Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Erfahrung

Kategorie: Vergangen

Nicht, daß ich nicht schon vorher Alkohol zu mir genommen hätte. Aber dis dahin nicht in wirksamen Mengen... Jetzt, knapp zwanzig Jahre später, kann ich gut darüber lachen, vor allem über die Menge, die mich damals so benebelte...

Es war auf der Klassenfahr nach Norderney am dreißigsten Mai 1988. In meiner Klasse hatten an diesem Tag drei Leute ihren sechzehnten Geburtstag: D., M. und ich. Wir feierten schon im Zug nach Norddeich etwas, ich hatte natürlich Kuchen mitgebracht. Und später, als wir angekommen waren wollten wir unsere neuen Rechte nutzen, d.h. etwas Bier kaufen.

Aus den Kneipen flogen wir natürlich sofort raus, wir waren aber auch ein etwas abschreckender Haufen für das Stammpublikum, alleine ich mit abgeschnittener, karierter Jeans, Sandalen und Schlapphut, und einige andere waren auch nicht besser.

Wie dem auch sei, D. erwarb für den abend eine ganze Sporttasche voll Halbliterdosen Paderborner Pilsener (war gerade billig) und hielt uns frei.

"Boah, der Ulf trinkt wie ein Rocker!"
Ich hatte einen entsprechenden Blick und ein ziemliches Tempo beim Leeren der Dose vorgelegt - Flüssigkeiten habe ich schon immer in Massen konsumiert. Wir lagerten in einer Düne, und aus einer Dose wurden drei. Heute habe ich dafür nur noch ein müdes Lächeln übrig, jedoch war ich damals nur geringe Mengen gewohnt...

Jedenfalls versuchte ich irgendwann, aufzustehen. Dies ging zwar, doch weniger einfach als erwartet... Dann zogen wir am Strand entlang, das heißt, zum Teil torkelten wir auch, und irgendwann überkam C. (der auch deutlich beschwipst war) und mich das dringnde Bedürfnis, das reichlich vorhandene Wasser abzuschlagen. Zu diesem Zwecke setzten wir uns hinter ein Trafohäuschen ab.

Mein Gehirn arbeitete fieberhaft, soweit dies noch ging. Soviel war mir jedenfalls noch klar: unser Klassenlehrer, Herr Dr. D., sollte mich besser nicht so sehen.

Es war zumindest damals so, daß die Jugendherbergen irgendwann abgeschlossen wurden, um einundzwanzig oder zweiundzwanzig Uhr oder so. Herr Dr. D. hatte aber einen Schlüssel und gewährte uns längeren Ausgang, bis dreinundzwanzig Uhr, glaube ich, und schloß uns dann auf. So hatte er dann auch mal ein Stündchen Ruhe...

Also stellte mein benebeltes Hirn fest, es sei besser, vor Ladenschluß ins Regal zu kommen, und ich machte mich auf den Rückweg, an den ich mich noch halbwegs erinnerte, während C. in die andrere Richtung entschwand, ohne meinen Rückzug recht zu registrieren.

Ich krabbelte dann auch in mein Bett, um meinen Rausch auszuschlafen, und dache, alles wird gut.

Bis ich nächtens von Lärm geweckt wurde: "Hier isser ja, gottseidank!"
Ich verstand nichts, schon gar nicht die aufregung. Mir drehte sich alles, und ich wollte nur meine Ruhe haben.

Was war geschehen?
Natürlich war irgendwann mein Fehlen aufgefallen. Meine Kameraden befragten C., der außer Trafohäuschen nichts mehr wußte und auch nur noch begrenzt zurechnungsfähig war. Ich wurde fieberhaft überall gesucht, denn wie sollten sie ohne mich Herrn Dr. D. unter die Augen treten, was und wie ihm dies erklären, daß ich abhanden gekommen war?
C. versuchte wohl noch währenddessen, im mehr zu schwimmen (oder suchte er mich dort?), konnte aber wieder eingefangen werden.

Dies alles wurde mir später berichtet. Ich weiß leider nicht mehr, wie unser Lehrer auf die Hiobsbotschaft reagierte.

Ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen. Und einen furchtbaren Kater.

Verzapft am 21. August 2006, so um 04 Uhr 18

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