Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Ausdrücklich auszudrückende Ausdrucksweisen.

Kategorie: Kultur

"Es kommt zur Geschwürbildung am Unterschenkel."
Das ist noch harmlos.
Wobei ich mich frage, wer oder was dieses ES ist, was zu dieser Bildungsmaßnahme von Unterschenkelgeschwüren erscheint. Ist ES der Dozent der Bildungseinrichtung für Geschwüre, die mal am Unterschenkel eingerichtet wurde?

Warum nicht einfach schreiben: "Am Unterschenkel entsteht ein Geschwür"?

Mag sein, daß der Unterschied banal klingt, aber viele Schreiberlinge können Texte noch schlimmer verkomplizieren, mit Worthülsen und Phrasen aufblähen, so daß man die eigentliche Information, falls überhaupt vorhanden, mit dem Mikroskop suchen muß. Und diese Anti-Redekunst beherrschen nicht nur Politiker, Soziologen und Philosophen.

Schlimm, wenn Lehrbücher zu Leerbüchern werden. In der Ausbildung mußte ich meinen LeidensgenossInnen allzu oft Texte übersetzen. Zum Beispiel aus unserem Anatomiebuch, welches selbst mich quälte, der ich doch gymnasialgestählt war mit sinnfreien oder sinnarmen, aber desto komplizierteren Texten, die uns damals® auf das wahre, große böse Leben an der Unifiesität vorbereiten sollten.

Ich habe einiges über Schreibstil gelesen. Und sogar das meiste verstanden.
Wenn ich Inhalt vermitteln will, dann sollte ich ihn tunlichst auch so vermitteln, daß zumindest die Zielgruppe verstehen kann. Noch besser aber: jeder Depp versteht. Zunächst sollte ich also fesseln. Mit sperrigen, steifen Phrasen gelingt das sicherlich nicht, besonders, wenn ein Brett von Phrasen und Hülsen den Inhalt geradezu erschlägt. Lest Euch den Satz, den Ihr schreibt, laut vor. Klingt er gut? Ist er kurz? Oder ist das so ein Satz, wie ihn der sogenannte "Philosoph" Martin Heidegger als Minimalanforderung hatte? Ein Satz auf zwei Seiten, so daß ein vernünftiger Mensch niemals mehr wissen kann, was an des Satzes Beginn war?

Macht also mal einen Punkt.

Ich will, wenn ich wissen will, ob Du lieber warmes, heißes oder kaltes Badewasser hast, nicht erst zwei Stunden Vortrag von Dir hören. Um hinterher noch weniger zu wissen als das, was ich frug.
Wer etwas zu sagen hat, der soll das einfach tun. Ohne unnützen möchtegern-rhetorischen Ballast.
Wer etwas zu sagen hat, der tut das meist auch so.
Wer bläht, der hat meist wenig Substanz.

Verzapft am 21. August 2011, so um 14 Uhr 15

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Kommentare

Was sagt jana dazu?

21. August 2011 um 21 Uhr 44 (Permalink)

Klingt nach Lesbarkeitsindex, den kann man sogar in Zahlen ausdrücken: www.schreiblabor.com

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 21. August 2011 um 22 Uhr 16 (Permalink)

Das Material, von welchem ich das habe, ist allerdings etwas älter. Teilweise aus den Sechzigern, etliches geht aber auch schon auf die ollen Griechen und Römers zurück.

Eigenen Senf dazugeben?

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