Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Was heißt schon NORMAL?

Kategorie: Verrueckt

Vor kurzem noch bin ich den geneigten LeserInnen noch auf die Nerven gegangen mit Gejammere darüber, daß ich nicht der Norm entspräche und deshalb ausgegrenzt würde. Nachdem ich mich sonst immer fleißig und höhnisch von anderen abgegrenzt hatte. So weit, so normal. ?

Was heißt schon "normal"?
Im Grunde bedeutet es ja eigentlich nur, der Norm, dem Standard, dem, was vorgegeben ist in dem jeweiligen System zu entsprechen. Unsere Gesellschaft als Gesamtheit hat ja weitgehend einen Konsens bzw. eine gemeinsame Vorstellung von gesellschaftlichen Normen, mit denen weitgehend konform zu sein erwünscht oder auch erforderlich ist.

Ich entspreche dieser Norm nicht. Oder doch? Oder beides?

Äußerliches:
Mit langer Mähne und schwarzen Klamotten sehe ich zwar nicht genormt aus, verstoße aber auch nicht gegen die Regeln. Die Fünfziger sind vorbei. Auch ein Metal-T-Shirt irritiert kaum noch jemanden. Ich trage eine edle, aber schlichte Uhr und einen Ehering. Normal. Nur im Winter fällt auf, daß ich ausschließlich Sandalen trage, wenn die Vorschrift nichts anderes verlangt.

Seelisches:
Mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und rezidivierender Depression ist mein Neurotransmitter(Nervenbotenstoff)stoffwechsel definitiv nicht im grünen Bereich. Dies kann allerdings mit den passenden Medis weitgehend normalisiert werden. Außerdem sind psychische Krankheiten insgesamt gar nicht so selten, so daß sie zwar nicht normal sind, aber auch nicht ungewöhnlich. Also bin ich so besonders auch nicht.

Gut, ich benehme und benahm mich immer ein wenig sonderbar. Ob das nun am ADHS liegt oder an mir selbst sei dahingestellt, aber eigentlich sind bisher die meisten Menschen gut mit mir klargekommen. Die meisten meiner PatientInnen fanden das sogar klasse. Dann ist dieses also zumindest nicht gegen die Norm.

Wertvorstellungen:
Gut, manches paßt nicht in dieses Umfeld, Anarchie zum Beispiel. Aber da ich normalerweise niemandem damit auf den Sack gehe, da ich keinen echten Missionseifer habe, verstoße ich auch nicht gegen die gesellschaftlichen Gesetze. Das gleiche beim Pazifismus.

Außerdem kann ich auch richtig konservativ sein: Ich bin immerhin verheiratet und nehme das sehr ernst. Treue und Freundschaft sind für mich sehr wichtige Werte, ebenso wie Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft. Wenn das mal nicht kompatibel ist!

Fazit?
Gut, ich bin wegen meiner Krankheiten weniger Leistungsfähig, was an meinem bisherigen Schaffensort für Unmut gesorgt hatte. Nun bekomme ich zwar eine Stelle für Quotenbehinderte, aber ist das so unnormal? Vielleicht sind "Behinderte" eine Minderheit, aber doch meist weitgehend normal. Als Beispiel nehme man mich- was ich in diesem Artikel gesammelt habe, ist eigentlich eine Sammlung von Normalitäten über mich.

Ich stelle fest: Ich bin gar nicht seltsam.
Nur manchmal anders als andere.
Aber ist das nicht jeder?

Verzapft am 13. Juli 2011, so um 14 Uhr 48

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Kommentare

Was sagt Ma Rode dazu?

13. Juli 2011 um 15 Uhr 24 (Permalink)

Zeig mir mal bitte einen "normalen" Menschen. Ich kenne keinen ...

Was sagt BösesKind dazu?

13. Juli 2011 um 16 Uhr 29 (Permalink)

Bedeutet "normalsein" für Dich das gleiche wie Konformismus?
Ist Konformismus überhaupt erstrebenswert?
Deinem Wesen und deinem Äußeren nach bist Du ein Nonkonformist. Worüber machst Du dir also Gedanken?
Konformismus ist meiner Meinung nach nicht nur langweilig, er ist ebenso gefährlich.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 13. Juli 2011 um 19 Uhr 22 (Permalink)

Von Konformismus habe ich nicht gesprochen. Nur, daß jeder normal normale und unnormale Anteile hat.

Was sagt BösesKind dazu?

13. Juli 2011 um 19 Uhr 48 (Permalink)

Um etwas als unnormal anerkennen zu können, muss ich doch auch eine Norm anerkennen. Also gehe ich mit dieser konform, nicht wahr? Wie sonst sollte ich mich in dieser Norm wiedererkennen?
Konformismus besteht ja auch darin, sich einer Norm anzupassen und auch in der Angst, von dieser abzuweichen.

Was sagt Big Al dazu?

14. Juli 2011 um 00 Uhr 08 (Permalink)

Sind wir nicht alle ein bißchen _ _ _ _ (setzt ein was euch passt, und nehmt keine Rücksicht auf die Anzahl der "Freizeichen" wink .
Jesses, eine Nonkofornismusdebatte erwarte ich gerade bei Ulf nicht. Also nicht in diesem Blog.
Menschen sind nun mal verschieden, egal ob depressiv, ADHS oder durch andere, vielleicht auch körperliche Behinderungen oder anderen außerhalb der vorgeblichen Norm liegenden Sachen bevorteilt (DAS schreibe ich ganz bewußt, denn wer weiß denn wirklich was "normal" und was "anders" ist?), und wem es schwer fällt dies zu akzeptieren sollte woanders lesen, oder?
Lebbe unn lebbe lasse, sach` ich als Hesse.
Wenn ihr alle nach den Erwartungen eures Umfeldes lebt, was seid ihr dann?
Duckmäuser, angepasst, oder doch stille Rebellen?
Resigniert, frustriert?
Big Al, lebendiger Mensch. Mit vielen Schwächen.

Was sagt BösesKind dazu?

14. Juli 2011 um 08 Uhr 28 (Permalink)

Also doch noch einer der mich versteht, auch wenn er meine Intention fehlinterpretiert.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. Juli 2011 um 09 Uhr 35 (Permalink)

Ich glaube, ich habe mich mal wieder miß- und unverständlich ausgedrückt.

Was sagt BösesKind dazu?

14. Juli 2011 um 11 Uhr 41 (Permalink)

Das passiert Dir öfter, nicht wahr? wink

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. Juli 2011 um 12 Uhr 14 (Permalink)

Gibt wenigstens interessante Diskussionen. biggrin

Was sagt faehr_mann dazu?

14. Juli 2011 um 21 Uhr 32 (Permalink)

Immerhin reflektierst Du mehr als "normale" Menschen. Das macht Dich aus.

So neben der Spur bist Du goarnücht. Da kenn ich haufenweise Normalos, die mir weitaus seltsamer vorkommen.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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