Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Schwule sind Lüstlinge. Deshalb dürfen sie kein Blut spenden.

Kategorie: Erlebtes

Diese obskure Regel trat nach dem Skandal in Kraft, als vor allem Bluter verseuchte Konserven aus den USA bekommen hatten, die trotz des Wissens um HIV nicht korrekt getestet worden waren.

So weit, so schlecht. Männliche Homosexuelle gelten als Risikogruppe, da sie sich angeblich besonders leicht mit dem HI-Virus anstecken. In der Tat sind manche Praktiken (die allerdings durchaus auch von Heten praktiziert werden) bei ungeschütztem Verkehr besonders gut für die Übertragung geeignet. Bei ungeschütztem Fick wohlgemerkt. Heutzutage benutzen doch wohl die meisten Pariser, und wer das nicht tut, wird es wohl wissen, daß er es nicht getan hat.

Schwule haben außerdem ein hohes Ansteckungsrisiko, weil sie promiskuitiv leben. Ja sicher. Ich kenne etliche sehr monogame Schwule. Und ich kenne viel mehr Mädels mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern, die sich vor allem auf die Pille verlassen. Und das Kondom auch schon mal "vergessen". Das ist sicherlich ein bißken riskanter, als wenn Schwule mit Lümmeltüte herummachen.

Schwule heutzutage noch als AIDSschleudern zu diffamieren ist mies- und schlimm für die PatientInnen, denen vielleicht das Blut eines Schwulen fehlt.

Verzapft am 12. August 2010, so um 09 Uhr 12

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Kommentare

Was sagt Ines dazu?

12. August 2010 um 15 Uhr 01 (Permalink)

Ich finde es auch affig - schließlich wird das Blut ja noch auf Krankheiten untersucht und ein Schwuler der weiß das er Aids hat wird wohl kaum noch Blut für die Weiterverwendung spenden gehen.

Was sagt Thaddäus Tentakel dazu?

12. August 2010 um 15 Uhr 02 (Permalink)

In den USA liegt die Wahrscheinlichkeit sich über Transfusionen mit HIV zu infizieren ca. 4 mal höher als in Deutschland.
Schonmal überlegt warum??

Richtig: Risikogruppen werden dort nicht berücksichtigt und es findet weniger Spenderauswahl statt.

Was sagt Thaddäus Tentakel dazu?

12. August 2010 um 15 Uhr 06 (Permalink)

@ines

So einen Schwachsinn können nur Leute ohne Ahnung schreiben. Die PCR weist HIV erst nach 7 Tagen nach. Es kann keine Aussage getroffen werden ob man sich in den letzten 7-14 Tagen infiziert hat.
Deshalb wird aussortiert, das garantiert eine minimale Restwahrscheinlichkeit.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 13. August 2010 um 03 Uhr 17 (Permalink)

@Thaddäus: Ich bitte um etwas mehr Freundlichkeit den anderen LeserInnen gegenüber! Ich wünsche nicht, daß mein Publikum angekackt wird!

Zur Sicherheit: Hier ist nicht Amerika. Außerdem:Wenn ein Schwuler sein Schwulsein nicht angibt, dann kann auch er spenden. Was aber hat ein Schwuler mit Risikoverhalten davon, zu spenden? Belegte Brötchen und Kaffee. Das kann er viel einfacher auch zu Hause bekommen.

Außerdem erinnere ich mich an meine Spenderzeit: Zum Schluß gab es immer einen Zettel, wo man nochmals ankreuzen konnte, ob das Blut verwendet werden darf oder nicht.

Noch ein paar Zahlen (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung):
* Nur 1% aller homo- bzw. bisexuellen Männer hat tatsächlich eine HIV-Infektion
* Rund die Hälfte aller homo- bzw. bisexuellen Männer leben in einer festen Partnerschaft ohne ständig wechselnde Sexpartner
* Mehr als 70% aller homo- bzw. bisexuellen Männer mit wechselnden Geschlechtspartnern haben ausschliesslich Safer Sex mit Kondom, sind von einem Infektionsrisiko praktisch ausgeschlossen. Dieser Wert ist konstant seit 17 Jahren gleich hoch, während die Verwendung von Kondomen unter Heterosexuellen seit 2003 kontinuierlich sinkt, und unter 70% zu fallen droht.

Man, auch Du, sollte nicht alle über einen Kamm scheren. Unterm Strich kenne ich mehr Heten als Homos mit Risikoverhalten.

Was sagt Mawin dazu?

13. August 2010 um 07 Uhr 28 (Permalink)

Meine Rede!

Was sagt Dr. No dazu?

13. August 2010 um 09 Uhr 13 (Permalink)

Naja, aber besteht nicht die Gefahr, dass man sich über solche Blutkonserven mit Schwulsein ansteckt?

Was sagt psychoMUELL dazu?

13. August 2010 um 11 Uhr 39 (Permalink)

oh, dann kann man bestimmt auch lesbisch werden ... oder depressiv, wenn ein Medi freier Depri Blut spendet ...

Was sagt Simon dazu?

13. August 2010 um 13 Uhr 19 (Permalink)

Ich hab da nach kurzem googeln (ohne die Quelle zu prüfen, nach aktuelleren Zahlen zu suchen o.Ä.) aber noch eine andere Zahl ausgegraben:

http://www.rp-online.de/wissen/gesundheit/Mehr-HIV-Infektionen-als-je-zuvor_aid_444055.html
2006 waren 61% aller HIV-Neuinfizierter homosexuelle Männer. 17% entfielen auf Heterosexuelle beilerei Geschlechts. 14% stammen aus Ländern mit hoher HIV-Verbreitung (ebenfalls ein Ausschluss-Grund beim Blutspenden), 7% sind Drogenkonsumenten (auch Ausschlussgrund).

Falls diese Zahlen nicht inzwischen völlig überholt sind, muss ich ehrlich sagen, dass ich die Einschränkung nachvollziehen kann. Man versucht halt die größten Risikogruppen raus zu halten um Patienten nicht nach False-Negiative-Test zu infizieren.

Das ein Homosexueller auch nach der Lüge im Fragebogen spenden darf, ist für mich kein Grund. Du kannst auch bei den anderen Ausschluss-Fragen (Herkunft oder Urlaub in Risikogebiet, Drogenkonsument, kürzlicher Gefängsnisaufenthalt, kürzliche OPs/Tatoos/Piercings) lügen.
Warum das jemand tun sollte? Ich kenne viele, die in Gruppen mit Bekannten spenden gehen. Wenn sich nun jemand nicht geoutet hat, könnte eine Ablehnung zu doofen Fragen führen.

Was sagt Thaddäus Tentakel dazu?

14. August 2010 um 01 Uhr 15 (Permalink)

Ausserdem wird das Blutspenden oft als kostenloser Test auf Geschlechtskrankheiten missbraucht.
Homosexuelle sind einfach eine überdurchschnittlich häufig betroffene Gruppe und damit eine Risikogruppe. Im übrigen sind auch Heteros mit promiskoitivem Sexualverhalten(eine weitere Risikogruppe) ausgeschlossen.

Es wäre fahrlässig an dieser Regelung etwas zu ändern, so sieht das auch die Bundesärztekammer.

Ich finde es nicht besonders lustig so einen Unsinn zu fordern wenn man sich gar nicht damit auskennt, die entsprechenden Information sind frei zugänglich und mit einer großen Suchmaschine leicht zu finden.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. August 2010 um 01 Uhr 55 (Permalink)

@Thaddäus: Woher hast Du das Recht, derart arrogant aufzutreten?

Welche fachliche Qualifikation hast Du? Transfusionsmedizin oder etwas vergleichbares?

Ich hätte da einen Vorschlag: Du schreibst mir eine Mail an die im Impressum angegebene Adresse. Darin legst Du erstmal klar, was Du bist (Identität benötige ich nicht, nur ehrliche Angaben zu Deiner Qualifikation). Und dann schreibst Du sozusagen eine Gegendarstellung/Andere Sichtweise/Begründung. Aber bitte sachlich und so. Das würde ich dann entsprechend hier als eigenen Blogartikel (Gastartikel) veröffentlichen. Was hältst Du davon?

Was sagt Tante Jay dazu?

14. November 2013 um 19 Uhr 18 (Permalink)

Jahre zu spät, aber danke Ulf für den Link. Ich glaub ja nicht, dass Taddäus hier mitliest, aber er ist so dermaßen falsch und liegt so weit daneben, es würde für den Marianengraben reichen.

1. Ja, man hat in den USA eine 4x höhere Chance, sich mit dem HI-Virus anzustecken. Dass liegt unter anderem daran, dass die USA das Land mit der höchsten HIV-Neuinfektionsrate in den westlichen Ländern sind.

Die Rate liegt knapp unter denen von Entwicklungsländern.

Alle schwul dort und deshalb so hohe Infektionsraten?

Nö. Der Grund ist ganz woanders zu suchen: Die USA beschneiden männliche Jungen großflächig. Mit der Vorhaut wird aber auch der natürliche Schutz des Genitals vor dem Eindringen von Viren abgeschnitten.

Kleinste Verletzungen, die bei der keratinisierten Eichelhaut Standard sind (Microfissuren) erleichtern das Eindringen für die HI-Viren.

Die Beschneidung ERHÖHT daher das HIV-Risiko signifikant. Es verringert es nicht.

Das heißt, wenn man Homosexualität als Ausschlußgrund gelten lassen will, dann muss man auch beschnittene Männer ausschließen. Sie haben einer möglichen HIV-Infektion halt weniger entgegenzusetzen.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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