Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Das Bild macht der Photograph.

Kategorie: Kultur

Moderne Kameras haben ja entsetzlich viel Technik drin. Die müssen ja gute Bilder machen, oder?

Naaaaja. Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Helmut Newton und unendlich viele weitere Legenden hatten da sehr viel weniger zur Verfügung. Und machten genau damit die besten Fotos überhaupt. Und meine besten Bilder habe ich geschossen mit einer Canon A-1, noch so richtig aus Metall und Glas, ohne Autofocus und vor allem: ohne Zoom. Angefangen habe ich mit einer Practica Super TL-1000*1 - mit Schraubgewinde fürs Objektiv und Nachführbelichtungsmesser, also wo ein Zeiger in einen Kreis reingeregelt werden musste. Messung mit offener Blende ging auch nicht. Als der Belichtungsmesser irgendwann den Geist aufgab (auf meiner Indienreise damals), hatte ich bereits gut gelernt, die Belichtungswerte einzuschätzen.

Meine alte Canon A-1Beim Benutzen eines Zooms denkt wohl kaum jemand darüber nach, wie sich die veränderte Brennweite auf die Perspektive auswirkt. Und auf die Schärfentiefe. Motiv anvisieren, Ausschnitt zurechtzoomen und ballern.

Als ich noch hobbymäßig fotografierte, schleppte ich etwa zehn Kilogramm auf dem Rücken herum. Auf den Kanarischen Inseln zum Beispiel, mit dem Mounainbike oder zu Fuß, immer jedoch auf dem Rücken. (Fest)Brennweiten von 17-400 Millimeter (Kleinbild) für Canon FD- Metall, Glas, kaum Kunststoff. Zuzüglich Stativ und zweites Gehäuse (das meiner damaligen Partnerin, die dieses Hobby mit mir teilte).

Für ein einziges aus der Ferne erspähtes Motiv (z.B. ein in einer Bucht gestrandeter Frachter) machten wir mit diesem Gepäck und Muskelkraft (mangels der Fähigkeit, Kraftfahrzeuge zu führen) teilweise Touren, die letztlich fast einen ganzen Tag in Anspruch nahmen. Für EIN Motiv!

Die Frage nach der Aufnahmeperspektive. Die Frage nach den Belichtungswerten- mehr oder weniger Schärfentiefe? Welche Brennweite? Besser ein Weitwinkel und näher ans Motiv oder lieber weiter weg und mit einem Tele? Wir gerieten dabei auch durchaus mal in Lebensgefahr an einem Abhang mit Geröll.

Damals dachte ich über das Motiv bereits nach, ehe ich es erreicht hatte. Ich machte keine Schnappschüsse. Und jedes Bild, das man sehen wollte, kostete etwas Geld für den Abzug vom Negativfilm, von welchem man auch ausreichende Mengen mitschleppen musste.

Ich hatte keine Spezialprogramme für bestimmte Arten von Motiven und Aufnahmesituationen. Eventuelle Korrekturen in der Belichtung ünd ähnliches musste ich mir noch selbst überlegen.

Manchmal trauere ich dem nach. Aber mit der heutigen Technik ist alles, vor allem auch das Gewicht, leichter. Nur nicht das Nachdenken über das Motiv- das fällt mir schwerer.

(inspiriert durch Dion)

Verzapft am 27. Dezember 2015, so um 20 Uhr 14

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