Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Wenn das Blut spritzt.

Kategorie: Erlebtes

V. und ich hatten uns in Hamm getroffen. Fast zeitgleich waren wir eingetroffen auf demselben Bahnsteig, ungeplant, um denselben Zug zu nehmen, der uns nach Koblenz bringen sollte, ein Stück weiter nach Saarbrücken, wo wir beide zur Reha/Belastungserprobung waren.

So hatten wir uns als Gesellschaft, während der ICE mehr und mehr Verspätung bekam, mal wieder wegen defekter Technik, dieses Mal Signalanlagen. Sämtliche Anschlußzüge verpaßt habend gurkten wir nun mit drölfzigmal umsteigen durch die Prärie Pampa und waren irgendwann und 87 Minuten später als geplant am Ziel.

Doch V. war ebenso wie ich Krankenpfleger und spielte Gitarre, anders als ich überzeugter Christ und überzeugter Reservist. So hatten wir sechs Stunden keinerlei Langeweile. Diskutierten über unsere Überzeugungen und ließen dem anderen seine. Erzählten über unser Verhältnis zur Musik und den verschiedenen Instrumenten und Stilen.
Und über unseren bisherigen Berufsalltag.

Er, tätig in der Anaesthesie, hatte einige spektakuläre Dinge zu erzählen, während ich besinnlich-tragisches anbot. Bemerkenswert fand ich, daß er eine Narkose hatte, während derer ein Patient tatsächlich ein perforiertes Bauchaortenaneurysma*1 überlebte.

Von Ulf gezeichnete Operation.Er wurde halt aufgeschnitten, und dann war das so klischeemäßig wie eine Art Springbrunnen mit dem Blut. Naja, dann greift ein Chirurg eben rein und hält den Finger drauf. Der hat tatsächlich überlebt! War aber auch der einzige von, ich glaube, dreien mit sowas. Vierzig Blutkonserven haben wir in den reingepumpt, und die ganzen Infusionen mit Druck rein, da geht dann ja alles durcheinander, Elektrolyte und so, das läuft ja alles raus und muß dann schnell ersetzt werden. Bist eigentlich die ganze Zeit nur am Feuerlöschen.


Respekt dem OP-Team.

Wir jedenfalls hatten die mit Abstand kurzweiligste und entspannendste Verspätung bisher.

Verzapft am 02. Januar 2012, so um 08 Uhr 11

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