Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Die Lincolndeppenleerzeichenverschwörung. Film.

Kategorie: Kultur

Im Original schlicht „The Conspirator“ (Der Verschwörer) heißend kann niemand das Deppenleerzeichen als stumpf übersetzt entschuldigen. „Die Lincoln Verschwörung“ sehte ich eher aus Gruppenzwang, denn Hollywood ist eigentlich nicht so mein Ding, wie ich gelegentlich zu erwähnen erwähne. Dies hat nichts mit deren Qualität zu tun oder mit Antiamerikanismus. Ich bin irgendwie nicht Zielgruppe.

Der Film fing prima an. Ich begriff nichts, was da vor sich ging, außer, daß da gerade ein Attentat auf den Präsi Lincoln stattfindete. Alles ging schnell, was ziemlich lange dauerte und mich nicht mitkommen ließ. So erdreistete ich mich, vermittels meines (selbstverständlich stummgeschalteten) Androiden Informationen einzuholen.

Ich wußte nur, daß der Film mit diesem Attentat zu tun hatte. Ansonsten wurde die Geschichte der Verunreinigten Staaten von Amerika im Geschichtsunterricht zwar behandelt, aber nicht eben ausführlich, weniger gar als das des Teufelsreiches des Bolschewismus. Weiter hätte das auch nicht viel geändert, denn wegen hypnotisierender Langeweile verfiel ich regelmäßig in Tagträume. Außerdem ist meine letzte Geschichtsstunde ziemlich lange her.

Also schnell die Hinterngründe nachgelesen- danach wurde der Film ein wenig interessanter. Auch wenn über die Hälfte des Zweistundenepos sich in Gerichtsverhandlungen befindet. Amerikanische Gerichtsszenen finde ich meist noch ermüdender als Barbara Salesch (gibt es die eigentlich noch?), doch in der zweiten Hälfte wurde es interessanter.

Kurzabriß der Handlung (Wahre Begebenheit): Gegen Ende des Sezessionskrieges*1 wird Präsident Lincoln abgemurkst. Dahinter steckt eine etwas größere Verschwörung. Die verhaften da einige und sperren sie ein (damals noch nicht in Guantanamo). Unter anderem die Mama von einem der Macher. Verhandlung, Verteidigung (das wichtigste) und Hinrichtung.

Und wie ist der Film für einen Nicht-Amerikaner?
Übersteht Ihr die erste halbe Stunde und seid Ihr politisch interessiert und so, dann wird es interessant. Falls Ihr den Hintergrund kennt. Sonst eher nicht.

Attentäter-Mama Surrat, katholische Südstaatlerin, wird unter unerfreulichen Bedingungen inhaftiert. Sie kommt zudem statt vor ein Zivilgericht vor ein militärisches solches. Schön herausgearbeitet ist die offensichtliche Voreingenommenheit der Uniformierten. Während der junge Anwalt Aiken, selbst mehr als hin-und-hergerissen, was er nun glauben soll, Recht und Gerechtigkeit anstrebt, ist in Wirklichkeit sonst niemand daran interessiert. Der Präsident ist tot, da müssen eben Köpfe rollen, egal, wie oder von wem. Das Volk will das so.

Nichts Neues, damals wie heute. Saddam, bin Laden, Gaddafi und viele mehr, die vielleicht Verbrecher waren, aber als solche doch Anspruch auf einen fairen Prozeß gehabt haben sollen hätten müssen.

Dies zu verbreiten ist Robert Redfort offensichtlich auch ein Anliegen- welches er geradezu wie Product Placement präsentiert. Extrem unsubtil, doch für den Standard-Konsumenten sicherlich so besser zu erfassen. Die entscheidenden Sätze sind niemals Nebensätze, sie kommen daher wie ein Spot, was auf meinereiner etwas albern wirkt.

Zwischendrin immer wieder völlig überflüssige Szenen mit dem Aiken seiner Schnalle, die die Handlung nicht gerade voranbringen, aber den Film prima verlängern und die ich, wäre ich der Mann am Schneidebrett (oder was man dafür heutzutage nehmen mag) gewesen, allesamt dem Müllmobil überantwortet hätte. Was nichts mit der exzellenten schauspielerischen Leistung der Darstellerin zu tun hat.

Im Kerker, in der Einzelhaft, hätte Mary Suratt ruhig etwas zerfrettelter überkommen können. Zwar ist sie nicht schlecht gespielt, wie die meisten Rollen in diesem Film. Aber dort wirkte sie ein wenig zu lebendig.

Nach einem im Grunde überflüssigen Prozeß vor einer voreingenommenen Jury mit offensichtlichst gekauften under eingeschüchterten ZeugInnen kommen uniformierte Spacken in die Zelle. Und verlesen das Urteil. Schön gespielt die Auswirkungen auf das erste weibliche Hinrichtungsopfer der USA: Sie heult nicht sofort los, sondern versucht sichtlich mühsam, sich zu beherrschen.

Trotz aller Versuche, die Hinrichtung doch noch zu verhindern, zum Schluß von höchster Stelle befohlen, muß Aiken zusehen, wie seine Mandantin zu den drei weiteren Verurteilten zum Schaffott stiefelt. Diese Szene wird wunderbar quälend ausgewalzt. Prächtige Schwenks über die Zuschauer auf den Galgen, ein beiläufiger Blick auf vier bereitstehende, schlichte Särge, praktisch gestapelt beiseit.

Mützen ab, Schuhe aus (wofür das eigentlich?), Sack übern Kopp und ab durch die Klappe. Das alles episch inszeniert. Die, auch wenn es makaber klingt, für mich beste Stelle im Film, ein virtuos inszeniertes Largo.

Der Kram danach ist zu vernachlässigen.

Gucken oder nicht? Wers mag, gerne. Historienfilm eben über eine wahre Geschichte und die noch heute nicht wirklich geklärte Schuld der Frau Surrat.

Meins wars weniger.
Irgendwie fehlten die Zombies.

Verzapft am 03. Dezember 2011, so um 09 Uhr 23

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Kommentare

Was sagt Anna dazu?

03. Dezember 2011 um 12 Uhr 11 (Permalink)

Schuhe aus um danach den Tod mittels des (nicht mehr vorhandenen) Fußpulses feststellen zu können wink

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 03. Dezember 2011 um 13 Uhr 05 (Permalink)

Dann aber hättense die Strümpfe auch ausziehen müssen. Käse ist kein Grund!

Eigenen Senf dazugeben?

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