Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Karneval: Feiern bis zum Reihern.

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Ich bin nicht so der Karnevalist. Ich bin lieber ganzjährig so, wie ich sein will und nicht dann, wenn ich nach irgendwelchen Traditionen und überkommenen Gebräuchen darf oder gefälligst soll, daß ich mir die Hörner abstoße und den Rest des Jahres fein brav bin. In der Fünften Jahreszeit darf das angepaßte Volk auch mal vom Unangepaßtsein träumen und sich daneben benehmen, Scherze treiben, die sich nur mit einem Alkpegel nahe der Intensivpflichtigkeit ertragen lassen und vor allem: Feiern bis zum Reihern.

Rosenmontags morgens um elf werde ich in der Regel schon von völlig besoffenen Möchtegernnarren angepöbelt, die zwei Tage später schon wieder brav in ihrem Büro irgendwelche langweiligen Akten stapeln und sich über saufende und pöbelnde Punks mokieren werden. Am Aschermittwoch stinkt der ganze Prinzipalmarkt nach Pisse und Kotze. Widerlich. Aber die Freiheit, die sich die brav auf Kommando fröhlich seienden Karnevalisten zu nehmen glauben, besteht aus Fröhlichkeit auf Kommando, saufen auf Kommando, schunkeln auf Kommando und so weiter.

Nicht mit mir. Zahme Vögel singen von Freiheit, wilde Vögel fliegen.

Naja. Leben und sterben leben lassen.

Verzapft am 06. Februar 2010, so um 21 Uhr 39

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Kommentare

Was sagt Mawin dazu?

07. Februar 2010 um 05 Uhr 34 (Permalink)

Bei uns in der Region ist es ein geringes Problem. Es gibt zwar auch einen netten Fachingsumzug, allerdings haben wir die Feierei auf ein kleines Dorf in unmittelbarer Umgebung verschoben und deshalb kriegen wir Delmenhorster nichts davon mit smile

Was sagt Claudia dazu?

07. Februar 2010 um 08 Uhr 04 (Permalink)

>Nicht mit mir. Zahme Vögel singen von Freiheit, wilde Vögel fliegen.
Jap. Und was tut man/frau/ulf in einem Weblog? Singen, singen, singen... biggrin

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 07. Februar 2010 um 09 Uhr 54 (Permalink)

Jedenfalls saufe ich nicht. biggrin

Was sagt Ma Rode dazu?

07. Februar 2010 um 19 Uhr 29 (Permalink)

Es ist schlimm! Sogar hier in der Pampa, wo man sowas eigentlich nicht erwartet, gibt es Karnevalklubs und es wird geschunkelt bis der (Brandenburger) Adler steppt. Das finden die Karnelval-Zombies an der Havel dann auch noch lustig - mich gruselt´s jedesmal!

Was sagt Ly dazu?

08. Februar 2010 um 15 Uhr 55 (Permalink)

habe die Tage eine Möhne von einer Karnevalsveranstaltung nacn Hause gefahren. Sie bedauerte, das der Nachwuchs nicht mehr aktiv sein möchte, sondern die Leute sich nur noch unterhalten lassen möchten und feiern wollen. Karneval, trotz allem was unsereins abstrus erscheint, ist für die aktiven eine gar nicht kurze Zeit des Jahres, in der sie sich Gedanken machen, wie sie diese Zeit gestalten.

Gerne wurde und wird teils noch die aktuelle Politik angeprangert, der Bürgermeister und/oder Stadt-und Dorfgeschehen auf die Schippe genommen, Klatsch und Tratsch auch mal selbstironisch auf die Spitze getrieben.

Das saufen des Publikums ist allerdings keine Randerscheinung, ich freu mich schon auf die Fahrgäste. Allerdings, da wo ich arbeite, dünkt mir, die Leute feiern eh die Feste wie sie fallen, sie gehen hier alle gerne aus.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 08. Februar 2010 um 16 Uhr 04 (Permalink)

Was aber ist eine Möhne? Mir kommt da nur unanständiges Zeugs in den Sinn...

Hier ist das beim Rosenmontagszug übrigens so, daß die sturen Westfalen mit verschränkten Armen "Helau" GRUNZEN.

Was sagt Ly dazu?

08. Februar 2010 um 17 Uhr 09 (Permalink)

mir war nicht ganz klar dass das ein regionaler begriff ist.

als Möhnen bezeichnet man im rheinischen Karneval die närrischen Weiber, die an Altweiberfastnacht in den Städten und Gemeinden das Regiment übernehmen und gerne an diesem Tag auch ( ist am Donnerstag) den Männern die Krawatten abschneiden. Die Möhnen sieht man bei den Rosenmontagsumzügen in Gruppen mitgehen, oft in alter Tracht oder auch mal Kleidung aus der Renaicance, eifrig Küsse an Polizisten verteilen, und gerne ein Glas Sekt in der Hand.

Sind in aller Regel ältere Damen, die sich ausserhalb der närrischen Zeit, so meine Kenntnis, bisweilen, ab von Kaffeekränzchen, auch sozial engagieren.

Was sagt Ly dazu?

08. Februar 2010 um 17 Uhr 22 (Permalink)

http://de.wikipedia.org/wiki/Weiberfastnacht#Weiberfastnacht_heute

das krawatten-abschneiden ist ein traditionelles entmachten der männer, als "lohn" dafür das sie dies geschehen lassen bekommen sie ein küsschen.
man muss dabei bedenken, das es ein brauch aus von 1800 - 1900 ist.
Hierzuland sind auch Rathausbesetzungen die Regel.
Hier spielen manche Männer gerne mit, die oberen in der Verwaltung sollten das auch tun, sonst gelten sie als Spielverderber, in dem sie an dem Tag, was angeraten ist, Krawatten tragen die sie loswerden wollen.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 09. Februar 2010 um 12 Uhr 53 (Permalink)

Oha! Danke für die ausführliche Aufklärung! Irgendwie bin ich da nicht mit großgeworden.

Was sagt Ly dazu?

10. Februar 2010 um 13 Uhr 49 (Permalink)

ich auch nicht wirklich.. und irgendwie doch. man kommt hier am karneval einfach nicht vorbei. Spätestens ab dem 11.11 des Jahres sieht man sie hier und da. Als wir vor langer langer zeit jung waren, sind wir auch an Rosenmontag, ab und an, mit der pulle wein in der hand durch die stadt gezogen, es war eben ein event. aber das bis ins koma saufen hat generell zugenommen.

davon ab ist alle kritik an karneval auch dazumal schon landläufig gewesen.

so von wegen, "wehe wenn sie losgelassen", oder, so wie du schriebst in etwa sinngemäß" einmal im jahr die sau rauslassen und sonst nie".

das mag für einen teil der besucher und zuschauer sicher zutreffen, oftmals auch "gelegenheit macht liebe".
andererseits haben wir bei uns in der altstadt eine Kneipe, wo mittelalte und ältere aufschlagen wenn sie denn mal ausgehen, da läuft nix anderes, und zwar das ganze jahr.
Abseits vom Karneval läuft das aber, hier in der Region, auch bei den ganzen Kegelclubs, die in der Saison in den Weindörfern aufschlagen.

und trotzdem hat karneval diese althergebrachte Komponenten Gemeindeleben und Vereinsleben.
Nicht jedermanns Sache, meine auch nicht, aber die Aktiven nehmen das ernst und haben richtig spass dabei.

Wenn ich Zeit und Lust habe, gehe ich mir durchaus mal einen Rosenmontagszug anschauen. Manche Mottos und Kostüme sind gut, und manche Motivwagen regen zur Diskussion an, wenn nicht gar zum Skandal wink

Beispiel, ist schon älter:

http://www.faz.net/s/Rub02DBAA63F9EB43CEB421272A670A685C/Doc~EB6D6E45C778E4250B948E18DC21B1EF4~ATpl~Ecommon~SMed.html#CFBD0D2810504268972370FB1C637636

Jedes Jahr findet man irgendwo vergleichbares, die Motivwagen im rheinischen Karneval sind traditionell dafür gedacht, seinem Ärger Luft zu verschaffen.

In früheren Zeiten war es gar die einzige legale Möglichkeit dazu, vor den Zeiten der allgemeinen Meinungsfreiheit durfte man eben an Karneval, mehr oder weniger geduldet, mal die Sau durchs Dorf treiben.

Im Mittelalter war es, ganz in katholischen Zeiten, die geduldete Zeit des Teufels, die Narren durften gegen die Kirche und Gott revoltieren, hatten aber an Aschermittwoch sich wieder zu Gott zu bekennen.

Eigentlich hat sich nicht viel geändert seither wink

Eigenen Senf dazugeben?

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