Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Depression als Chance?

Kategorie: Verrueckt

So hart, wie die Zeit nullvier bis Sommer nullacht war, mittlerweile habe ich auch einen gewissen Vorteil dadurch: Ich bin jetzt gelassener. Natürlich bin ich immer noch in gewisser Weise in vielen Punkten dünnhäutiger, doch: Ich bewerte vieles anders als früher. Wo andere verzweifeln, bleibe ich heiter. Denn ich weiß, was wirklich schlimm ist.

Seltsamerweise bin ich auch ausgeglichener in meinen Stimmungen. Gewisse Schwankungen sind auch bei "Gesunden" normal. Wenn ich ein Tief habe, dann ist es immer noch tiefer als bei anderen, nur scheint mir, daß ich weniger Tiefs und mehr gute Laune habe als andere. Bis zum vergangenen Sommer zog sich das alle paar Wochen auftretende Tief zwei bis drei Tage hin und störte mich insofern nur mäßig, als daß ich irgendwann merkte, daß es bald wieder vorbei sein würde.

Seit meine Liebste bei mir ist, habe ich so etwas nur noch stundenweise, selten einen halben Tag.

Und ich kann meine Patienten wesentlich besser betreuen, jedenfalls in seelischer Hinsicht. Ich weiß, was Ausnahmezustand ist. Ich weiß, was man dann vor allem nicht hören will.

Dennoch: diese Art "Fortbildung" war grauenvoll. Und nicht nur für mich, auch für mein Umfeld. Doch dadurch, daß ich in der Hölle war, erlebe ich schon die Erde als Himmel.

Ich bin zufrieden.
Hoffentlich bleibt es so.

Das Fragezeichen in der Überschrift bleibt.

Verzapft am 20. April 2010, so um 10 Uhr 32

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Kommentare

Was sagt togo dazu?

20. April 2010 um 10 Uhr 41 (Permalink)

Harte Story (04-0 cool . Aber wer sowas übersteht, der kann alles. Wichtig ist, dass Du zufrieden bist, und das bist Du. Die Gesellschaft ist eh doof und stinkt.

Was sagt psychoMUELL dazu?

20. April 2010 um 10 Uhr 47 (Permalink)

Ja auf jeden Fall, jedem eine Depression, damit wir alle besser zusammenleben und uns lieb haben.

Ich brauche keine Depression. Ich mag sie nicht. Was ich gebraucht hätte, habe ich nicht bekommen. Ein "relativ" gesundes Elternhaus, mit Zuwendung und Liebe.

Was sagt Nadine Kempe dazu?

20. April 2010 um 10 Uhr 48 (Permalink)

Depressionen können durchaus eine Chance sein, weil viele Betroffene dann ihr Leben umkrempeln respektive umkrempeln müssen. Viele sind nachher glücklicher als sie es vorher nie hätte werden können...

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 20. April 2010 um 10 Uhr 49 (Permalink)

@togo: Du wirst lachen, es war noch härter: mit Suizidversuchen und allem. Am besten guckst Du mal die Rubrik depressiv?!? durch. Und eigentlich war es sogar noch schlimmer.

@Nadine: Meine Oberste Ausbilderin Schwester Helga zitierte immer etwas von "Krise als Chance". Allerdings hätte ich auf diese Chance gerne verzichten können...

Außerdem ist Dahlke mir zu esoterisch.

Was sagt psychoMUELL dazu?

20. April 2010 um 10 Uhr 52 (Permalink)

Wo sind denn die vielen geheilten und jetzt glücklichen?

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 20. April 2010 um 11 Uhr 00 (Permalink)

Ich bin nicht geheilt. Nur in Remission. Die positiven Überbleibsel nehme ich an, aber ich hätte auch verzichten können darauf zugunsten seelischer Gesundheit.

Was sagt Ma Rode dazu?

20. April 2010 um 11 Uhr 07 (Permalink)

Ah Mist, ich hab einen Kollegen, von dem ich vermute, dass er auch an Depression leidet. Er ist oft krank (lässt sich krankschreiben mit irgendwas) und erzählte auch mal von einer Gruppentherapie, die er aktiv besucht. Er ist n Netter, aber manchmal geht man ihm doch besser aus dem Schussfeld ...

Was sagt Muckibine dazu?

20. April 2010 um 12 Uhr 27 (Permalink)

Die Tiefs kenne ich leider auch - nicht so massiv, wie du, aber zeitweise habe ich sie....besonders schlimm ist es, wenn ich dann allein bin - sprich mein Liebster so viel Arbeit hat, das er nicht wahrnehmen kann, wie es um mich steht...frau kann ja immer schlecht sagen, was sie fühlt...hört sich komisch an, ist aber so...

Was sagt Wiesodenn dazu?

20. April 2010 um 21 Uhr 54 (Permalink)

@psychoMUELL

Die *Geheilten und Glücklichen" laufen nicht draussen rum und erzählen allen sie seinen geheilt und glücklich. Die sind nur wieder fähig ein normales Leben zu führen, sei es als Mutter, Vater, Sohn, Tochter, FreundIn usw.

Was sagt Mao-B dazu?

21. April 2010 um 12 Uhr 55 (Permalink)

Glücklich ist relativ. Ich denke niemand kann sagen das er wirklich "geheilt" ist, aber zumindest kann man sagen "hurra ich lebe noch und vorallem wieder!" Für aussenstehende dürfte es so gut wie nicht nachvollziehbar sein, WAS es eigentlich bedeutet wenn man depressionen hat.

Was sagt psychoMUELL dazu?

21. April 2010 um 13 Uhr 41 (Permalink)

wenn ich gut drauf wäre, dann wäre ich nicht depressiv -würde mir reichen.

Was sagt ceceka dazu?

26. April 2010 um 10 Uhr 24 (Permalink)

Kann ich bestätigen, ne Depri ist so ziemlich die krasseste Form von Abhärtung. Und für mich ist es schon ein großer Gewinn an Lebensqualität, dass die Tiefs immer kleiner werden, fast so wie bei Gesunden.
@Ulf: Remission ist doof.

LG CCTh

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 26. April 2010 um 16 Uhr 35 (Permalink)

Was ist denn doof an einer Remission?

Was sagt Karin33 dazu?

22. Juli 2010 um 16 Uhr 05 (Permalink)

Zu dem Thema habe ich einen Buchtipp "Manisch Depressiv Ein Mann sieht rot" von Jürgen Wirth
http://www.abusverlag.de

Was sagt Karin33 dazu?

22. Juli 2010 um 16 Uhr 06 (Permalink)

ooops ich meinte http://www.abusverlag.com hihi

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