Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Kollektive Trauer: Schürmann. Und auch jemand unbekanntes.

Kategorie: Erlebtes

Petra Schürmann ist tot. Bis dahin konnte ich mit dem Namen nicht viel anfangen, da ich nicht fern gucke. Jetzt trauert ganz Deutschland, die deutsche Blogosphäre und die Twitterer, die Zeitungen, das Fernsehen.

Etwa zeitgleich verstarb bei uns eine Patientin, viele Jahre jünger, an langjährigem Krebsleiden. Die Familie trauert. Sonst niemand.

Warum aber fließen bei Menschen Tränen um jemanden, den sie gar nicht persönlich kennen? Deren Lebens- und Leidensweg sie nicht hautnah miterlebt haben?

Frau A. starb nicht allein und gut betreut. Über ein halbes Jahr haben wir sie begleitet. Auch wenn dieses Verhältnis ein professionelles war, bewegt mich ihr Tod mehr als der von Frau Schürmann. Denn sie habe ich gekannt. Mit ihr gesprochen, wenn sie es brauchte.

Mit Frau Schürmann mag es ähnlich abgelaufen sein. Doch das interessiert mich nicht.

Verzapft am 16. Januar 2010, so um 19 Uhr 09

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Kommentare

Was sagt .Bad username dazu?

16. Januar 2010 um 19 Uhr 58 (Permalink)

Genau so wenig interessiert mich der Tod deiner Patientin. Frau Schürmann kannte ich wenigstens vom Sehen (aus dem Fernsehen vor vielen Jahren).

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 16. Januar 2010 um 20 Uhr 10 (Permalink)

Stellt sich die Frage, weshalb Du hier liest.

Was sagt Kröte dazu?

17. Januar 2010 um 19 Uhr 20 (Permalink)

Die Frage habe ich mir auch grad gestellt. Wer nicht will kann es doch einfach lassen.

Was sagt Dieter dazu?

18. Januar 2010 um 02 Uhr 13 (Permalink)

Eigentlich vermeide ich es ja, Kommentare zu schreiben." Höre " auch schon die Antwort: " Und warum tust Du es dann??? "
(siehe oben).
Aber ein Blog ist ja auch zum Lesen für die Leser - oder?
Ich kannte Frau Schürmann auch nicht persönlich. Wenn es danach geht... Dann beschränken wir uns halt auf unseren mehr oder minder kleinen oder grossen Kreis, in dem wir arbeiten, wohnen - leben?
Dennoch hat mich der Tod von Frau Schürmann auch bewegt.
Sie war nämlich eine - wie heisst es so schön - Frau des öffentlichen Lebens.
Nicht nur Schönheitskönigin - auch in sehr vielen Bereichen der Medien tätig und zwar sehr gut und sehr erfolgreich.
Man kann es nachlesen - oder hören uns sehen, wenn man denn will...
Aber wer nicht will?
Ich lese ja auch - muss ich nicht, ich weiss, vom Tod einer Patientin. Wird irgendwie im Blog auch denen mitgeteilt, die diese Frau nicht kannten.
Frau Schürmann. Ja, sie ist daran zerbrochen, dass ein Geisterfahrer auf der Autobahn sich das Leben genommen hat.
Er fuhr bewusst in den Wagen, der von der Tochter von Frau Schürmann gesteuert wurde...
Wen interessiert das?
Mich - und viele andere - hat dieser tragische Unfall betroffen gemacht.

Er hat das Leben des Selbstmörders beendet, er hat das Leben einer jungen Frau beendet,der Tochter von Frau Schürmann, auf grausame Weise zerstört,
er hat die Mutter, Frau Schürmann,
vor Trauer zum Schweigen gebracht....
Sie konnte nach dem Tod der Tochter nicht mehr sprechen...

Ich weiss nicht, ob ganz Deutschland trauert - trauern sollte.

Vielleicht inne halten - mit Respekt.

Was sagt Katja dazu?

18. Januar 2010 um 12 Uhr 01 (Permalink)

Jeder auf seine Weise! Mir steht der Tod einer Patientin auch näher als der Tod eines Promis. Mag er auch noch so bekannt gewesen sein.

Was sagt Ly dazu?

18. Januar 2010 um 15 Uhr 59 (Permalink)

der tod deiner patientin, in diesem fall, berührt mich nicht. was mich berühren kann bist du, ulf, da du mir doch vertrauter bist als die patientin.

frau schürmanns tod hat mich betroffen gemacht. auch wenn sie ein gutes alter erreichte. warum liegt, so finde ich, ganz schlicht daran, dass ihr gesicht, ihre Stimme, mir von kindesbeinen an vertraut ist, zu einer zeit, als es nur zwei tv sender gab, und das regionale dritte. da sind sprecher und ansager nicht viele in der masse, sondern ständig wiederkehrende vertraute gesichter persönlichkeiten und stimmen, die dir zb nachrichten übermitteln, die, ja, die welt bewegten in der man lebt. da war eine gala-show noch kein beliebiges ding unter einer vielzahl von angeboten, sondern der event am wochenende, sofern man eben drauf stand.
aber nicht anders wird es heute den gehen, die zb nur bestimmte sender schauen, man wird irgendwie, ja, vertraut mit den personen. Es geht gar ohne ein Gesicht, wenn ich z.b. Frank Laufenbergs Stimme auf SWR1-Radio zu später Stunde am WE höre macht mein Herz einen Hops, weil ich ihn als Kind schon toll fand, und ich wünsche ihm ein langes Leben.

Dazu kommt, wie Dieter schon schrieb, das persönliche Schicksal Frau Schürmanns, der Tod ihrer Tochter, das versagen ihrer Stimme hernach, das ist zutiefst menschlich.

in dem moment, wo du hier etwas ausführlicher über einen Patienten schon schriebst, seinen Überlebenskampf, seinen/ihrern Tod, wo du in deinen Blogbeiträgen diesen Menschen anhand Geschehnissen und dezent biografischen Daten greifbar machst, in dem Moment dann berührt mich auch der Tod eines Patienten von dir, weil wir so eben berührt werden, menschlich greifbar.

Ich für meinen Teil habe keine Tränen geweint als nun Frau Schürmann starb, wo weit geht dies was sie angeht bei mir nicht. Aber ich habe geweint als Freddy Mercury starb. Noch mehr natürlich habe ich getrauert, als nahe Freunde starben, derer ich schon 4 verloren habe, um einen trauere ich weiterhin.

Ich finde jedem das seine wo er menschlich berührt ist.

Insofern ist der Kommentar des ersten Kommentators gar verständlich, aus dem Blickwinkel betrachtet, das er jemand ist der betroffen ist vom Tod der Schürmann, man kann den Artikel auch so lesen, das er solche die betroffen sind abwertet. ( unter der prämisse das er kein troll war, aber nicht jeder der so schreibt ist gleich ein troll)

Du bist, ich sag das mal ganz offen, es beschäftigt mich schon länger, in letzter und längerer Zeit ziemlich zickig drauf, wenn andere Meinungen oder Empfindungen hier kommentiert werden. man spürt dann sehr deutlich, man ist nicht willkommen.

Das macht auch betroffen, und ich tue hiermit meine Trauer darüber kund.

liebe grüße
Ly

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 18. Januar 2010 um 16 Uhr 14 (Permalink)

Mich nerven solche Leute wie Bad Username, nur nur mal eben so zum Stänkern kommen.

Ich verstehe einfach nicht die Ungleichheit in der Behandlung. Jeder Mensch ist gleich. Und andere Menschen sterben eben auch und haben ihre Geschichte. Das wollte ich damit aussagen.

Was sagt Ly dazu?

18. Januar 2010 um 16 Uhr 41 (Permalink)

vieleicht hat bad username seinen username so gewählt weil es sehr offensichtlich ist das dich kritische oder anderslautene kommentare nerven, ulf. ich meine das völlig ernst.

ulf, es gibt keine ungleichbehandlung der leute, es gibt sie nicht. deine patientin kennt ausser ihrem kreis und euch pflegern keiner. wäre sie eine person des öffentlichen lebens, vieleicht gar eine solche wie frau schürmann, die das gesicht des fernsehens in weit vergangenen jahren so geprägt hat wie sie hat, immerhin war sie die erste frau als nachrichtensprecherin, würde ebenso "ganz deutschland" um deine patientin trauern oder zumindest ein großer teil betroffenheit empfinden.

ich ( und auch andere ) kann doch nicht um jeden menschen trauern der stirbt, wenn ich diesen doch gar nicht kenne oder nicht mal um ihn weiß.

Du trauerst um diese patientin, das sei dir doch unbenommen, das hat auch bad username nicht negiert, der von sich sprach.

ulf, man trauert, und du weißt dies doch eigentlich selbst, um die menschen, die einen wie auch immer berühren, warum ist doch völlig egal.

die intensität wie sie dich berühren liegt in deiner persönlichen verbindung, die kann eben sein das du sie im sterben als pfleger und mensch begleitest, die kann aber eben auch sein, weil die person anderen etwas schenkte, zb schöne momente im TV wie diese galas, deren gelingen immer von den persönlichkeiten abhängt die sie tragen.

zudem, nicht jeder mensch ist subektiv gesehen gleich. es gibt Menschen die dich berühren, manche mehr andere weniger, und andere berühren dich gar nicht, weil sie dir einfach egal sind, oder aber eben du sie gar nicht kennst. zudem gibts auch noch nen haufen arschlöcher, und dann noch nen haufen nichtssagende leute, also die die dir einfach nix sagen.

petra schürmann hat vielen menschen was gesagt, also trauern auch viele um sie. die tiefste trauer haben sicher ihre angehörigen. man kann besterdings sagen, petra schürmann hat viele menschen berührt irgendwie irgendwo irgendwann.

dazu hatte deine patientin vieleicht einfach keine gelegenheit. das mag schade sein, aber das ist völlig natürlich.

auch insofern sind nicht alle menschen gleich, sie sind nicht gleich in ihrem leben wirken und einfluss.

ist es nicht letztlich wichtig, das überhaupt auch nur ein einzelner mensch trauert, stirbt ein anderer?

Was sagt Ly dazu?

18. Januar 2010 um 16 Uhr 59 (Permalink)

grad nochmal bad username:

ich persönlich hab das nicht als stänkern empfunden, die gründe hab ich schon dargelegt. wie gesagt, du reagierst sehr empfindsam und genervt auf andere meinungen. letztlich hat bad username mit seinem sinnigen namen nix anderes getan, als das, was du im artikel geschrieben hast, umzukehren, aus seiner persönlichen sicht. vieleicht hat er sich "angestänkert" gefühlt.

Ob er mal eben so zu stänkern vorbeigekommen ist weißt du nicht.
Er hat einfach seine wahrheit ausgeprochen, nicht mehr nicht weniger, und seine aussage klingt nicht stänkerisch.

du empfindest es so, womit ich nochmal drauf hinweise, das seit längerer zeit hier tendenziell anderslautende meinungen empfindungen unwillkommen sind, was deutlich zum ausdruck gebracht wird.

Was sagt Ly dazu?

18. Januar 2010 um 17 Uhr 03 (Permalink)

ps: das mit erste frau als nachrichtensprecherin nehm ich zurück wink da siehste mal wie weit sie mir eindruck hinterlassen hat.

Was sagt Dieter dazu?

18. Januar 2010 um 19 Uhr 53 (Permalink)

Ly, besser kann " man " es nicht ausdrücken und beschreiben. Vor allem auch so sachlich und fair und doch meschlich. Respekt!

Was sagt Barbara dazu?

19. Januar 2010 um 06 Uhr 35 (Permalink)

Ich glaube, dass viele Menschen beim Tod eines Promis ihre eigenen, unverarbeiteten Gefühle und Erlebnisse (seien sie nun bewusst oder unbewusst) auf die Promis projizieren. Kollektives Massen-Trauern. Etwa so, wie Fussballfans im Stadion ihre Aggressionen rausbrüllen, nur umgekehrt. Da frag ich mich dann auch: um wen geht es eigentlich: um den Verstorbenen oder eigene Anteile?

Ich möchte aber dennoch niemandem echtes Mitgefühl absprechen.

Was sagt Ly dazu?

19. Januar 2010 um 13 Uhr 48 (Permalink)

ich glaube es ist beides, irgendwie, vieleicht häufiger als wir denken.
wenn wir um einen Menschen trauern, betrauern wir dabei nicht auch zeitgleich den verlust, den wir selbst empfinden? der verlust hat ja was mit uns, mir selbst zu tun. aber ob das generell unverarbeitete gefühle sind ist eine kühne annahme. warum sollen gefühle die da auftauchen unverarbeitet sein? gefühle sind gefühle, sie sind da, gehören zu unserem wesen. wie soll man sie denn verarbeiten. man kann sie annehmen, mehr ist es doch nicht.

Natürlich können sie einen hinterrücks überfallen, sicher sollte ich (man) sich auch mal fragen, ob zb die wut oder der ärger den ich da gerade auf die oder den empfinde nicht gerade auch im besonderen eher was mit mir zu tun hat. das ist gar ziemlich sinnvoll.
aber generell, das alles eine projektionsfläche für unverarbeitetes, was eigentlich nur "unentdecktes" ist, ich weiß nicht. wegverarbeiten kann man gefühle zudem auch nicht, und sollte man auch nicht. unterdrücken gar besser mal gar nicht, das macht krank und depressiv. ich ( man) kann sie doch nur händeln lernen, bestenfalls.

ganz sicher sind promis und ihr (gezeigtes!) leben AUCH eine projektionsfläche für träume und gefühle die man hat, mal als beispiel genannt die heutigen sternchen wie paris hilton, würde ihr was passieren wären sicher so einige am weinen, auch wenn andere dies belächeln werden.

diese sternchen, bzw was von ihnen gezeigt wird jedoch sind, für mein empfinden, anders als nun die schürmann, die, für mein empfinden, so sehr viel greifbarer war als mensch.

was uns heute oft in tv und anderen medien gezeigt wird, an öffentlichen personen, ind märchen, augenscheinlich "gelebte" märchen.

dennoch gibt es persönlichkeiten, wie die schürmann, die als Mensch vor uns standen. da bin ich mir sicher, das man das nicht so einfach vermischen kann, von wegen projektionsfläche.

als dieser fußballer sich umbrachte, habe ich im umfeld ehrliche erschütterung erlebt. mein freund hat sehr sicher nicht um einen promi als projektionsfläche für unverarbeitete gefühle getrauert, sondern um den menschen und sein persönliches schicksal.

wenn ich aber, wie die tage, eine 60 seitige fantasy-geschichte lese, und gegen ende wie ein schlosshund heule, dann war das ganz sicher eine projektion meiner eigenen gefühle auf die protagonisten der story und der handlung. Eben genau so, wie dies in guten Filmen jeglicher art funktioniert, das macht doch eine gute storyline und darstellung erst aus.

Ich denke aber, das bei all dem, und das ist die gratwanderung der heutigen Medienwelt, nicht vergessen werden darf, das hinter allen storys und berichten um promis, nachrichten aus aller welt etc, echte menschen stehen, die mattscheibe also nicht nur comic-bilder und projektionsflächen flimmern lässt.

ich glaube aber im eigentlichen, das man unseren mitmenschen, bei aller subjektiv empfundenen verrohung, trotzdem zutrauen kann, das, im gegensatz zu einer storyline eines filmes oder buches, sehr wohl bewußt ist, das es um menschen geht. so wird schlussendlich auch die evtl trauer um ein sternchen nicht nur projektion eigener Gefühle sein, sondern vieleicht gar eine trauer um den menschen, der, auch wenn es andere verwundert, spass, unterhaltung, träume und einiges mehr gab.

nur am rande: echte fußballfans haben mE eine ganze palette mehr emotionen als hauptsächlich aggressionen, sind sie im stadion. das fußball letztlich nur eine projektionsfläche für eigene unverarbeitete gefühle ist, ist eine sehr distanzierte sicht.

sind es nicht emotionen, die letztlich uns, und damit auch die welt, bewegen?

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