Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Sexualiltät und Pflege.

Kategorie: Erlebtes

Wir dachten, er habe sich unter der Dusche, die schon fast eine Stunde rauschte, die Pulsadern aufgeschnitten, denn er war schwer depressiv und Alkoholiker. Ich, der "Last Man Standing", der, der als letztes noch stehenblieb, wenn alle anderen schon ohnmächtig geworden waren, schloß von außen auf, holte tief Luft in Erwartung einer ziemlichen Sauerei und linste um die Ecke.

Ich sah nur seinen Unterleib, an welchem er eine respektable Erektion bearbeitete. Ich zog mich leise zurück und verschloß die Tür. Die Kollegin war ein wenig geschockt, daß ich ihn hatte weitermachen lassen. Aber warum nicht? Solange nachher alles sauber ist....

Das war ca. 1998. Sexualität war in der Pflege kaum ein Thema, es bedeutete vor allem, individuelles Schamgefühl zu respektieren. So wurden die einen rot und die anderen grinsten, wenn der Greis beim Waschen des Schniedelwutzes einen Steifen bekam oder die uralte Dame mit dem Becken zu kreisen begann oder man mal wieder jemanden beim Onanieren störte. Doch daß auch Alte, Behinderte und Kranke derartige Bedürfnisse haben können wurde immer ausgeblendet. Fehlt hierfür doch die nötige Intimsphäre. Mag sein, daß mir in der Klinik nicht möglich ist, dieses Problem zu lösen- Für Heime gibt es durchaus Ansätze. Doch wenn sich das schon nicht lösen läßt, sollten wir es wenigstens respektieren.

Verzapft am 08. März 2010, so um 10 Uhr 02

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Kommentare

Was sagt Claudia dazu?

08. März 2010 um 12 Uhr 32 (Permalink)

Ja, warum sollte man das auch nicht respektieren? Schade, dass es nicht so selbstverständlich ist. Bedürfnisse sind nunmal auch dann existent, wenn jemand im Krankenhaus oder im Pflegeheim ist, man kann sie ja schlecht bei der Aufnahme abgeben.

Auch wenn es hier nicht um "Pflege" im eigentlichen Sinne ging, erinnert mich das ein wenig an diesen Blogbeitrag von Streetgirl, in dem es auch um etwas sehr Spezielles geht. Fand ich sehr stark, auch wenn ich ihre Bedenken ebenfalls gut nachvollziehen konnte. Vor allem die Umgehensweise der Mutter. wink

Was sagt togo dazu?

09. März 2010 um 15 Uhr 24 (Permalink)

Ist schon witzig, wie selbstverständlich angenommen wird, dass Menschen, weil sie alt, krank oder behindert sind, keine Sexualität hätten. Ich kann mich an ein belächeltes Pärchen erinnern, das immer bei uns zur Andacht (spar Dir den Kommentar, das ist lange her) in die Kirche kam. Beide mit Down-Syndrom, beide Heimbewohner. Haben Händchen gehalten und ständig gegrinst. Und plötzlich war sie schwanger. So eine Überraschung! Für die Heimleitung war das eine Katastrophe. Damit habe man nie gerechnet, erzählte die Chefin (eine sehr diskrete Frau) im Ort rum.

Das war Mitte der Achtziger. Hat sich seitdem viel verändert?

Was sagt Brutzler dazu?

09. März 2010 um 18 Uhr 28 (Permalink)

wink war der richtig prall und fett...der Fleischlolli!?

Eigenen Senf dazugeben?

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