Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Oh, Du fröhliche?

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Ich habe ja nichts gegen Weihnachten. Aber dass immer dieser Zwang zum fröhlichen Konsum aufgebaut wird finde ich etwas, äh, anstrengend. Wenn Du Dich nicht strahlend vor Freude und Aufregung ins Getümmel stürzt, wirst Du schief angeguckt.

Übergroße Erzgebirgspyramide auf dem Weihnachtsmarkt in Saarbrücken 2011.Nicht für jeden ist Weihnachten die wahre Freude. Weihnachten verhindert nicht, dass Leute todkrank werden und sterben. Weihnachten verhindert nicht, dass Du verwirrte Angehörige hast, die mit allem möglichen um sich werfen, Dich, ihr eigenes Kind, nicht mehr erkennen, Dich beschimpfen, die immer wieder halbnackt weglaufen.

Weihnachten verschafft Dir auch kein Dach über dem Kopf und nicht unbedingt etwas zu essen, wenn Du keines hast. Oder jedenfalls nicht dauerhaft. Weihnachten verhindert keine Naturkatastrophen (wie den Tsunami von 2004). Weihnachten kittet nicht die zerbrochene Familie und verhindert keine „häusliche Gewalt“.

Weihnachten beseitigt nicht Deine Krankheiten, schon gar nicht Deine Depressionen, Wahnvorstellungen, Psychosen und was der Markt noch so hergibt.

Weihnachten beschenkt die kleine Aurela auch nicht mit neuem Knochenmark.

Weihnachten mag manches Herz erweichen, zu spenden. Danach ist allerdings wieder Schluss damit. Das Herz verhärtet wieder, bis zum nächsten Jahr.

Oder?

Ich schreibe diesen Artikel für alle, denen es so geht. Denen Weihnachten keine Freude bedeuten kann. Ich denke an Euch. Ich vergesse Euch nicht.

Verzapft am 19. Dezember 2013, so um 11 Uhr 55

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Kommentare

Was sagt kall dazu?

19. Dezember 2014 um 21 Uhr 32 (Permalink)

Mich guckt eigentlich niemand schief an, wenn ich mich nicht freudestrahlend ins Getümmel stürze, was ich schon lang nicht mehr mache. Hin und wieder bin ich schon mal auf einem kleinen Weihnachtsmarkt oder einem besonderen, wie letztes Jahr auf dem im Freilichtmuseum im Hessenpark.

In diesem Jahr will sich auch diesbezüglich keine rechte Stimmung einstellen.

Erst gestern, als wenigstens ein Brocken vorübergehend von meinen Schultern genommen wurde, stellt sich ein wenig Entspannung ein.

Was mich am meisten nervt, ist dass es wirklich mittlerweile praktisch ausschließlich um Geschenke geht. Ich habe wirklich das Gefühl KEIN anderer Aspekt von Weihnachten oder der Vorweihnachtsziet hat noch irgendeine öffentliche Bedeutung. Überall hört und liest man nur noch, wieviel Geld die Deutschen im Durchschnitt für Geschenke ausgeben (Beträge von denen ich seit vielen Jahren, eigentlich schon seit ich denken kann, Lichtjahre entfernt bin), es gibt Tips im Radio, was man denn "last minute" noch erwerben könnte, was besonders in und schick ist. "Adventskalender" unter Erwachsenen haben Hochkonjunktur mit täglichem Inhalt in einem Wert, den ich als einzelnes Geschenk schon nicht mehr leisten könnte.
Denkt eigentlich niemand, auch bei den Medienverantwortlichen daran, wie sich die fühlen müssen, die sich sowas nicht oder vielleicht sogar überhaupt keine Weihnachtsgeschenke leisten können?

Eigenen Senf dazugeben?

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