Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Die Zukunft, der Fußball und ich.

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Deutschland ist bewegt. Das Volk strömt in Massen auf die Straßen und freut sich tierisch über die Fußballweltmeisterschaft. Das ist im Grunde schön, und es sei den Menschen von Herzen gegönnt.

Doch führt mir der massenhafte Jubel deutlich vor Augen, dass sich die Menschen zwar durchaus bewegen lassen. so dass ein ganzes Land gleichsam im Ausnahmezustand ist. Aber nur, wenn es um Fußball geht. Ein Sieg, ein Gewinn, der letztlich nichts für das eigene Leben bewirkt, die Gesellschaft nicht wirklich verbessert.

Eine Art Tor in einem Urinal zum Zielpinkeln.Was, wenn die Menschen sich genauso stark engagieren würden in Politik und Gesellschaft? Was, wenn diese Einigkeit auch jenseits des Rasens wäre? Wenn die Menschen sich wirklich verbrüdern würden, sich solidarisieren miteinander, gemeinsam eintreten würden gegen Unrecht und Unterdrückung, für Freiheit, Gerechtigkeit und Akzeptanz- mit der Energie, die König Fußball ballt, könnten wir die Welt aus den Angeln heben. Und lebenswerter machen.

Und der massenhafte Jubel ernüchtert mich. Denn für das Leben interessiert sich niemand. Wer nicht uneingeschränkt mitgröhlt gilt als Miesmacher. Wer etwas verändern will als Idiot.

Der Fußball ist das einzige, was noch die Menschen bewegt.

Ist das die Welt, in der wir leben wollen?

Offenbar.

Außer ich. Ich will mich nicht damit abfinden. Auch wenn ich der einzige zu sein scheine, der nicht fußballbesoffen die bittere Wirklichkeit ignoriert.

Verzapft am 15. Juli 2014, so um 20 Uhr 46

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Kommentare

Was sagt Chrissi Flauschkrähe dazu?

15. Juli 2014 um 22 Uhr 42 (Permalink)

Warum kann ich das nicht so in Worte fassen? Mir gehts da nicht Anders. Ich bin unheimlich enttäuscht, dass dieser Massenwahn komischerweise nur funktioniert, wenn ein Ball rollt - oder ne Prinzessin wie ne Fliege an der Scheibe klebt! (der war böse, weiß ich, war Absicht smile ) Es ist irgendwie ernüchternd, wenn man bei McD. mit High Five auf den Sieg der WM begrüßt wird und jeder Voll - und Halbtrottel weiß, wie das Spiel gelaufen ist - mir aber keiner dieser Kandidaten sagen kann, ob die Hebammen jetzt gerettet sind, ob und wie tief man nach Erdgas bohren darf und wie das jetzt mit der Maut geregelt werden soll. Und man wird als Hater bezeichnet, weil die eigene Meinung nicht massenkompatibel ist, weil man nicht mit gleicher Freude um sich wirft, weil mans den Anderen "irgendwie nicht gönnt"! Aber natürlich gönne ich dem deutschen Volke sein Plaisir - wenn die denn auch mal was für mich tun könnten... von Schlaaand-Rufen kriegt ein kleines, krankes Mädchen keine Medikamente und keine Behandlung, von Tröterei und Huperei wird den Hebammen nicht geholfen, von Autocorsos wird die Maut auch nicht abgeschafft! (Wobei der Streitpunkt grenzwertig ist, denke ich!) Man bräuchte eine Hypnosekröte!

Was sagt franks futt dazu?

16. Juli 2014 um 00 Uhr 22 (Permalink)

Salve! Meines Erachtens dienen Massensportveranstaltungen dazu, die versteckte, nationalstolze Haltung auszuleben... Das war in den 80-igern mit Bumm-Bumm-Boris so und jetzt mit Fuss-Balla-Balla... So wird die blökende Masse - nach dem Orwellschen Modell aus 1984 - gelenkt... Sind halt alles Schafe... Greetz Sabine

Was sagt Violine dazu?

16. Juli 2014 um 04 Uhr 29 (Permalink)

Mehr aktives bürgerschaftliches Engagement wäre mir auch lieber. Die tägliche Übung in differenziertem Denken und Handeln. Nichts gegen die Freude über den Fussball an sich. Ich kann das schon verstehen, dass man sich einfach mal freuen will. Aber die negativen Seiten habt Ihr alle schon angesprochen. Darf man gar nicht sagen, dass einen Fussball nicht interessiert. D.h., ich schon, denn ich stehe in meinem Umfeld nicht alleine mit dieser Haltung.

Was sagt Bianca Bertrams dazu?

16. Juli 2014 um 09 Uhr 29 (Permalink)

Ich kann Euren Frust gut verstehen und habe auch schon oft so gedacht. Das eine oder andere möchte ich aber doch zu bedenken geben, auch wenn es - wie alles - wenn überhaupt immer nur ein Teil der Wahrheit ist. Ein Grund, warum es zumindest beim Fußball funktioniert (das mit Diana kommentiere ich mal gar nicht, das betrachte ich als die simple Sehnsucht nach Kitsch einerseits und Sensationslust andererseits), ist für mich, daß er etwas bitter notwendiges auslöst, wenn man überhaupt *irgendwas* bewirken will, nämlich Freude und ein Gefühl des Zusammengehörens. Nun sind natürlich weder das Robbensterben noch Hartz IV noch Aurelas Schicksal oder irgendein anderes drängendes gesellschaftliches Problem an sich Gründe zur Freude. Aber ich finde, in unserer Art der auseinandersetzung mit diesen Themen haben wir verlernt, *für* irgendwas zu kämpfen statt immer gegen irgendwas. Wir kämpfen mit Blick auf Apokalypse und nicht mit Blick auf Visionen davon, wie es besser sein könnte. Das entmutigt. Niemand von uns, ich vermute auch Ihr nicht, wendet sich im Alltag allzu freiwillig Dingen zu, die anstrengend und aussichtslos erscheinen, und das immer und immer wieder. Wir sollten unseren Medien was entgegensetzen und auch viel mehr über Erfolge berichten - und seien sie auch noch so klein -, um die Menschen zu motivieren, daß es sich lohnt, diese mühevolle und oft traurige Arbeit fortzusetzen und sich mit was auseinanderzusetzen. Und wenn irgend etwas von dem, was wir uns vorgenommen haben, ein wenig besser geworden ist, dann werden wir wohl keine Massen auf die Straße kriegen, aber es könnte auch mal ein Grund zum feiern sein, nicht nur zum durchatmen und gucken, was noch alles zu tun ist. Kraftquellen brauchen wir alle, denke ich. Und mir sind hundert engagierte in jeder Stadt zu einem guten Thema ohnehin lieber als Massenbewegungen. Liebe Grüße an Euch. Seid freundlich zueinander smile

Was sagt Dion dazu?

16. Juli 2014 um 16 Uhr 39 (Permalink)

Und ich dachte, dass ich einen Rant dazu schreiben müsste. Hast es mir wirklich aus dem Mund genommen, lieber Ulf smile Sauberer Post!

Was sagt Jens Bertrams dazu?

16. Juli 2014 um 21 Uhr 30 (Permalink)

Lieber Ulf, ein gutes Posting. - Ich finde nur, wenn ich hier so einige Kommentare lese, dass hier die Meinung vertreten wird, man solle sich nicht über etwas freuen, solange vieles im Argen liegt. Ich finde, beides kann nebeneinander bestehen: Sich über die Fußballmannschaft freuen und andererseits die Probleme dieser Welt nicht aus dem Auge zu verlieren. So mache ich das jedenfalls. Aber ohne freudige Dinge kann es nicht gehen, woher sollen wir dann die Kraft nehmen? Die Frage, warum sich so wenig Menschen für etwas wichtiges begeistern lassen, finde ich wichtig, aber die sollte man unabhängig vom Fußball debattieren. Vielleicht machen wir etwas falsch, vielleicht sind wir zu verbissen, wenn wir versuchen, leute für unsere Ziele zu begeistern. Vielleicht zeigen wir, die wir begeistern wollen, zu viel Verbissenheit und zu wenig Optimismus, zu wenig fröhliche Energie und Tatkraft, zu viel Sauertopfmiene. Ich weiß es nicht, aber darüber denke ich nach.

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