Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

"Hast Du eigentlich keine Angst vor AIDS?"

Kategorie: Held der Arbeit

Diese Frage bekomme ich manchmal zu hören. Immerhin komme ich mit unendlich vielen kranken Menschen in Kontakt, und ein gewisses Restrisiko, sich an einer bereits benutzten Spritze zu pieksen, besteht auch, obgleich ich mich, seit wir durchstich- und überhauptsichere Kanülenabwurfbehälter haben und jetzt auch noch Sicherheitskanülen keine Kanülenstichverletzung mehr hatte.

Vorab: Wenn hier jetzt die rechtsesoterische HIV/AIDS-gibt-es-gar-nicht-Verschwörungstheoretikerfront auftaucht: Macht Euch keine Mühe mit Kommentaren. Die werden schneller zensiert entfernt als Ihr PIEP sagen könnt. An die anderen: Darum gar nicht darauf eingehen.

Für mich hat das einen ganz einfachen Grund: Es gibt gefährlicheres. Nicht von der Krankheit her, sondern vom Ansteckungsrisiko.

In Deutschland laufen etwa 67.000 Menschen mit dem HI-Virus herum (Robert-Koch-Institut)

Mit einer Hepatitis C, die immerhin in bis zu 80% aller Fälle chronifiziert, rennen hingegen nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes 400.000-500.000 herum. DAS zu erwischen wäre also etwa 6,7 Mal wahrscheinlicher. Und da sie so oft chronifiziert, gibts nach etwa 20 Jahren in 25% der Fälle eine Leberzirrhose mit deutlich herabgesetzter Lebensqualität und -erwartung. Oder aber Leberkrebs. Da ist die Prognose auch nicht wirklich ermutigend.

Insofern ist die Hepatitis C für mich die weit größere Gefahr. Zumal Leberpatienten zu "meiner" Fachabteilung gehören. Patienten mit HIV haben wir höchstens einmal im Jahr. Mit HepC hingegen ständig.

Doch auch davor habe ich keine Angst. Vorsichtig sollte man schließlich immer sein.

Verzapft am 05. März 2010, so um 05 Uhr 29

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Kommentare

Was sagt Brutzler dazu?

05. März 2010 um 07 Uhr 13 (Permalink)

es muß noch viel aufgeklärt werden...

Was sagt Nadine dazu?

05. März 2010 um 07 Uhr 41 (Permalink)

Genau, die Aufklärung fehlt sowohl bei Aids als auch bei Hepatitis. Nicht nur im Job, in der Schule müsste schon darüber aufgeklärt werden und auf die Risiken hingewiesen werden wie man sich anstecken kann und wie man es verhindert sich anzustecken, und vor allem ohne Mitmenschen als "Aussätzige" zu behandeln. Ist mal wieder ein gesellschaftliches Problem.

Was sagt Benedicta dazu?

05. März 2010 um 11 Uhr 45 (Permalink)

Hmm - wir HABEN das in der Schule behandelt (in der selben Stufe, in der auch erste Hilfe Thema war). In Bio, soweit ich mich erinnere.
Und auch recht sinnvoll (wie sind die Übertragungswege, wie kann man sich schützen, aber auch "was ist kein Problem" ).
So langsam keimt in mir der Verdacht, dass mein Unterricht ziemlich gut gewesen sein muss... oder hab ich mir nur mehr gemerkt?

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 06. März 2010 um 16 Uhr 27 (Permalink)

Hep B und C sind für mich die größten beruflichen Risiken, auch wenn man sich am Patienten sonst auch eine Menge anderes wegholen kann, was allerdings wiederum weniger gefährlich ist.

Die Fixierung des Safer-Sex-Gedankens auf HIV halte ich insofern für problematisch, als daß man sich unsafe noch viel mehr wegholen kann. Das ist ja viel dramatischer.

Aber nicht bei mir im Krankenhaus.

Was sagt Manja dazu?

31. März 2010 um 14 Uhr 43 (Permalink)

Hallo zusammen,
wir haben grad bei uns auf Station eine Patientin mit HI-Virus. Ich könnt mich nur aufregen über meine Kollegen, da sie dieser Frau einen richtigen Stempel aufdrücken wollen und der Meinung sind, man müßte Mitpatienten über diese Erkrankung informieren. Ich hab dies versucht sofort abzublocken, weiß aber nicht, ob es wirksam genugwar. Ich arbeite noch nicht so lang dort und dieses Team hat auch viele Schwierigkeiten miteinander, da bin ich mir noch unsicher, wie sie
alle zu mir stehen.
Für meine Kollegen ist dies die erste HIV-Patientin. Ich denke einfach, sie wissen zu wenig über diese Krankheit.
Vielleicht könnt Ihr mir ein paar Tips geben, wie ich sie etwas sensibler für diese Thematik und Erkrankung machen kann.
Danke im Voraus

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 31. März 2010 um 18 Uhr 50 (Permalink)

@Manja: Dies ist leider keine Fachinformationsseite, sondern das Blog eines geisteskranken Pflegers. Für Ratsuchende würde ich http://www.krankenschwester.de empfehlen.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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