Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Fukushima: Mich für andere opfern - würde ich das können?

Kategorie: Mischmasch

Hier auf dem sicheren Sofa im fernen Deutschland sitzend kann man viel behaupten. Manche verspotten die fünfzig Freiwilligen sogar, welche in der Reaktorhölle von Fukushima versuchen, Schlimmeres zu verhindern und dies wohl mit einem frühen und qualvollen Tod durch die Strahlenkrankheit quittiert bekommen werden.

Radioaktiv.Über die Spötter will ich nicht mehr Worte verlieren, nur vier: IHR SEID DUMME ARSCHLÖCHER!

Ich könnte natürlich jetzt sagen, würde das hier passieren, wäre ich auf jeden Fall dabei, um die Welt zu retten die Menschen hier zu schützen. Trockenübung. Ich liebe das Leben. Und ich liebe meine Liebste und meine Familie. Und ich will sie nicht verlieren, und daß sie mich verlieren will ich auch nicht. Von daher halte ich für ebenso wahrscheinlich, daß ich mich nicht freiwillig melden würde, wäre mein Leben bei dem Einsatz in ernster Gefahr.
Oder aber doch?

Das sind Spekulationen. Ich hoffe, ich werde die Antwort niemals erfahren müssen, ob ich ein Held bin oder nicht. In Japan setzen jedenfalls fünfzig Menschen ihre kostbaren Leben in brennenden und schmelzenden Atomkraftwerken für ihre Mitmenschen aufs Spiel. Das sind Helden.

Verzapft am 18. März 2011, so um 16 Uhr 10

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Kommentare

Was sagt Stefan dazu?

18. März 2011 um 17 Uhr 20 (Permalink)

Da habe ich neulich auch schon drüber nachgedacht.
Ich bin sicher, dass ich zu viel Schiss hätte, dasselbe zu tun. Aber wenn ich schon verstrahlt bin, kommt es auch nicht mehr darauf an. Dann kann man das wohl gleich bis zum Ende durchziehen.

Was mich nur irritiert hat, ist diese Heldenverehrung. Ich hatte neulich die Doku über Tschernobyl gesehen und in den youtube Kommentaren (ja ich weiß, die sollte man eigentlich nicht lesen) stand sehr oft:
Diesen Helden ist es zu verdanken, dass wir noch leben.
Und ich war mir sicher, dass die russischen Soldaten/Bergarbeiter/Feuerwehrleute keine Helden sind. Denn die wussten nicht, auf was sie sich da einließen.

Das wird bei den japanischen Ingenieuren derzeit anders sein, wobei ich mir bei den Ansichten der Japaner über die Atomkraft nicht 100% sicher bin...

Auf jeden Fall sind das Menschen, deren Handlungen mir mehr als nur Respekt abverlangen. Man kann es nicht annähernd in Worte fassen, schließlich opfern sie ihre Gesundheit und ihr Leben.
Aber mit dem Wort Held assoziere ich immer auch was propagandahaftes, etwas negatives. Denn es sind Menschen. Menschen mit Fehlern und Schwächen. Menschen wie Du und ich. Menschen mit einer unglaublichen Opferbereitschaft.

Was sagt Torsten dazu?

18. März 2011 um 18 Uhr 08 (Permalink)

Irrtum, im Sozialismus wurden alle vor der möglichen atomaren Verseuchung durch einen Atomkrieg vorbereitet! Die Armeen waren mit ABC Sachen bestens vertraut, die Soldaten durften das entsprechende Kampfgepäck auch bei Gewaltmärschen im Hochsommer anziehen und schleppen... Kann ja sein das die Freizeitarmee Bundeswehr nicht so vorbereitet war, und der gemeine Bundesbürger früher lieber Willi Lemke schaute. Der Osten nicht.

Was sagt Gina dazu?

18. März 2011 um 18 Uhr 24 (Permalink)

Ich gebe zu, ich wäre eine von den Irren. Keine Ahnung warum. Ego? Ich meine, wir Menschen tun alles nur für unser Ego, Altruismus ist schlicht Egoismus! Wir hören das nur nicht allzu gern... Die meisten fühlen sich toll, wenn sie Geld spenden. Das ist das definitiv Geringste, was man für´s eigene gute Gefühl tun kann - und das tun wir. Ob es Sinn macht, oder nicht. Siehe auch hier.

Was sagt Helmut Hirner dazu?

18. März 2011 um 18 Uhr 39 (Permalink)

Wir brauchen keine Helden, sondern vernünftige Menschen mit Hausverstand die es wagen den gekauften Experten die Stirn zu bieten. Jeder Mensch sollte ein Recht auf Leben haben und das sollten wir uns von einigen verbrecherisch unverantwotlichen Politikern und Experten nicht nehmen lassen, egal wie viel Geld sie damit verdienen könnten.

Was sagt HF dazu?

18. März 2011 um 22 Uhr 42 (Permalink)

Das sind (leider) keine Helden, sondern Menschen, die mein grenzenloses Mitleid haben, weil sie für die, die für die Katastrophe verantwortlich sind, ins feuer gehen. Die Verantwortlichen laufen dann hinter den Särgen her und errichten ein Denkmal, aber leben weiter!

Was sagt Dieter dazu?

19. März 2011 um 01 Uhr 52 (Permalink)

Gut geschrieben Ulf. Auch für mich sind es Helden. Und ich finde es traurig, zu diskutieren, ob wir Helden brauchen - oder Mitleid denen zeigen, die ggf. unzählige Menschen retten. Hier sollte man - auch wenn es schwer fällt - einmal unideologisch sein.

Was sagt DanielB dazu?

19. März 2011 um 10 Uhr 20 (Permalink)

@Torsten was ist das eigentlich für einen Blödsinn? Wenn ich von mehreren gehört habe, wie sie vor der Wende auf atomaren Beschuss vorbereitet wurden bzw. selbst abfeuern sollten und das von einer Haubitze (So war es hier)? Pardon, aber wenn ich atomare Munition mit einer Haubitze über 50km verschießen soll, glaubst du ernsthaft daran, dass denen dann nichts passiert wäre? Diese ABC-Schutzausrüstung war nun wahrhaftig kein absoluter Schutz gegen radioaktive Strahlung!

Was sagt Mao-B dazu?

19. März 2011 um 11 Uhr 59 (Permalink)

Ich kann jetzt nicht sagen, ob Ich mich für jemanden speziellen oder eine grösse Sache wie z.B. das Allgemeinwohl opfern würde. Ich schätze es kommt auf die konkrete Situation an, und den Einfluss den diese auf mein Entscheidungsverhalten hat.

Was sagt kall dazu?

20. März 2011 um 14 Uhr 43 (Permalink)

Die Diskussion ist eigentlich obsolet. Kalr kann man sich Gedanken machen, ob man ... oder ob nicht. Aber das sind und bleiben Gedankenspiele, weil niemand vorher wissen kann, wie er reagieren wird. Selbst wenn, wwas nicht der Fall ist, die Reaktion allein von kühler rationaler Analyse bestimmt würde, wären einfach zu viele Paramter an der Entscheidung beteiligt, die im Vorherein niemals alle bedacht und vorrausgeplant werden können.

Aber noch wichtiger ist: Ein Held wird man in aller Regel nicht, weil man ein Held werden will, sondern duch Zufall, weil man UNGEPLANT in eine Situation gerät, in der man zum Held werden kann oder auch nicht. Oft ist es noch nicht einmal so, dass die "Helden" in der konkreten Situation überhaupt eine wirkliche Wahl hätten. Die Situation macht in der Regel die Helden, nicht die Helden sich selbst.

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