Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Vergackeiert

Kategorie: Verdingt

Der Dienst war ganz amüsant, außer, daß wir einen Patienten mal eben urologisch operieren lassen mußten. Ein Ei mußte raus. Der Nebenhoden hatte sich derart entzündet, daß das ganze Ei abgestorben ist.
Der Mann ist schwer krebskrank, aber wir haben ihn gut aufpäppeln können. Die Operation ist eher psychisch belastend (zur Hälfte kastriert) als gefährlich.

Einer Praktikantin erklärte ich, daß das im Grunde nur ein sehr kurzer und kleiner Eingriff ist. Sie fragte mich, ob das denn auf der Station gemacht würde. Perfekte Vorlage! Natürlich machen wir das auf der Station, so kleine Sachen machen sogar wir Pflegekräfte selbst. Und ich erklärte ihr, wie ich vorzugehen gedächte. Lokalanästhesie, dann mit einem Skalpell den vorher desinfizierten Hodensack öffnen. Mit einem Metallclip wird die Blutversorgung und der Samenleiter abgeklemmt und dann durchtrennt. Raus mit dem Ei, zunähen, fertig. (Und so wird es in Wirklichkeit gemacht)

Ob sie zugucken dürfte dabei? Natürlich...

biggrin

Ich kann wunderbar dummes Zeug erzählen, ohne mit der Wimper zu zucken. Zweiundsiebzig ist der Mann. Er ist einer für den groben Humor, ich habe zusammen mit ihm gewitzelt gehabt, daß ich die sich ständig lösende Halteplatte für den Beutel seines künstlichen Darmausgangs mit der Nagelpistole antackern würde.

Als es aufs Einschleusen zuging, wurde er immer kleiner. Ich konnte das als Mann gut verstehen. Mir würde schon eine Sterilisation reichen.

Nun, Dr. Freak hat für jeden Fall die passende Reaktion. Seine Ängste und Gefühle kann ich ihm nicht nehmen. Aber viel gewonnen ist schon, wenn er sich verstanden fühlt.

Verzapft am 03. April 2009, so um 06 Uhr 09

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Kommentare

Was sagt Björn dazu?

03. April 2009 um 15 Uhr 36 (Permalink)

LOL!
So leichtgläubige Menschen hab ich noch nicht getroffen xD

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 04. April 2009 um 00 Uhr 29 (Permalink)

Nun, ich kann sehr überzeugend sein.
vgl. http://weblog.hundeiker.de/item-619.html

Was sagt kunstgriff dazu?

05. April 2009 um 18 Uhr 39 (Permalink)

Orchiektomie ist kein Pappenstiel. Überhaupt alles, was unterhalb der Gürtellinie stattfindet. In meiner Uro-OP-Zeit hatte ich mal einen, der sich im Drogenwahn von seiner Freundin das halbe Skrotum hat abbeissen lassen. Bodybuilder, fast zwei Meter, aber beim Einschleusen gefühlte 3,9 cm mit OP-Haube. Allerdings lachte er tatsächlich, als ich ihm auf die Frage, wie denn nun das Vorgehen sei, antwortete: "Machen wir gleich auf'm Gang hier hinter der Tür, ist nichts Aufwändiges. Drei, vier Tackerklammern, und das Mißgeschick ist Geschichte."
Es stimmt schon: Mit einem gewissen Humor geht alles leichter. (Dass jener bei Pflegekräften und ÄrztInnen eher derbe ausfällt, ist auch kein zwangsläufiges Manko.)

Eigenen Senf dazugeben?

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