Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Geschlechtliche Beleidigungen.

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

„Die Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.“
(Jean-Jaques Rousseau)


Ich will nicht behaupten, daß ich darin anders bin als andere.

Gehen die Argumente aus, nutzt man eben Gewalt. Erstmal verbale solche in Form von Beleidigungen. Denn wenn ich jemanden mangels eigenen Wissens, Substanz und Raffinesse nicht argumentativ übertrumpfen kann, dann versuche ich ihn zu demütigen, wenn meine eigene Erbärmlichkeit erfordert, mich unbedingt überlegen zu fühlen. Wobei ich genau dadurch diese Erbärmlichkeit offenlege.
Stinkefinger
Als Kinder gaben wir uns vorwiegend Tiernamen, je unmöglicher, desto besser. Heute, unter vermeintlich erwachsenen Menschen, scheint dies nicht stark genug.

Auffallend oft, ja fast meistens, versuchen sich die Beleidiger über die Geschlechtsverkehr-Leistungsschiene als stärker zu definieren. Eigentlich logisch, denn dies dürfte am schwierigsten zu überprüfen sein. Die eigene Intelligenz kommt ja kaum dafür in Frage, schließt sie doch derartiges Verhalten aus. Bemerkenswert, wie sehr sich Menschen selbst auf dieses Thema reduzieren, indem sie anderen „zu kleine“ oder funktionseingeschränkte Geschlechtsorgane andichten wollen. Sehr einseitig, finde ich. Und es funktioniert nicht bei mir. Ich habe mich da nie verglichen und es interessiert mich auch nicht. Wofür auch. Wobei ich mich des Eindruckes nicht erwehren kann, daß überwiegend vermeintliche Männer derart ausfallen.

Als gegen Frauen gerichtete Injurien sind bevorzugt folgende Schimpfwortkategorien (beispielhaft):

  1. betreffend der vermeintlichen Sexualmoral entweder „Emanze“*1 in verschiedenen Versionen gegenüber der „Schlampe“*2
  2. Reduktion auf primäre Geschlechtsorgane üblicherweise als Schimpfausdruck.
  3. Das Aussehen (falls man wirklich besser sehen als denken kann), vor allem bei kräftiger gebauten Mädels.

Gegen Männer bieten Beleidiger häufigst auf:

  1. Das Sexualverhalten bzw. die Orientierung: „Arschficker“, „Schwuchtel“ und andere diminuitive Bezeichnungen für (besser: gegen) Schwule - Was aber ist daran denn schlimm?
  2. Primäre Geschlechtsorgane und deren Gebrauch sind auch hier sehr beliebt, die bereits oben erwähnten angeblichen Störungen eingeschlossen.
  3. Das Aussehen, s.o.

Die seltsame Fixierung auf sexuelle Dinge impliziert, daß der Betroffene (in diesem Fall der Beleidiger)

  1. Sexualität völlig überbewertet
  2. sich überwiegend mit solcher beschäftigt
  3. und wahrscheinlich auf diesem Gebiet entweder unterversorgt*3 oder selbst darin gestört*4 ist und
  4. darüberhinaus nicht viel zu bieten hat.

In verschiedenen Varianten taucht dies auch hier immer wieder mal auf. Es beleidigt mich allerdings nur insofern, als daß es sich nicht mehr Mühe gibt und mich intellektuell unterfordert.

Außerdem ist mir ziemlich egal (dem Rest der Welt sicherlich auch), wie groß mein Schniepel denn sein soll oder tatsächlich ist. Ich rege mich nicht auf über solches. Weg damit und fertig. Eigentlich habe ich eher Mitleid.

Naja, fast.

Jedenfalls stelle ich Euch die Frage:
Warum, glaubt Ihr, gehen Beleidigungen meist unter die Gürtellinie?

Verzapft am 27. November 2011, so um 16 Uhr 54

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Kommentare

Was sagt Waelti dazu?

27. November 2011 um 18 Uhr 30 (Permalink)

Kurz wie immer biggrin ...
-> "Denn wenn ich jemanden mangels eigenen Wissens, Substanz und Raffinesse nicht argumentativ übertrumpfen kann"

Warum übertrumpfen?

-> "Ich rege mich nicht auf über solches. Weg damit und fertig."

Das "Weg damit" meinst du nicht wirklich ernst? wink

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 27. November 2011 um 20 Uhr 38 (Permalink)

Warum übertrumpfen?


Das fragst Du mich?

Eigenen Senf dazugeben?

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