Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Mein Penner.

Kategorie: Mischmasch

Ich kenne ihn jetzt ein paar Jahre, denn seitdem ich an der Gartenstraße wohne, führt mein Weg zum Dienst dort vorbei, wo er Platte macht, das bedeutet, wo er schläft. Er ist klein, und sein gewaltiger Rucksack, der überwiegend Schlafmaterial zu enthalten scheint, beinahe voluminöser als er selbst.

Ich kenne seinen Namen nicht, und wirklich unterhalten haben wir uns auch noch nie. Freundlich grüßen tut er immer, wenn er anwesend und wach ist, manchmal fragt er auch: „Na, Dienst?“ oder „Und, Feierabend?“ Als ich ihm neulich, einige Tage nach dem Ende meines aktiven Raucherseins, meine noch vorhandenen Roth-Händle schenkte (immerhin eine ganze Stange), war er offensichtlich ziemlich erfreut.

Gestern trauf ich ihn in der Klinik. Sein Platz zum schlafen ist ganz in der Nähe, und sein Platz zum Betteln auch, und er war offenbar hier zur Toilette gegangen. Er schien sich ob meines Anblicks zu freuen. Und äußerte sich unerfreut über das Wetter. Penner gehören zu den wenigen Menschen, denen ich das Recht zuspreche, sich über das Wetter zu beschweren.

Ja, nun wird es kalt in Deutschland, der erste Schnee ist schon gefallen. Die Temperaturen sind unter Null, doch habe ich genug warme Kleidung und ein Dach über dem Kopf, wo ich es warm habe.

Er hat dies alles nicht. Viele andere Menschen in Deutschland und dem Rest der Welt haben dieses nicht.
Doch bei ihm, der er zu meinem persönlichen Penner geworden ist, den ich mehr kenne als die anderen Obdachlosen, berührt mich das mehr. Denn er ist nicht mehr Masse.



Das Wort „Penner“ ist nicht abwertend gemeint!

Verzapft am 30. November 2010, so um 09 Uhr 30

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