Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

Erschütternd. Winehouse. Oslo. Afrika.

Kategorie: Meine unqualifizierte Meinung

Als ich gestern versuchte, näheres zum Tode von Amy Winehouse zu erfahren, stellte ich fest, daß die meisten dazu berichtenden Seiten unter der Last der Anfragen alle viere von sich gestreckt hatten. Und ich stellte fest: Dies war beim Massaker in Oslo mit der neunzigfachen Anzahl an Toten nicht so gewesen. Davon, daß täglich zigtausende Menschen wegen Ungerechtigkeit sterben spricht überhaupt gar niemand. Da brechen die Server nicht zusammen, weil gar keine Anfragen kommen.

Natürlich sind das alles verschiedene Dinge, die man miteinander nicht vergleichen sollte. Tu ich trotzdem, denn ich zweifle das sollte an.

Amy Winehouse, 27 Jahre, zu Recht ausgezeichnete Soulsängerin. Wegen ihrer Drogeneskapaden Liebling der Regenbogenpresse. Medienwirksame Selbstzerstörung, die vermarktet wurde und wird, ohne wirklich Informationen zu bieten. Unterhaltsam. Brot und Spiele eben.

90 Menschen, die vor allem eins hatten: Das Pech, dort zu sein, wo der Attentäter auch war und wirkte. Schockierend zwar, aber das waren ja keine wichtigen Menschen. Also Menschen, die man "kennt", nicht aus den Medien, privat schon gar nicht. Keine Möglichkeit, sich zu identifizieren. Zumal die Massakrierten keine Einzelpersonen mehr sind, sondern eine Masse, in der das individuelle Schicksal unterschwindet.

Zehntausende Menschen (vor allem Kinder), die täglich sterben an Unterernährung, mangelnder medizinischer Versorgung, Krieg. Als Folge der Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Als Folge der gesetzten Prioritäten der Regierungen und der Wirtschaft, die sich daran orientieren, was ihnen nützt. Als Folge der Tatsache, daß sie keinen Unterhaltungswert haben. Zu alltäglich.

Dies ist keine Wertung, kein Vorwurf.

Verzapft am 24. Juli 2011, so um 08 Uhr 33

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Kommentare

Was sagt Brutzler dazu?

24. Juli 2011 um 11 Uhr 04 (Permalink)

Schlimm! zum brechen!

Was sagt evilmel dazu?

24. Juli 2011 um 14 Uhr 40 (Permalink)

Ereignisse, die Menscxhen erschüttern. Ereignisse, die zum weiterdenken auffordern. Kinder, die sterben, weil es vielen Menschen zu egal ist, was anderen geschieht, oder die nicht bereit sind, den Zusammenhang zwischen ihrem Wahlgang und der daraus erfolgenden Situation für andere zur Kenntnis zu nehmen. Attentatsopfer, die sterben, weil wir es geschafft haben, soziale Netze zum Luxus verkommen zu lassen, weil wir roh genug sind, den Anderen, den Unbequemen auszugrenzen statt auf ihn einzugehen. Der SarrazinJünger wird nicht ewig auf sich warten lassen.
Wo ist der gesellschaftliche Dialog?
Eine Sängerin, die ohne ihre Eskapaden kaum Aufmerksamkeit bekommen hätte, Marktwert: Selbstzerstörung.
Gekonnt nebeneinandergestellt, Glückwunsch, Ulf.
Gruss, Mel

Was sagt rauskucker dazu?

24. Juli 2011 um 20 Uhr 24 (Permalink)

Ich kämpfe bei meiner rauskuck-Arbeit ja ständig damit, daß "Themen" um meine Emotionen konkurrieren. Ich kann nicht an zwei Schauplätzen gleichzeitig fühlen. Hab aber die Tage bei allen drei von dir genannten Tränen vergossen, jeweils an bestimmten Stellen. Zugegeben am meiststen bei den Inseljungs und -mädchen, da konnte ich mich doch stark hineinversetzen.

Eine traurige Zeit.
Frage mich, ob all die (ohne Ironie!) klugen Twitterer (oder gar Journalisten!) sich auch mal die Zeit nehmen, ihre Trauergefühle zu erleben. Oder kommt da immer gleich die Rationalisierung?

Vorhin mußte ich schon wieder flennen, aber vor Freude, über dieses glückliche Paar von 2 uralten Frauen in New York, die endlich heiraten durften.

Was sagt rauskucker dazu?

24. Juli 2011 um 20 Uhr 44 (Permalink)

äh, das mit dem 3. Thema, da meinte ich konkret die Bilder von den verhungernden Kindern, Müttern, Greisen und Kamelen aus Somalia, die ich täglich sehe.

schon seltsam, wenn es ein sterbendes Tier ist, das einen am stärksten berührt.

Eigenen Senf dazugeben?

Es hilft, sich einen Account anzulegen und sich anständig zu betragen. Dann kannste auch kommentieren.

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