Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Ungelernte in die Pflege - Für sozialverträgliches Frühableben?

Kategorie: Erlebtes

Über die Geringschätzung der professionellen Pflege seitens unserer geschätzten Frau Bundeskanzlerin habe ich mich schon gestern erregt. Frau Dr. Merkel streicht Zuschüsse für die Umschulungen, gleichzeitig versucht sie, die Qualität der Pflege durch Einsatz ungelernter Kräfte zu killen. Ich dachte eigentlich, das Paradigma "Sauber, satt und still" sei einer menschenwürdigeren Haltung gewichen.

Wenn Hartz4er in die Pflege sollen- warum ermöglicht man ihnen dann nicht gleich eine qualifizierte dreijährige Ausbildung für eine echte berufliche Perspektive statt der Arbeitslosigkeit und statt gefährlicher Pflege, an der Patienten, Bewohner und Gäste zwangsläufig Schaden nehmen werden?

Würde Frau Dr. Merkel sich etwa von ungelernten Kräften pflegen lassen? Oder würde sie auf gut ausgebildetes Personal bestehen?

Zweierlei Maß
Ich hasse das.

Verzapft am 08. September 2010, so um 09 Uhr 12

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Kommentare

Was sagt Dr. No dazu?

08. September 2010 um 09 Uhr 38 (Permalink)

Vor allem ist nicht jeder dafür geschaffen, in der Pflege zu arbeiten. Den Patienten tut man sicherlich keinen Gefallen, wenn man gefrustete Zwangsarbeiter auf sie loslässt. Und dem Personal auch nicht.

Was sagt Mao-B dazu?

08. September 2010 um 12 Uhr 18 (Permalink)

Naja, sind denn Zivis grundsätzlich dafür geschaffen in der Pflege zu arbeiten? Ist doch das selbe in grün, find Ich: es wird jemand zum Pflegedienst abgestellt, um dem Kernpersonal zur Hand zur gehen, und seis nur als Fahrer. Natürlich muss man den erstmal anlernen, und vielleicht ergibt sich daraus ja auch eine neue Stelle für den jenigen, wenn er sich bewährt und ihm der Job warum auch immer gefällt?

Was sagt Anise dazu?

08. September 2010 um 15 Uhr 16 (Permalink)

Das soll dann wohl der Ersatz für die Zivis werden. Der Unterschied ist nur, ein Zivi hat die Wahl. Hat sie ein HartzIVler? Die werden mittlerweile übrigens sogar als Grundschullehrer eingesetzt. Kein Scherz, kleine Kinder werden von Klempnern (und anderen) unterrichtet, die das Pech haben, arbeitslos zu sein. So viel zum Thema Bildung. Sind doch nur Kinder, das kann jeder.

Was sagt Anise dazu?

08. September 2010 um 16 Uhr 28 (Permalink)

Hmm, könnte man falsch verstehen, ich finde es grundsätzlich falsch, dass junge Menschen zwangsrekrutiert werden, insofern hat man natürlich nicht die Wahl, aber wenn man sich für Zivi entscheidet, dann kann man sich oft selbst was suchen und muss nicht zwangsläufig in die Pflege. So meinte ich das.

Was sagt Mao-B dazu?

08. September 2010 um 18 Uhr 35 (Permalink)

Jo, Zwang is schietkram, das stimmt, die Leute sollten die Wahl haben. Ein schwieriges Thema :-/

Was sagt Anise dazu?

08. September 2010 um 19 Uhr 51 (Permalink)

Ich denke man sollte das FSJ attraktiver machen und Praktika anbieten, aber gerade in der Pflege oder auch bei der Arbeit mit Kindern braucht man keine Leute, die keinen Bock haben. Es liegt nicht jedem, das ist ok, aber dann darf man nicht gezwungen werden.

Was sagt Dr. No dazu?

08. September 2010 um 21 Uhr 02 (Permalink)

@MaoB: "Naja, sind denn Zivis grundsätzlich dafür geschaffen in der Pflege zu arbeiten?" - Hat niemand behauptet. Aber Zivis können es sich (abgesehen vom grundlegenden Zwangscharakter der Wehrpflicht) immerhin aussuchen, wo sie ihren Dienst leisten. THW oder FSJ sind eben was anderes als Altenpflege. Hartz-IV-Empfänger haben diese Wahl nicht, wenn sie ihren armseligen Lebensunterhalt nicht durch Regelsatzkürzungen aufs Spiel setzen wollen.

Und zum Thema "Kernpersonal zur Hand gehen, und sei es nur als Fahrer": Was Zivis in manchen Einrichtungen so alles machen müssen, geht über das "zur Hand gehen" weit hinaus. Ich z.B. sollte damals u.a. sogar Spritzen setzen.

Was sagt Ly dazu?

13. September 2010 um 16 Uhr 26 (Permalink)

was die Eignung und das Verfahren angeht, mit denen Hartz4er durch diverse Träger für OneEuroJobs ausgewählt werden, dazu schrieb ich ( recht ausführlich wink in dem späteren Beitrag von Ulf.

Was ich aber gerne wissen möchte, ist, ob es heutzutage eigentlich keine Pflegehelfer mehr gibt. Anfang der 80er gabs die noch.

Ich war selbst in meiner Ausbildung zur Kinderpflegerin im Anerkennungsjahr ein halbes Jahr in einem KKH im Einsatz. Drei Monate Säuglinszimmer, drei Monate HNO. HNO deshalb, weil es hier wegen der vielen Mandel-OP auch ein Kinderzimmer gab.

Klar das ich auf der HNO auch andre Dinge tat. Morgendliches "Betten", dann die Routine-Untersuchungen zur Aufnahme, als Karte anlegen, erstes Blutdruckmessen.

War bei uns mangels Kindern ( oder weil "die eh mit sich beschäftigt waren".....) nix zu tun vorgeblich, wurde ich an andre Stationen ausgeliehen, zum betten, zur Essensausgabe, aber auch mal zum Essenreichen per Löffel bei einer sehr alten Frau.

Auch wenn ich sicher nicht berufsnah gearbeitet habe, also mit den Kindern, weiß ich, ich habe den Fachkräften hilfreich unter die Arme gegriffen.

Ich erzähl jetzt nicht das ich auch Kanülen ziehen durfte/sollte, die Infusionen im Auge behielt und deren Tropfverhalten, nach Nasen-OP auch Tamponagen zog, das fand ich damals ja alles aufregend und interessant, ich erzähl auch besser nicht dass in diesem speziellen Krankenhaus der Hahn fürs destillierte Wasser, welches fürs Säuglingszimmer benötigt wurde, just im Schmutzraum im Keller war, oder das auf diversen Stationen Leute, ich reihenweise wundlagen.
Aber das ist sicher ein ganz andres Thema, zudem es das KKH schon lange nicht mehr gibt, das war alles um 1980.

Aber trotzdem, diese Stationshelfer, die betten, Betten wegbringen, oder holen, mal jemand mit zum OP bringen, die Beiwagen abschwaschen, gibts die nicht mehr?

Nicht falsch verstehen, bin NICHT für Euro-Kräfte im KKH und in der Altenpflege, das ist keine Lösung des Pflegenotstandes.

Eigenen Senf dazugeben?

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