Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Held der Hauswirtschaft XI: Red Snapper.

Kategorie: KuliNarrisch

Red Snapper im Ofen, Kameralinse beschlagen.Heute mußte er entengültig daran glauben, wenn auch nur zur Hälfte: In der Mittagspause durfte ich die Küche privat nutzen, wie mir unsere Hauswirtschaftsmeisterin netterweise erlaubt hatte. Sie vertraut mir insofern, als daß sie weiß, daß ich weiß, wie man womit umgeht. So holte ich aus dem Wohnbereichskühlschrank die erste Hälfte des armen Tierchens, dessen brunoesker Dackelblick gestern sprechte: „Nimm mich mit! Laß' mich nicht zurück!“ - Wie im Tierheim!

Die andere Hälfte, ebenfalls deutlich mehr als ein Kilo schwer, wartet noch im Gefrierfach auf ihr Ende. Früher habe ich ja immer wie ein Irrer (sic!) gewürzt. Mittlerweile mäßige ich mich sehr und nutze sowohl von der Anzahl als auch von der Menge her weniger als ehedemst. Denn wenn ich derart teures Zeug erwerbe, dann will ich ja davon etwas haben und nicht von dem ganzen Gewürzekram.

Nun denn: Das Grundgesetz des Fischgerichtens hieß einst „säubern, säuern, salzen!“ - eigentlich befolge ich es auch, nur weniger heftig als früher. Hochwertiger Fischleichen Geschmack braucht man nicht mehr derart entgammeln, mangels Gammel. Von einem bißken jedoch profitiert das Tier posthum.

Säubern:
Ich spüle alles gründlich ab, was ich verarbeite. Karl-Heinz, wie ich den Red Snapper getauft hatte, verlangte aber nach mehr als nur einer kalten Dusche. Er hatte offenbar noch nie von „Head and Shoulders“ oder „Crisan“ gehört, jedenfalls mußte ich ihn vor der Dusche noch von seinen Schuppen befreien. Mit ein wenig Übung und einem vernünftigen Messer ist das allerdings kein Problem. Ein paar Restgräten und ausgefranste Stellen entfernte ich noch. Eine erste Idee, ihm die Haut abzuziehen verwarf ich wieder.
Alles sauberspülen, abtrocken, soweit das Säubern.

Säuern:
Ich hatte gestern noch einige Rosmarinzweige erworben. Ein intensives Kraut, welches den Fisch nicht erschlagen sollte! Ein paar davon hatte ich in Olivenöl gelegt, daß auch dieses etwas Duft abbekäme. Dazu kamen -von wegen säuern- einige Spritzer Limette. Nicht zu viel! Wir machen Red Snapper, nicht Limette mit Fisch!
Diese Mixtur pinselte ich mit den Zweiglein auf den toten Schnappfisch drauf, der sich mittlerweile aufgebockt auf weitere Rosmarienzweige mit der Haut nach unten auf einem öligen Backblech befindisierte. Die Pinsel obenauf gelegt, (fast) fertig.

Salzen:
Ich nahm Salz und Pfeffer, aber nur sehr, sehr wenig. Der Fisch schmeckt ja selbst genug! und ab in den Ofen.
Ich hätte zwar einen Hauch von Knoblauch eingebracht, aber A. ist allergisch dagegen. Vielleicht war das auch besser.

Dieser Brocken brauchte seine Zeit, bei 150° oder 160° eine gute halbe Stunde, um gerade richtig durch zu sein. Perfekt! Bei dem Kawenzmann hatten wir vorneherein Beilagen ausgeplant. Zudem brauchten wir Verstärkung. Vernichtungshilfe bekamen wir von N., der Freundin von A., und von M., mit der ich relativ viel herumhänge.

Nein, ich habe nicht toll gekocht. Diesmal nicht. Diesmal war es der Fisch selbst. Ich habe ihm nur ein wenig geholfen.

Verzapft am 14. Dezember 2011, so um 16 Uhr 47

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