Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Qualitätsgemanaged und normgerecht.

Kategorie: Held der Arbeit

Irgendwo in einem Betrieb hängt wohl immer irgendein Wisch, der zertifiziertes Qualitätsmanagement nach ISO irgendwas bescheinigt.

Gestern im Bus kam ich mit einer Dame, die noch im Berufsleben stand, ins Gespräch, und bald stellte sich heraus, dass sie ebenfalls Krankenschwester war. Und wenige Jahre vor der Rente nochmals den Arbeitgeber zu wechseln gewagt hatte. Nun hatte sie tatsächlich wieder eine Stelle, wo sie so pflegen konnte, wie man das eigentlich lernt- kreativ und individuell und nicht als starre Erfüllung irgendwelcher Normen, von denen nicht abgewichen werden darf. Das QM ist allgegenwärtig und beherrscht sämtliches Denken und Handeln.

Sie meinte, und da gebe ich ihr vollkommen recht, so werden Problemlösungen und Innovationen regelrecht verhindert. Ich musste früher oft experimentieren, weil manche Dinge nicht verfügbar oder schlicht noch nicht erdacht worden waren, und ich hatte Erfolg damit. Später durfte nur noch nach Vorschrift gehandelt werden. Standartisiert.

Was ich jedoch besonders bizarr finde: QM nach ISO ist eigentlich eine Industrienorm. Und nun, da ich in der richtigen Industrie arbeite, in einem ebenso zertifizierten Betrieb, stelle ich fest: Hier ist das Qualitätsmanagement längst nicht so dominant, so vorherrschend, so einengend, so Druckmittel.

Ausgerechnet.

Verzapft am 14. April 2014, so um 12 Uhr 13

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Kommentare

Was sagt Westsideblogger dazu?

14. April 2014 um 14 Uhr 48 (Permalink)

Wer behauptet, QM würde ordentliche Pflege in sozialen Bereichen verhindern, bzw. wer zulässt, dass es das tut, hat nichts davon verstanden. In keinem Punkt der Norm EN ISO 9000ff wird vorgeschrieben, wie die direkte Pflege stattzufinden hat.
Es geht in erster Linie um die Dokumentation und Verfolgbarkeit von Vorgängen, um Fehler zu vermeiden. Ich habe in entsprechenden Lehrgängen erlebt, wie sich z.B. Apotheker das Leben schwer machten, weil sie das Audit fürchteteten.
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich aus einer Art vorauseilendem Gehorsam ein Prinzip entwickelt hat, das nun als Standard für Bewertungen benutzt wird.
Das ist nicht nur in der Pflege so, auch Industriebertriebe kranken daran.

Meiner Meinung nach liegt das einzig an einer recht komplexen Übererfüllung der tatsächlichen Anforderungen. Kaum jemand, den ich bisher sprach, hat die Norm überhaupt verstanden (oder gelesen und dann verstanden...).

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. April 2014 um 18 Uhr 04 (Permalink)

Schon zur Kickoff-Veranstaltung wurden massiv Angst und Druck aufgebaut. Im QM-Handbuch steht für jeden Furz, wie er zu lassen ist. Exakt und minutiös. Das Mittel QM wird letztlich dazu verwendet, um MitarbeiterInnen erst recht einzuschüchtern und noch effektiver auszupressen. Seit dessen Einführung wurde Arbeit extrem verdichtet und, wie gesagt, massiv Druck ausgeübt.

Und das ist nicht nur meine Wahrnehmung. Sämtliche Pflegekräfte, die ich kennengelernt habe, auch aus anderen Häusern und Städten, berichten mir genau dasselbe.

Es mag nicht der Sinn sein von QM. Doch genau dafür wird es im Gesundheitswesen benutzt.

Was sagt Westsideblogger dazu?

14. April 2014 um 19 Uhr 39 (Permalink)

Ich sage ja nicht, dass es nicht so ist, sondern habe ein paar Gründe dafür genannt. Würde die Damen und Herren gerne mal auditieren und Verbesserungshinweise geben. smile

Was sagt Ulf, der Größte, dazu?

Kommentar vom Scheff hier am 14. April 2014 um 19 Uhr 41 (Permalink)

Ich zweifle, dass daran Interesse besteht. Ich denke, die haben schon verstanden, worum es gehen SOLLTE. Die missbrauchen das einfach.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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