Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Was hast Du empfunden, als Du das erste Mal vor einem toten Menschen standest?

Kategorie: Held der Arbeit

Diese Frage ist meine neueste Aktion. Wie ging es Euch mit dem ersten echten Toten vor Euch? Was habt Ihr empfunden?

Was habe ich empfunden? Lange ist es her, ich war gerade Zuvieldienstleistender geworden 1991. Ich hatte im Vorfeld doch etwas Angst, was das wohl mit mir machen würde, wenn ich das erste Mal vor einer echten Leiche stehen würde. Macht mir das Angst oder Trauer oder was?

Der Tag kam recht bald. Ein alter Herr mit Parkinson war plötzlich verstorben, vermutlich an einer Lungenembolie. Und die Kollegin brauchte Hilfe, ihn zurecht zu machen.

Blaß sah er aus und etwas gelblich. Ziemlich tot. Aber irgendwie machte es mir dann doch nichts aus. Vielleicht war es deshalb leichter für mich, weil ich vor einem Patienten stand und nicht vor einem Familienmitglied. Aber anderen mag es da anders gegangen sein. Wie war das bei Euch?

Schreibt mir die Antworten per E-Mail an ulf@hundeiker.de und äußert Eure Wünsche, ob das anonym oder mit Namensnennung/Verlinkung veröffentlicht werden soll.

Warum? Der Tod ist ein Tabuthema. Ich denke, die Menschen hätten weniger Angst, wenn man darüber spräche.

Verzapft am 02. Februar 2010, so um 12 Uhr 33

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Kommentare

Was sagt der Pflegeblogger dazu?

02. Februar 2010 um 15 Uhr 44 (Permalink)

Ich finde es "lobenwert" dass du ein solches Thema ansprichst.. Tod und sterben wird oft vernachlässigt smile

Was sagt Muckibine dazu?

02. Februar 2010 um 20 Uhr 57 (Permalink)

Ich habe schon mit 14 zeitweise in einem Altenheim gejobbt. Und meine Kolleginnen fanden es witzig, mich zu einer verstorbenen Frau ins Zimmer zu schicken, mit denm Auftrag irgendwas zu erledigen. Ich war in keinster Weise vorbereitet und habe mich sehr erschrocken und hatte Angst. Und diesen ranzigen Geruch den manche Verstorbene ausströmen, verbinde ich leider immer noch mit diesen Gefühlen.

Was sagt Simon dazu?

03. Februar 2010 um 09 Uhr 37 (Permalink)

Bei mir wars mit Anfang 20 während des Wehrdienstes in einem Bundeswehrkrankenhaus. Ab und zu hatte man mal einen 24-Stunden-Pförtner-und-Mädchen-für-alles-Dienst. Zu dessen Aufgaben gehörte es auch, die Abends und Nachts Verstorbenen von den Stationen in die Pathologie zu Transportieren. Die Toten an sich waren kein Problem, wohl auch, weil das Pflegepersonal routiniert damit umging.
Aber Nachts mit dem "Silberpfeil", einer an einen Sarg erinnernden Bahre mit Fahrgestell und Metalldeckel, durch die Keller und Versorgungstunnels in einem großen, völlig ruhigen Krankenhaus zu laufen war schon... unheimlich.

Was sagt Bettina dazu?

03. Februar 2010 um 12 Uhr 46 (Permalink)

Mein Vater starb bei uns zu Hause als ich 24 war. Seine Krebsbehandlung war nicht erfolgreich verlaufen und wir hatten ihn zum Sterben nachhause genommen. Es ist sicher völlig anders, wenn man auf den Tod vorbereitet ist. Der unersträglichste Moment war jedoch der, als mein Vater die ganze Familie zusammentrommeln ließ und sich von jedem von uns mit einem Händedruck verabschiedete. Auch heute - nach 16 Jahren - kämpfe ich mit den Tränen, wenn ich an diese Situation denke.
Im Anschluss daran fiel er ins Koma, 48 Stunden später war er tot.
Der Hausarzt hatte uns gesagt, was wir tun sollten. Wir banden einen Schal um seinen Kopf, der seinen Mund geschlossen halten sollte, ehe die Totestarre eintrat. Wir zogen ihn aus und wuschen ihn (bei Eintritt des Todes erschlafft die Muskulatur, so dass meist Urin und/oder Stuhl abgeht). Ich erinnere mich nicht an meine Gefühle, irgendwie arbeitete ich einfach mechanisch die To-Do-Liste ab.
Anschließend stopfte ich seine Kleidung und Bettwäsche in die Waschmaschine. Das Zeug roch unangenehm, sauer. Ich denke nicht, dass jeder Tote diesen Geruch vertrömt. Sicher hing das mit der Krankheit zusammen.
Trotz mehrfacher Wäsche ging dieser Geruch nicht mehr raus und ich hatte ihn ständig in der Nase - genau wie ich mir einbildete, den röchelnden Atem meines Vaters noch tagelang im Haus zu hören. Das war schwer zu ertragen, da ich es mit meiner ohnehin schon traumatisierten Familie nicht teilen konnte. Nach ein paar Tagen verflogen diese Sinneseindrücke. Sicher wäre es gut gewesen, mit jemanden darüber zu sprechen. Aber wer kann das aushalten?

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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