Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Jesusrunde.

Kategorie: Mischmasch

„Kommt heute abend auch der Heiland?“

Jesus kifft.Dieser Frage einer uralten Ordensschwester sah ich mich 1991 unerwartet ausgesetzt. Ich war zwar ungläubig, aber aufgeschlossen, evangelisch aufgewachsen, und arbeitete seit kurzem in einem katholischen Krankenhaus als Zuvieldienstleistender.

Immer wieder fragte Schwester M. Rachitis*1 danach, ob denn „der Heiland“ käme. Dies verwirrte mich sehr, da sie sonst vergleichsweise fit in der Birne zu sein schien und nicht dafür bekannt war, Halluzinationen*2 zu haben.

Ich wurde von H. eingearbeitet, einer jungen, lieben, hochgewachsenen und sehr katholischen Krankenschwester, die mir auch das nötige Wissen über katholische Dinge beibrachte. Dies Wissen war eine wichtige Basis für einen Teil meiner Arbeit in der Krankenpflege, denn zu den Bedürfnissen des Menschen gehört oft auch Religion als „Sinngebendes Verfahren“. Und in einer schwer katholischen Stadt und mit Mutterhaus und auch der Innenstadt als Einzugsgebiet (Mit Domburg etc.) war die „Kundschaft“ entsprechend katholisch, und davon wußte ich bis dahin nur recht wenig.

H. erläuterte mir, von mir auf die fragliche Verwirrtheit angesprochen, sie meine die Kommunion. Die PatientInnen, die nicht selbst in den Tempel die Kapelle können, können die Messe über Kopfhörer (seit einiger Zeit sogar über den Fernseher) verfolgen und bekommen dann die Kommunion ans Bett geliefert.

Zu diesem Zweck bekamen die Betreffenden (vorher wurde gefragt) eine schöne Serviette als Tischdeckchen auf die Platte des Nachtschränkchens und ein Teelicht*3 im Halter und, so verfügbar, Blühpflanzen drapiert.
Daß für Katholens die vom Priester bebetete Oblate tatsächlich dann so richtig ganz in echt Jesusfleisch in Person darstellt, das kapierte ich erst später so wirklich in Gänze, und daß die gegessen, verbrannt oder beerdigt*4 werden müssen und keinesfalls Abfall sind. Weshalb der Priester*5 den Kelch mit dem Wein als dem Glauben nach echten Blut des Sektengründers mit Wasser umgespült nochmals austrinkt und dann sorgsam trockenwischen macht.

So meine also Schwester Rachitis die Kommunion in Gestalt von durch ein schamanoides Ritual gefleischten Stück Eßpapiers. Darauf soll ein Ketzer erstmal kommen!

Nun bekam ich zwangsläufig über die Jahre recht viel mit. Ich war auch neugierig, denn wenn ich meine PatientInnen pflegen wollte, dann auch diesen Teil ihrer Bedürfnisse, und ich glaube, ich bekam es auch meist recht gut hin.

Aber diese vermeintliche Vision bekam ich nie wieder aus dem Kopf. biggrin

Verzapft am 13. März 2012, so um 10 Uhr 13

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Kommentare

Was sagt Achim dazu?

13. März 2012 um 15 Uhr 15 (Permalink)

Also, bei Katholens sind die Hostien keine Oblaten, jedenfalls nicht im Bistum Trier, hier ist das so ein dünnes Stück "Brot", also nicht wirklich Brot, aber auch keine Oblate, schon 1,5 Millimeter dick, nicht höchstens 0,2.

Die Evangelen haben, glaube ich, Oblaten, also diese dünnen Teile, wo man auch leckere Mandel- oder unleckere Kokosmakronen drauf tun kann.

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 13. März 2012 um 16 Uhr 27 (Permalink)

Kokosmakronen sind auch lecker. Geschmackssache halt. Auf jeden Fall sind diesr spirituellen Pappen nicht so lecker wie der Kuchen vom WE. weblog.hundeiker.de/item-6228.html

Was sagt Achim dazu?

13. März 2012 um 20 Uhr 19 (Permalink)

Also ich mochte die immer recht gerne.

Aber ich gehe nicht mehr in die Kirche, zuletzt letztes Jahr zum so genannten Jahrgedächtnis meiner Mutter, wo ihr Name kurz erwähnt wurde. Dieses Jahr hat das keiner veranlasst.

Ich frage mich immer noch, wie das diesem "Gott" dienen soll, wenn da so eine Veranstaltung stattfindet, also wieso das "Gottesdienst" heißt.

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