Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Was aber heißt Freiheit?

Kategorie: Verschiedenes

1991/1992: Ich war neunzehn. Ich war Zivi. Ich kam gut zurecht mit einer Mitarbeiterin, die etwas älter war als ich, genaugenommen acht Jahre. Wie wir damals darauf kamen Ehepaar zu spielen, weiß ich nicht. Aber spätestens, als der erste zu einem von uns beiden kam, um zu fragen, ob das stimmen tun täte, begann das ganze Spaß zu machen. Natürlich bejahten wir das immer. Und, so seltsam das war, es funktionierte jedesmal.

Ich saß in der Ecke eines Aufenthaltsraumes mit Mitzivi Alfred (der hieß wirklich so), als ein dritter Zivi hereingestürmt kam und entsetzt zu ihm rief: "Hast Du das gehört? Der Ulf ist verheiratet mit der Dings von Station Bla! Die ist auch noch acht Jahre älter als er!"

"Ja und?" grunzte ich aus der Ecke. "Wir lieben uns halt."
"Ja aber, Du bist nicht mehr frei! Du hast Dein Leben verschenkt!"

--------------------

Knapp zwanzig Jahre später, nun wirklich verheiratet. Habe ich ich nun mein Leben verschenkt?

Ja, das habe ich. An meine Liebste. An den Menschen, der es verdient hat. Und wenn ich jemandem etwas schenke, mit dem ich auch noch zusammen bin, dann ist es definitiv nicht verloren für mich.

Ich habe mein Leben verschenkt. Und eines geschenkt bekommen.

Und was ist mit der Freiheit? Bin ich nicht mehr frei, da ich verheiratet bin?
Wenn ich mit jemandem ohnehin den Rest meines Lebens verbringen will, dann ist es eigentlich unerheblich für die Freiheit, ob ich heiraten tu oder nicht, weil sich dann der rechtliche Status ändert, der persönliche bleibt ja dann im Grunde der gleiche.
Nur gibt die Ehe eine gewisse Sicherheit. Und die macht mich frei von manchen Sorgen.

Was ist Freiheit? Verliert man sie durch ein Versprechen? Dann sollte man auf Versprechen jeder Art verzichten. Ist Freiheit denn notwendigerweise Unzuverlässigkeit? Wenn man das so betrachtet wie mein Mitzivi damals anscheinend schon.

Wie dem auch sei: Ich bereue meine Entscheidung nicht. Sondern bin Tag für Tag glücklich damit.

Verzapft am 03. Mai 2011, so um 19 Uhr 00

Auf Twitter teilenTwittern

« Voriger Artikel
Nächster Artikel»

Kommentare

Was sagt Stefan dazu?

03. Mai 2011 um 19 Uhr 08 (Permalink)

smile
So sehe ich das auch, Ulf.
Und dafür musste ich nicht mal meine Individualität aufgeben. So wie ich meiner Frau ihre Individualität zugestehe, so kriege ich das auch zurück.
Und können so ein reiches gemeinsames Leben führen. Geschenkt!

Was sagt Mauerseglerin Anna dazu?

03. Mai 2011 um 19 Uhr 36 (Permalink)

wieso unfrei= verheiratet???
man wird doch nicht das Eigentum eines anderen wenn man/frau heiratet.
das wäre ja wirklich zum Davonlaufen!

Soll es zwar geben, dasss Leute meinen ab jetzt machen wir ALLES gemeinsam, ab jetzt gibt es nicht mehr du und ich, sondern nur noch WIR.
Aber muss ja nich....

Was sagt Thomas dazu?

04. Mai 2011 um 14 Uhr 08 (Permalink)

Wir waren 27 Jahre lang verheiratet, als meine Frau gestorben ist. Natürlich hatten auch wir Zeiten, die nicht so rosig waren. Wären wir nicht verheiratet gewesen, hätten wir uns einmal vielleicht sogar getrennt. Gut, daß wir die Krise überwunden haben. Ich bin glücklich, daß ich mit ihr verheiratet sein durfte und ihr in der schweren Zeit ihrer Krankheit zur Seite stehen konnte.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

Kommentare können hier nur von Mitgliedern abgegeben werden