürlich auch dazu beitragen, die Politikverdrossenheit in diesem Land zu beseitigen, da nackte Politiker mehr Aufmerksamkeit und Interesse in der Bevölkerung wecken als bekleidete solche.

Nun stellt sich allerdings die Frage, ob das Wort nackt streng wörtlich zu nehmen ist oder auch metaphorisch interpretiert werden kann. Der Leser wird mir hoffentlich verzeihen, wenn ich an diesem Punkt etwas ausschweife, doch für mich ist er von enormer Wichtigkeit. Wenn dieser Begriff nämlich auch metaphorisch mit Bedeutung gefüllt werden kann, hieße das, dass es für einen Politiker, dessen Ansinnen es ist, Kritik in Form des nackten Wahnsinns zu äu-ßern nicht zwingend notwendig ist, sich auszuziehen (obwohl das die Wirkung wahrscheinlich verstärken würde). Es ist also auch möglich durch nackten Wahnsinn zu kritisieren ohne sich dabei der Bekleidung zu entledigen. In diesem Falle hieße das Wort nackt, das der kritisierende Wahnsinn offensichtlich, also in jeder Hinsicht unverpackt dargestellt werden muss. Genau da besteht dann aber wieder ein Problem für den kritischen Politiker: Wenn dieser nämlich seine Kritik in dieser Form äußert läuft er in Gefahr, zum letzten Mal Kritik in der Politik geäußert zu haben und dies in Zukunft nur noch in einem "geschützten Raum" zu tun, bzw. tun zu können.

Zu offensichtlicher (sprich nackter) Wahnsinn birgt also auch Gefahren, welche man wohl oder übel in Kauf nehmen muss wenn man sich entschlossen hat, auf diese Art und Weise zu kritisieren.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass es vielleicht mal sehr erfrischend wäre, durch nackten Wahnsinn in der Politik zu kritisieren (obwohl schon Wahnsinn überhaupt ein großer Erfolg wäre, denn auch der bekleidete kommt in der Politik so gut wie gar nicht vor), doch das dies ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist, da die meisten Politiker mehr an ihrem Posten als an ihrer eigentlichen Aufgabe hängen und ihnen Kreativität und Mut zur Ausführung fehlen obwohl Kritik in der Politik sehr, sehr wichtig ist.

Genau andersherum verhält es sich mit dem nackten Wahnsinn in der Porno-Industrie. Niemand wird bestreiten, dass es sich bei den meisten Produkten dieses Wirtschaftszweiges um eindeutig (manchmal natürlich auch eindeutig zweideutig) nackte Waren handelt. Jetzt ist natürlich die Frage, ob es sich dabei auch um Wahnsinn handelt. Möglicherweise gehen hier die Meinungen stark auseinander, meine ist aber die, dass eindeutig Wahnsinn vorliegt. Diese Frage muss jedoch jeder für sich selbst beantworten - je nach persönlicher Einstellung.

Wer diese Frage jedoch mit "nein" beantwortet braucht nicht mehr weiterlesen (was natürlich sehr schade wäre), denn wo kein Wahnsinn ist, kann auch kein solcher kritisieren. Für diejenigen, die sich meiner Meinung anschließen, dass die Produkte der besagten Industrie nicht nur nicht ganz normal sind, sondern auch die Grenze zum Wahnsinn überschritten haben, stellt sich nun jedoch eine weitere Frage: Will die Porno-Industrie mit ihren Produkten kritisieren? Wenn dies nämlich nicht der Fall ist, liegt auch keine Kritik des nackten Wahnsinns vor, sondern nur nackter Wahnsinn als solcher (welcher für dieses Werk nicht von besonderer Bedeutung ist). Auch diese Frage - bzw. die Antwort darauf - ist wieder Ansichtssache. Mancher mag vielleicht glauben, Pornos würden die prüde, intolerante Gesellschaft kritisieren (meiner Meinung nach eine reichlich naive Ansicht, oder ein vorgeschobener Rechtfertigungsversuch). Vielleicht sehen diese Leute auch andere Dinge, die durch Pornos kritisiert werden - oder sie erfinden die Existenz solcher Dinge aus oben genanntem Grund.

Ich schließe mich jedoch den Menschen an, die finden, dass Pornos überhaupt nichts kritisieren, sondern der puren Belustigung einer bestimmten Sorte Leute dienen.

Daraus ergibt sich nun der Kontrast zur Politik: Politik kritisiert ohne nackten Wahnsinn, Pornos sind nackter Wahnsinn ohne zu kritisieren. Doch genau dadurch stellt sich die - oder vielleicht nur eine der - Gemeinsamkeiten zwischen Politik und Pornos heraus (was manchen Politikern und vielleicht auch manchen Mitarbeitern der Pornoindustrie wahrscheinlich nicht sehr recht ist): Bei beiden Sparten handelt es sich nicht um Kritik des nackten Wahnsinns!

Verzapft am 19. Februar 2008, so um 07 Uhr 12

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