Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Komasaufen. Viel Spaß.

Kategorie: Vergangen

Ich kann das nicht so wirklich verstehen. Geht Fritz (Name erfunden und stellvertretend für tausende) auf eine Party oder so etwas ähnliches und trinkt sich gezielt bewußtlos. Das macht, denke ich, keinen Sinn. Denn wenn er erst richtig dicht ist und nichts mehr mitbekommt (oder sich nachher zumindest an nichts mehr erinnern kann), dann hat er doch nichts mehr von der Party. Wieso geht er dann überhaupt dahin?

Wenn er sich betäuben will, um sich selbst, sein Leben und seine Gefühle nicht mehr spüren zu müssen, halte ich das zwar für ungesund, aber durchaus nachvollziehbar. Dann ist aber eine Dreiviertel-Liter-Flasche Wodka mit etwa fünf Euro (gegenüber ziemlich viel mehr für die „Flatrate“) erstens billiger und zweitens nicht ganz so furchtbar unbekömmlich.

Aber nein, Paul (oder wie hieß er?) verabredet sich mit seinen Kumpels auf Paaaadies zum „Spaß haben“. Wobei Spaß haben meist gleichbedeutend ist mit vollaufenlassen. Mag ja sein, daß Herbert (oder wie hieß er?) betrunken zu sein als angenehm empfindet, aber wenn er davon gar nichts mitbekommt?

Seltensames Verständnis von Spaß haben und feiern, finde ich. Und die Feier endet oft genug im Krankenhaus auf der Intensivstation, denn Alkohol dämpft nicht nur den Verstand, sondern auch das Atemzentrum und die Reflexe.

Leute, kübelt ruhig, was das Zeug hält. Aber von einer Alkoholnarkose habt ihr gar nichts. Außer einem dicken Kopp und peinlichen Geschichten. Und das Binge Drinking, auch Komasaufen genannt, hat sogar eine ICD-10-codierte Diagnose: F10.0 oder, wenn mehr als einmal, F10.1. Der Schritt zum Alkoholismus ist nicht mehr groß, den der hat viele Gesichter.

Verzapft am 15. April 2011, so um 16 Uhr 52

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Kommentare

Was sagt Projekt5 dazu?

15. April 2011 um 18 Uhr 28 (Permalink)

Hierbei handelt es sich schon um Alkoholismus. Es wird nicht nur einmal im betrieben, sondern mindestens wöchentlich.
Die Frage ist, wer kann diesen frühen Alkoholismus später in den Griff bekommen.

Was sagt Krawa dazu?

15. April 2011 um 18 Uhr 48 (Permalink)

vielleicht sollte man diesen Alkoholiker-AZUBIS mal zeigen wie die Leute leben, die - zwar clean - aber vom Alkoholismus für immer gezeichnet in Heimen leben?
Ich habs mal gesehen (nee....bin keine Kampftrinkerin) und ich war schockiert - und das passiert mir nicht oft,
Anna

Was sagt kall dazu?

15. April 2011 um 18 Uhr 52 (Permalink)

Schlimm genug, wenn sie öfter mal alkoholbedingt kübeln, aber so solange sie noch kübeln, besteht noch Hoffnung. Wenn sie erst beliebig bis zum Filmriss saufen können OHNE jedesmal kübeln zu müssen, hat sie der Alk im Griff.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 15. April 2011 um 18 Uhr 54 (Permalink)

Als Krankenpfleger habe ich sämtliche Alkoholschäden gesehen. Und wie man daran stirbt. Das ist nicht schön.

Was sagt Brutzler dazu?

15. April 2011 um 19 Uhr 45 (Permalink)

Ich hatte nun erst kürzlich einen Rückfall.Ätzend. Nun bin ich wieder clean und glücklicher.

Was sagt kall dazu?

15. April 2011 um 20 Uhr 42 (Permalink)

Ich bin ja nun auch seit ca. 30 Jahren abstinent. Hab damals aufgehört, weil sich da eine Regelmäßigkeit entwickelte, die mir zu denken gab.

Wenn ich mich in meinem früheren und jetzigen Umfeld umsehe, merke ich immer wieder, dass diejenigen, die anfangen den Alkohol zu _vertragen_ sehr oft auch diejenigen sind, die ihn bereits dann oder in Kürze nicht mehr im Griff haben, obwohl sie weit davon entfernt sind, sich dies einzugestehen. Ich kenne schon die ein oder andere Alkoholikergeschichte.

Das Problem des Saufens um des Vollrausches willen ist nicht neu, das gab es vereinzelt schon zu meiner Jugendzeit, nur tritt es inzwischen sehr verschärft und teilweise in den Cliquen als weitgehend akzeptiert auf. Das Saufen um des _beschleunigten_ Vollrausches willen ist allerdings ein Phänomen, was ich von früher nicht so kannte.

Mittlerweile kann ich bei den örtlichen Kirmessen immer wieder beobachten wie vor den Hallen und Bürgerhäusern mit harten Spirituosen vorgeglüht wird und die Kids schon schwer angetrunken auf der eigentlichen Party eintrudeln, folgerichtig sind sie dann recht kurze Zeit später volltrunken. Das ist schon sehr bedenklich.

Was sagt Big Al dazu?

15. April 2011 um 21 Uhr 21 (Permalink)

@ kall.
Das mit der Ausbreitung des Vorglühens kann ich nur bestätigen, und das ist keine eingebildete Empfindlichkeit von dir oder mir oder verklärte Rückschau im Sinne von "Früher war alles besser".
Es wird immer schlimmer, und wenn man wie ich 3-5 Veranstaltungen pro Jahr regelmäßig seit fast 20 Jahren besucht sieht man so einiges.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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