Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Der Fleischdrucker.

Kategorie: Verkohlt

Restaurantsymbol.*1Gestern haben wir den Grundstein gelegt, sozusagen den Grund gesteinigt, für Bahnbrüche in Medizin, Reisebranche und Computertechnik. Wir saßen zu mehreren bei Konni im „Roten Ochs“ und hatten gerade vorzüglich bereitete fränkische Kost verzehrt. So sprach einer das Lob aus, er könnte dieses Steak, so wie es gebraten und gebeilagt sei, jeden Tag essen, allein er wohne zu weit weg. Die abräumende Frau des Wirtes meinte, sie könne ihm das ja per Mail zuschicken.

Er: „Leider ist mein Fleischdrucker gerade nicht in Ordnung!“ - der Anlaß! Ich fragte mich, ob man es nach dem Drucken noch erwärmen müsse oder mit so etwas auch die Temperatur des Steaks mit übertragen und ausdrucken könne.

Nein, wir hatten weder Alkohol getrunken noch seltsame Kräuter geraucht, aber wir machten uns unsere Gedanken dazu. Der ursprüngliche Steakverzehrer ist vom binären Gewerbe. Derer hatten wir noch mehr am Tisch, und wir entwickelten eine Art ftp (Fleisch-Transfer-Protokoll), welches wir allerdings wegen der Gefahr, es mit dem File Transfer Protocol zu verwechseln (die Folgen wären nicht kalkulierbar!) in htp:// umbenannten. Human Transfer Protocol.

Ein Problem wäre zunächst die unglaubliche Datenmenge, die zwingend Kompression der Daten erfordert. Zum Beispiel wäre eigentlich das Erbgut einer einzigen Zelle ausreichend, da es in jeder gleich sein sollte. Ich bin ein Sicherheitsspieler und für eine gewisse Redundanz, da Gensätze auch Fehler enthalten können, die man mit ein paar Extra-DNS wieder ausgleichen könnte (funktioniert in der Natur auch so). Also nehmen wir drei bis vier Sätze Erbgut, die machen den Helmut Kohl der Daten auch nicht mehr fett.

Die nicht aktiv Beteiligten guckten verwirrt.

DNA-Symbolbild, geklaut bei Wikipedia*2Einer von unserem bunten Haufen, seines Zeichens Biologe, kam gerade passend dazu und sah sich prompt und verstört von mir mit der Frage konfrontiert, wie so etwas von Biologensicht zu machen sei.

Als er begriffen hatte und sich etwas erholt wandte er ein, daß zwar das mit der DNS nicht ganz verkehrt sei, aber fast. Denn der Bauplan der Zellen wird nicht nur von Basenpaaren gesteuert, sondern auch noch von anderen Dingsbumsen, zum Beispiel Methylierungen, die da so Ein- und Ausschalter sind für Bereiche der DNA, ähnlich wie Jumper oder so, nur mehr, je nachdem, was die Zelle für eine werden oder sein soll. Augen sind quasi anders gejumpert als Ohrenschmalzproduktionszellen. Und das wäre dann der letztlich größere Datensatz.

Die „Abteilung Softwareentwicklung“ meinte, da Kompression ja durch das Zusammenfassung gleicher Teile der Datensätze geschehe, könnte man beispielsweise Finger und Zehen zusammenrechnen.

Die „Abteilung Protokollgestaltung und Sicherheit“ erwähnte besorgt zu erwartende Datenverluste, die zwar durch die in Netzwerken übliche erneute Anforderung des verlorenen Paketes behoben werden könnte, bei dem erwarteten Datenvolumen jedoch das Netz zum Ächzen brächte.

Paritätsbits und so? WTF? „Abteilung Softwareentwicklung“ wollte gleich mehr Daten als eigentlich vorhanden duch die Kabel jagen. Dann aber, so „Abteilung Nutzerfreundlichkeit, Praxisorientierung und Hirnfürze“, also ich, könnten schon bei minimalen Softwarefehlern beim Rendern in der Fleisch-Engine, seltsame Sachen geschehen, zum Beispiel zusätzliche Gesichtsbestandteile auf dem Rücken oder so oder sonstwo.

Die nicht aktiv Beteiligten wurden allmählich ein wenig unruhig.

Wenn man den Menschen erstmal auf dem Server hat, kann man ihn ja eigentlich beliebig oft herunterladen. Gar nicht so unpraktisch. Dann ginge das ja auch mit einzelnen Organen, womit dann der Spender gar nicht erst sterben müßte, sondern nur gescannt, und dann eine beliebige Menge Nieren, Lebern und so zur Verfügung stellen könnte. Ähnlich wie bei einem Softwareupdate fehlerhafter Programmkot ersetzt wird. Durch den Abgleich von vielen, sagen wir mal, Nieren würde man auch eine Fehlerbereinigte Universalniere errechnen können, oder?

Dann könnte man doch gleich die einzelnen Module zum Herunterladen bereitstellen und nur noch das Nötigste scannen.

Wobei sich dann die Menschen ähnlicher würden, immer ähnlicher. Und das, was man so als Geist bezeichnet? Erfahrungen und so? Die Verknüpungen im Gehirn wären ein ziemlicher Datenklotz. Doch stellten wir fest, daß die meisten Menschen eigentlich mit der Medulla oblongata schon ausreichend bedient wären. Also könnte man zumindest am Frontalhirn einiges einsparen und an Information entsprechend auch. Auffallen würde das bei den wenigsten Menschen. Womit wir wieder bei der Datenkompression wären.

Die nicht aktiv Beteiligten griffen nach dem Telephon, 110, 112, PsychKG? Lieber nicht. Genies hat man schon immer gerne für wahnsinnig erklärt.

Verzapft am 17. September 2011, so um 11 Uhr 32

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Kommentare

Was sagt Waelti dazu?

17. September 2011 um 11 Uhr 53 (Permalink)

Wow.
(Medulla oblongata musste ich übrigens nachschlagen).

Obwohl der Artikel sehr lange ist sind die Daten trotzdem ziemlich komprimiert. Da kann "man" noch eine ganze Weile drüber nachdenken.

Die(der) Leser, zumindest was meine Person betrifft, kucken teilweise (wie die "nicht aktiv Beteiligten" etwas verwirrt.

Was im Artikel allerdings nicht ersichtlich ist:

Wann habt Ihr den Prototypen für htp:// denn gebastelt? Die Augen sind zwar redundant aber aufgrund fehlender Paritätsbits etc. ist da scheinbar beim Rendern was schiefgelaufen.

Oder siehst Du generell so aus? wink

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. September 2011 um 12 Uhr 01 (Permalink)

Ganz am Anfang steh "gestern"- und der Artikel ist vom 17.9. Also war das gestern.

Bei mir ist das mit den Paritätsbits eh schnurz, die verschiedenen Komponenten sind ohnehin nicht miteinander kompatibel. Da kann man sowieso nur noch schönrechnen.

Was sagt Waelti dazu?

17. September 2011 um 12 Uhr 21 (Permalink)

Hm, nicht kompatibel. OK. Mit schönrechnen habe ich auch Erfahrungen. Das macht das Leben leichter.

Dass die kreative Sitzung gestern war, das ist schon klar. Auch deutet "wir entwickelten" ein ftp/htp ein schaffende Tätigkeit an. Verwirren tut mich dann eben das "Ein Problem wäre" im nächsten Absatz.

Das "wäre" deutet für mich auf eher theoretische Überlegungen hin. Sonst hieße das doch "ist" oder "war".

</kleinkrämer> wink

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. September 2011 um 12 Uhr 44 (Permalink)

Das ist ein Softwarefehler. Ob fehlprogrammiert oder Virusgewürm.

Was sagt turtle of doom dazu?

17. September 2011 um 13 Uhr 54 (Permalink)

Die Fehlerrate beim DNA-Kopieren in den Zellen liegt übrigens bei 1 zu 1 Milliarde. Pro Zellteilung wechseln also durchschnittlich drei Basenpaare ihre Information.

Jetzt kannst du überlegen, aus wieviel Zellteilungen unsere 10^13 Körperzellen entstanden ist. Aus jeder Zelle entstehen zwei Tochterzellen... jede Tochterzelle erzeugt wieder zwei Tochterzellen...

Jede Zelle hat im Schnitt 43 Zellteilungen hinter sich - log2(10^13) = 43.1 cool , hat also 43 Generationen an Mutterzellen. Aber dann werden bei jeder Zellteilung ja +/- 3 Fehler eingebaut, so dass am Schluss in jeder Zelle +/- 3 * 43 Fehler vorliegen. Und jede Zelle hat andere Fehler...

Das ist immer noch mickrig wenig und hat kaum Auswirkungen auf unseren Körper - die DNA-Kopierfehler sind zum Teil sowieso in den Introns, der der

Aber um einen Menschen zu kopieren müsste man im Bakteriendrucker alle Mitbewohner des Menschen reproduzieren. Das sind dann 10^14 Tierchen, von rund 1000 verschiedenen Arten...

Ohne die Darmfauna könnten wir wohl kaum etwas verdauen.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. September 2011 um 13 Uhr 58 (Permalink)

Hauptsache, niemand kommt auf die Idee, die Bandwürmer mitzuscannen.

Was sagt turtle of doom dazu?

17. September 2011 um 13 Uhr 59 (Permalink)

Irgendwas fehlt da oben. Introns kann ja hoffentlich jeder googeln. smile

Bakterien haben dann das Problem, dass bei jedem Zellteilungsvorgang viel mehr Fehler passieren. Also eine noch grössere Vielfalt...

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 17. September 2011 um 14 Uhr 16 (Permalink)

Wir leben im Zeitalter von Qualitätsmanagement und Normung. Deshalb wird sämtliche DNA der jeweiligen Species vereinheitlicht. Wir nehmen einfach, sagen wir mal, 100 Sätze je vom Mensch bis zum E. coli und interpolieren jeweils das Genom, so daß sich die Fehler und Varianten erledigen. Außerdem lassen wir nur die notwendigen Keime zu, alles überflüssige bleibt weg.

Was sagt Waelti dazu?

17. September 2011 um 14 Uhr 26 (Permalink)

Damit ich mir da ein Bild machen kann.
Das sieht dann etwa so aus:
wir kreuzen Ulf mit einem Blauwal. Das Ergebnis wiederum dann mit einem Pantoffeltierchen. Das wird die neue Art.

So etwa? (Natürlich nur ganz grob...)

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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