Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Musterknabe

Kategorie: Erlebtes

Es war einst ein junger Mann von achtzehneinhalb Jahren, der notgedrungen im Dezember Neunzehnhundertundneunzig das Kreiswehrersatzamt aufsuchte, um sich auf seine Tauglichkeit für den militärischen Zwangsdienst mustern zu lassen.
Einen Meter und achtundsechzig Zentimeter war er groß und damals sechzig Kilo schwer. Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung hatte er schon längst fertig und abgeschickt. Doch die Prozedur blieb ihm nicht erspart: Er wurde auf diverse Arten und Weisen untersucht. Zudem mußte er sich breitbeinig vor dem Doktor hinstellen, die Arschbacken auseinanderziehen und sich in dieser unüblichen Position auf ein Haemorrhoidalleiden untersuchen lassen (sowas macht man, wenn man nicht gerade jemanden erniedrigen will, dezent und diskret in Seitenlage).
Und Fragen über Fragen:
"Leiden Sie an Depressionen? Leiden Sie an Schizophrenie? Leiden Sie an Homosexualität?"

"Haben Sie irgendwelche Verwendungswünsche?" - Der junge Mann wurde nochmals von seinen langen Haaren über sein buntes Hemd und seine grüne Jeans bis zur Sandalensohle mit skeptisch-mißbilligendem Blick gemustert. "Ach nee, SIE verweigern sicher!"

Verzapft am 23. Januar 2008, so um 16 Uhr 17

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Kommentare

Was sagt menschenfleisch dazu?

17. April 2009 um 14 Uhr 08 (Permalink)

Boah!
Da werden Erinnerungen wach. Ich hatte damals soviel (depressiv angestauten) Schiss, dass ich es sogar bis zum UnterOffiziersAnwärter gebracht hätte. Die "Erhebung" dauerte zwei Tage und war extrem beeindruckend. Leider war ich auch einer der "Besten" und schon vor allen anderen fertig.
Zu meinem Glück fuhr ich danach auf dreimonatige Reise nach Marokko und wurde danach wegen Fahnenflucht als "unbrauchbar" (real nachgehakt) abgestempelt.

Eigenen Senf dazugeben?

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