Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Von Kajaks, Kanadiern und Eskimo-Tieren. Teil Dro. Äh, Drei.

Kategorie: Erlebtes

Vom Kanuverein wurden auch Freizeiten geplant, zum Beispiel Richtung Gebirge für Wildwasserfahrten. Gebirgsgewässer sind üblicherweise eiskalt, das Wasser spritzt und man kippt auch schon mal um und nimmt ein Bad. In Eiswasser zu baden kann unbekömmlich sein, deshalb empfiehlt sich deshalb ein Neoprenanzug.

Kajak-Zeichnung.Diesen konnte ich beschaffen. Das heißt, mir schenken lassen, denn für mich damaligen Jungspund, der ich noch nicht mal in der Oberstufe war, wäre das nicht zu bezahlen gewesen. Nun hatte ich also Schutz vor kaltem Wasser. Und nun?

Natürlich kann man auf wildem Gewässer auch kentern. Umkippen. Kopfunter im Wasser landen. Schwimmen und gleichzeitig das teure Kajak zu bergen wäre ziemlich schwierig bis unmöglich. Die Inuit haben einst das entwickelt, was heute Eskimo- oder auch Kenterrolle genannt wird. Dies wurde vorher geübt. Außerhalb der Saison, wenn sonst nix los war im Verein. Natürlich nicht im eisigen Draußen, sondern in Badehose im Schwimmbecken. Ich saß also im Kajak, den Einstieg mit einer Spritzdecke verschlossen habend. Eine Spritzdecke ist vom Material einem Südwester nicht unähnlich. Nach oben wird sie mit hosenträgerartigen Dingern gehalten. Am Bauch dichtet ein Gummizug ab, und der Rest wird in einer Rille rund ums Einstiegsloch eingespannt. Wenn das Kajak mit Wasser voll ist, ist das Rollen sehr viel schwerer.

An Bug und Heck stand jeweils ein Sportkamerad. Um das Boot umzukippen. Man sollte eine Nasenklammer tragen- Chlorwasser in der Nase fühlt sich nicht erfreulich an. Um wieder hochzukommen und weiterpaddeln zu können, mußte ich mich sozusagen nach oben beugen, in Richtung Wasseroberfläche. Aber nicht darüber! Und den Kopf, der sowieso als letztes das Wasser verläßt (Hebelwirkung!), möglichst nah ans Boot. Das Paddel richtete ich parallel zum Boot aus, das bugseitige Blatt auf der Wasseroberfläche legend. Und dann mit kräftigen Zug einen Viertelkreis beschreibend von der Wasseroberfläche wegdrücken und gleichzeitig einen Hüftschwung (aber nicht wie Elvis) in die gleiche Richtung machen. Klingt einfach. Aber man muß es schon eine Weile üben, denn allein unter Wasser Ruhe zu bewahren ist nicht einfach, und dann alles richtig zu koordinieren...

Natürlich läßt Dich niemand ertrinken. Du ziehst vorne an einer Schlaufe die Spritzdecke ab und steigst einfach aus. Boot an den Beckenrand, ausleeren, fertig, weitermachen.

Woran das Projekt Wildwasser scheiterte, weiß ich nicht mehr, jedenfalls habe ich nie ein Wildgewässer befahren. Den unbenutzten Neoprenanzug bekam einige Jahre später meine kleine Schwester zum Surfen. So wurde er doch noch genutzt.

Verzapft am 15. August 2011, so um 14 Uhr 43

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